Hisbollah Die unfrommen Geschäfte der Partei Gottes

Drogen, Diamanten, Geldwäsche: Die radikal-islamische Hisbollah unterhält ein weltweites Geschäftsnetzwerk, das ihren Terror finanziert.

Von T. Avenarius

Der libanesische Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah setzte eine unschuldige Miene auf: "Seit wann ist es unehrenhaft, den Palästinensern zu helfen?" Nasrallahs Fernsehrede war die Antwort auf eine peinliche Panne: Die ägyptische Polizei hatte ein Netzwerk der libanesischen Hisbollah ausgehoben - in Ägypten. Die Untergrundzelle sollte den Palästinensern im Gaza-Streifen im Kampf gegen Israel helfen und möglicherweise auch israelische Touristen entführen. Nach dem ägyptischen Fahndungserfolg musste die Hisbollah - die "Partei Gottes" - erstmals eingestehen, in einem anderen arabischen Staat aktiv zu sein.

Geschäftlich ist die Hisbollah seit langem international aktiv: Die Hisbollah ist auch "Biz-Allah" - ein göttliches Geschäft auf der Basis eines internationalen Finanznetzes. Mit illegalen Geschäften soll die Partei und Miliz, die in Libanon in Parlament und Regierung sitzt, Geld für den Kampf gegen Israel und für die soziale Arbeit im Libanon erwirtschaften. Außer an Spenden von Exil-Libanesen verdient Hisbollah Geheimdienstberichten zufolge am Diamanten- und Drogenhandel, an Produktpiraterie und Geldwäsche.

Über die Existenz der illegalen weltweiten Geldkanäle sind sich Experten aus den USA, Europa und Israel einig. So hat die US-Drogenfahndung zusammen mit der Polizei in Kolumbien und Mexiko mehrere Drogen-Ringe zerschlagen, die Verbindung zu exil-libanesischen Unternehmen und der Hisbollah hatten. Der Ort Maicao auf der kolumbianischen Halbinsel Guajira soll in libanesischer Hand sein, wie das israelische Anti-Terror-Institut in Herzeliya behauptet. Maicao ist ein Geldwäschezentrum.

Gut getarnt

Derartige Beziehungen zu beweisen, ist jedoch schwierig: Die Hisbollah bedient sich in Südamerika und Afrika der typischen arabischen Familienunternehmen als Tarnung. Exil-Libanesen haben die Firmen vor Jahrzehnten in Panama, Venezuela, Sierra Leone, Senegal oder Kamerun aufgebaut. Sie unterstützen die Gruppe mehr oder weniger freiwillig. "Jährlich oder halbjährlich ruft die Hisbollah Geschäftsleute in Westafrika auf, Abgaben zu zahlen", heißt es in einer Studie der US-Denkfabrik International Assessment and Strategy Center.

Diese Verbindungen seien kaum zu durchschauen. "Belgische Geheimdienste betrachten die libanesischen Clanstrukturen der lokalen Schiiten-Gemeinden als Basis aller Wirtschaftsaktivitäten, seien sie legal oder illegal". In Afrika ist es der Diamantenhandel, der riesige Gewinne abwirft: Er soll inzwischen weitgehend in der Hand libanesischer Schiiten sein. 2003 wurden zwei Exil-Libanesen in Belgien wegen illegaler Diamantengeschäfte verurteilt. Beide waren angeblich Hisbollah-Sympathisanten. Bei einem Flugzeugabsturz 2003 über Benin sollen unter den Opfern Hisbollah-Männer gewesen sein - mit zwei Millionen Dollar im Gepäck.

Das Schema zeigt sich auch in Lateinamerika: Das Dreiländereck zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay gilt als Hort der Gesetzlosigkeit. In den Städten Ciudad del Este und Foz do Iguazu sollen US-Angaben zufolge jährlich bis zu zwölf Milliarden Dollar gewaschen werden - von Mafiosi aus aller Welt. Hisbollah habe Hunderte Millionen Dollar aus dem Handel mit Drogen, Waffen sowie gefälschten Markenprodukten im Dreiländereck legalisiert, meinen US-Experten. Wie in Afrika machen Familiennetze und korrupte Behörden das Geschäft möglich. Vor allem der Drogenhandel in Zusammenarbeit mit den mächtigen Kartellen Kolumbiens oder Mexikos wirft Geld ab: Fachleute sprechen vom "Narco-Islamismus". 2008 flog ein kolumbianischer Kokain-Ring mit Hisbollah-Verbindung auf. In den Augen der Polizei belegte dies die Partnerschaft zwischen Latino-Drogen-Mafiosi und nahöstlichen Islamisten.

Die Gerüchte wabern

Wo Nasrallahs Gruppe auftaucht, ist Iran nicht fern. Hinweise gibt es seit langem: Hisbollah und die iranischen Geheimdienste sollen verantwortlich sein für zwei Bombenanschläge auf israelische Einrichtungen in Argentinien in den neunziger Jahren. Erkennbar aktiv sind beide in Venezuela: Der anti-amerikanische Präsident Hugo Chávez ist ein Freund des iranischen Staatschefs Mahmud Ahmadinedschad, in dem er einen Partner im Kampf gegen Washington sieht. US-Fahnder vermuten, dass Venezuelas Behörden den Unternehmen der Hisbollah wohlwollend gegenüberstehen und mit falschen Pässen versorgen.

Ein weiterer Hinweis auf die Zusammenarbeit sind die "islamischen Kulturzentren", die Teheran in afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern aufbaut: Nach den Worten von US-Verteidigungsminister Robert Gates "missionieren Agenten der Hisbollah und der Iraner in der Region". Michael Braun, Ex-US-Drogenfahnder, spricht von einer Präsenz der iranischen Revolutionswächtern in Lateinamerika - die paramilitärische Organisation arbeitet mit Hisbollah zusammen.

Der libanesische Parlamentssprecher Nabih Berri unterhält engste Kontakte ins afrikanische Sierra Leone. Dort geboren, ist er heute Chef der schiitischen Amal-Partei. Mit Hilfe des Hisbollah-Verbündeten Berri soll Iran in Sierra Leone aktiv geworden sein: Mit einem Ausbau der diplomatischen Beziehungen und einem Kulturzentrum in Freetown.