Franziskus in Afrika         Papst zeigt keine Angst

Jubel in Bangui: Die Bewohner eines Flüchtlingslagers begrüßen den Heiligen Vater.

(Foto: Andrew Medichini/AP)

Trotz großer Sicherheitsrisiken trifft das Kirchenoberhaupt in Bangui mit Christen und Muslimen des Landes zusammen.

Von Tobias Zick, Kapstadt

Mit einem solchen Aufgebot an Sicherheitskräften war Papst Franziskus noch nirgendwo sonst auf der Welt eingetroffen. Kampfhubschrauber kreisten am Himmel, Panzer der UN-Friedenstruppen und der französischen Armee sicherten den Flughafen, als das Oberhaupt der katholischen Kirche am Sonntag in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik, landete. Das war kein Auftritt nach dem Geschmack des Papstes - er bevorzugt erklärtermaßen den direkten, bodennahen Kontakt mit den Gläubigen. Doch immerhin: Die Tatsache, dass er sich überhaupt nach Bangui begeben hat, ist schon ein einigermaßen unkonventioneller Akt; die Franzosen hatten den Vatikan bis zuletzt vor den Sicherheitsrisiken des geplanten Besuchs in dem afrikanischen Krisenland gewarnt.

Doch Papst Franziskus ließ seinen Sprecher ausrichten, er habe "keine Angst". Den Ersten, die ihm zujubelten, begegnete er denn auch gleich nach der Landung: Tausende Flüchtlinge, die seit Monaten am Rand des Rollfelds kampieren, weil sie den internationalen Flughafen für den letzten halbwegs sicheren Ort der Stadt halten. Auch sie sind die Opfer eines Konflikts, der seit einem Putsch im März 2013 in immer neuen Gewaltwellen eskaliert.

Im Kampf um Diamanten und Gold hetzen Warlords Gläubige gegeneinander auf

Tausende sind seither gestorben, Hunderttausende haben sich auf die Flucht begeben. Das Misstrauen zwischen Christen und Muslimen ist nach Einschätzung von Beobachtern tiefer denn je. Die verschiedenen Milizen, die in erster Linie um die Kontrolle über die gewaltigen Gold- und Diamantenvorkommen des Landes kämpfen, haben ihre Anhänger nach religiöser Zugehörigkeit hinter sich geschart und gegeneinander aufgehetzt.

Etwa 11 000 UN-Blauhelme und 900 französische Soldaten bemühen sich, die Lage unter Kontrolle zu halten. Doch selbst in der vergleichsweise gut gesicherten Hauptstadt Bangui brechen immer neue Gewaltwellen aus. Allein seit Ende September sind mindestens 100 Menschen gestorben und Hunderte weitere verletzt worden. Oft sind diffuse Rachegelüste Anlass für Übergriffe auf Zivilisten; in der Stadt finden sich derart viele Waffen, dass auch kleinste Funken schnell Flächenbrände entfachen können.

Kritiker hatten vorab die Befürchtung geäußert, dass die Präsenz des Oberhauptes der katholischen Kirche als Parteinahme für die christliche Seite im Konflikt missverstanden werden könnte. Doch der erste der beiden Tage des Papstbesuches verlief friedlich. Franziskus vermied es, Details des Konflikts direkt anzusprechen und sagte stattdessen: "Ich komme als Pilger des Friedens und als Apostel der Hoffnung." In einer Ansprache im Präsidentenpalast rief er dazu auf, "der Versuchung der Furcht vor den anderen, den Fremden zu widerstehen". Beim anschließenden Besuch eines überwiegend von Christenbewohnten Flüchtlingslagers forderte er die Bewohner zu Toleranz und Vergebung auf: "Ich wünsche euch, dass ihr in Frieden leben könnt, ungeachtet der verschiedenen Ethnien, der Kulturen, der Religionen und des sozialen Status."

Die Zentralafrikanische Republik ist das letzte von drei Ländern - nach Kenia und Uganda -, das Papst Franziskus in diesen Tagen auf seiner ersten Afrika-Reise besucht. Vor seiner Rückreise nach Rom am Montagmittag plant er, die Zentralmoschee im muslimisch geprägten Stadtviertel "PK5" zu besuchen. Ein Großteil der PK5-Bewohner ist aus Angst vor Übergriffen christlicher Milizen geflohen.

Der Vizepräsident der muslimischen Gemeinschaft des Landes, Ahmat Deliris, begrüßte im Vorfeld den geplanten Besuch des Papstes. "Wir empfangen ihn mit offenen Armen", sagte er dem französischen Radiosender RFI: Als "Diener Gottes" werde Franziskus dem Land eine "Botschaft des Friedens" überbringen. Die muslimische Gemeinschaft habe ihrerseits eine Botschaft an den Papst: "Jeder hat seine Art und Weise zu beten. Doch dieses Land gehört uns allen. Niemand hat ein Monopol darauf."