Russlands Premier Putin zweifelt laut am Bau der Ostsee-Pipeline: Europa müsse einen hohen Gasbedarf anmelden, sonst werde die Pipeline nicht gebaut.
Russland hat den Bau der Ostsee-Pipeline infrage gestellt. Ministerpräsident Wladimir Putin sagte, Europa müsse sich entscheiden, ob es so viel Gas brauche, wie Russland durch die Röhre liefern könne. Falls nicht, "werden wir die Pipeline nicht bauen", sagte er am Mittwoch in Moskau nach einem Gespräch mit dem finnischen Premier Matti Vanhanen.
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Der russische Premier Wladimir Putin will eine Entscheidung von Europa. (© Foto: AP)
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Russland werde die Entscheidung nicht forcieren: "Wir brauchen diese Pipeline nicht nötiger als Europa". Moskau könne stattdessen das Gas verflüssigen und in Tankern ausliefern.
Die 1220 Kilometer lange Röhre soll vom russischen Vyborg nach Greifswald führen und von 2011 an pro Jahr 27,5 Milliarden Kubikmeter durch die erste von zwei Röhren transportieren. Das Projekt war von Putin während seiner Amtszeit als Präsident gemeinsam mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Leben gerufen worden.
Schröder leitet heute den Aufsichtsrat des Betreiberkonsortiums Nord Stream, an dem der russische Energiekonzern Gazprom und die deutschen Unternehmen Eon und BASF beteiligt sind. Das Projekt steht seit seiner Gründung in der Kritik. Umweltschützer in Schweden haben gegen den Bau durch die ohnehin strapazierte Ostsee protestiert, Polen und Balten befürchten die energiepolitische Isolation.
Moskau hat dennoch nie Zweifel an dem Vorhaben aufkommen lassen, obwohl die Kosten jährlich stiegen und jetzt bei 7,4 Milliarden Euro liegen. Die Pipeline, so die Rechnung, würde die hohen Transitkosten beim Transport über Land durch Polen und die Ukraine einsparen. Die Finanzkrise aber hat Russland schwer getroffen. Der Ölpreis, der Motor des Wohlstands, hat sich halbiert. Gazprom ist wie fast alle Unternehmen hoch verschuldet.
Sollte sich Russland angesichts europäischen Zögerns gegen die Pipeline entscheiden und stattdessen Flüssiggas auf die Märkte bringen, wäre dies teurer, warnte Putin. Die Entscheidung müsse aber gemeinsam und verantwortungsvoll getroffen werden, "mit Blick auf die Energiesicherheit Europas".
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(SZ vom 13.11.2008/ssc)
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An Herbert:
Wenn die Ukraine und Polen sie nicht bezahlen können wird die jetzige Leitung halt zu gemacht. d.h.
Es ist aber nie vorgekommen, dass Polen die Gasrechnungen nicht bezahlt hatte (und auch an dieser Stelle erwartet Polen keinen moralischen Beistand von Deutschland). d.h. ein sehr teures und sich ökonomisch nicht rentierendes Projekt wird gebaut auf Verdacht, dass Polen eines Tages eine Zahlungsrate ausfallen wird? Sehr interessant.
Da dürften die Russen erst recht die Ostseepipeline nicht bauen auf Verdacht, dass Deutschland eines Tages die Gaszahlungen einstellt. Wäre schon logisch, oder?
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An Wienun´
Hallo Jan45, schon vergessen 1975 war Polen Mitglied des Warschauer Pakts . . .
Das stimmt, als Folge des 2.Weltkrieges. Aus diesem Grund haben wir viele ungelöste Probleme in der EU, weil diese nicht früher erledigt werden konnten.
Jan45:
Es werden Kriegsschiffe in den Golf von Jemen etc. geschickt um die Rohstoffversorgung (Öl/Gas) ab zu sichern. Und deshalb ist eine Gasleitung über neutrales Gebiet so notwendig wie das Amen in der Kirche. Auch wenn sie 10 mal mehr kostet wie über Land. Wer die Energie bezahlen kann bekommt sie. Wenn die Ukraine und Polen sie nicht bezahlen können wird die jetzige Leitung halt zu gemacht. d.h. dann:" Pech gehabt". Und nicht wie geschehen, das die Abnehmer den Ukrainern Geld geben um die Gaslieferungen zu bezahlen, sodas weiter Gas über durch diese Leitung fließt.
Eine sehr teure Pipeline muß sich über einen langen Zeitraum amortisieren. Wenn sich Partner finden, die ein solches Projekt angehen, ist das ein gutes Zeichen im Sinne von Kooperation, Annäherung, Entspannung. Es liegt im deutschen und auch im europäischen Interesse, ein solches Verhältnis mit Russland zu entwickeln.
Die Gegner des Projekts sind wohl die gleichen, die auch Georgien aufgerüstet haben und Raketenstellungen in Polen und CZ befürworten, die Leute die sich eine Zukunft mit einem Gleichgewicht des Schreckens nach Art des Kalten Krieges, oder mit einem Ungleichgewicht des Schreckens zulasten Russlands wünschen. Diese haben in Europa gerade in den kleineren Ländern Osteuropas, aber auch in Polen und Schweden die Hände sehr im Spiel, obwohl diese Länder viel, viel zu klein sind, um eine solche Politik verantwortlich betreiben zu können. Das kann nur im unbedingten Vertrauen auf den großen Bruder USA geschehen.
Europa tut aber gut daran, die eigenen Interessen im Auge zu haben, und niemandem blind zu vertrauen, auch nicht den kriegerischen Cowboys.
. . . und dennoch, das Ding wird nur gebaut, wenn's sich rentiert.
KvJ, Sie vergessen, dass bereits eine Pipeline durch Polen existiert, durch die das russische Gas auch nach Deutschland strömt. Und das erklärt schon mal den Widerstand Polens - Polen wäre raus aus dem Geschäft, wenn die neue Leitung gebaut wird und könnte am Transit nicht mehr verdienen. Zudem fürchtet Polen, dass dann die bestehende Leitung gesperrt wird oder gesperrt werden kann - und Polens Versorgung nicht mehr sicher ist. Und ja, es ist könnte schon was dran sein, dass die Russen die Polen etwas ärgern wollen. Das Baltikum stünde nach dem Bau der Pipeline abseits und fürchtet ebenfalls um seine Versorgung, die z.T. an der bestehenden Leitung hängt.
Schwedens Vorbehalte sind anderer Natur, die befürchten Umweltprobleme und sorgen sich wegen der Nähe der Pipeline zu Gotland und um die Fischerei. Und auch wegen dem ungeklärtem Problem der WK-Munition / Minen.
Die Nord Stream-Gesellschafter, also die Russen und die Deutschen würden insbesondere vom Wegfall der Transitgebühren profitieren und davon, dass Leitung und Equipment auf dem neuesten Stand der Technik wären. Andererseits kostet die Leitung ne Menge Geld, sicherlich mehr als ursprünglich gedacht . . . und da schließt sich der Kreis: es muss sich rentieren.
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