Flüchtlingszahlen Mit echten Papieren

Das Bundesamt für Migration beanstandete in nur 412 Fällen die Urkunden, die Aslysuchende vorlegten. Drei von vier Anträgen wurden anerkannt.

Von Jan Bielicki

Entgegen mancher Befürchtungen versucht nur eine verschwindend kleine Zahl von Flüchtlingen, mit gefälschten Papieren Aufnahme in Deutschland zu bekommen. So stieß das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in den ersten drei Monaten dieses Jahres bei der Überprüfung von fast 100 000 Dokumenten auf lediglich 412 Fälle, bei denen seine Experten die vorgelegten Urkunden beanstandeten. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der linken Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke hervor. Erkenntnisse, in welchem Umfang mit gefälschten oder verfälschten Papieren eine falsche Herkunft vorgetäuscht wurde, liegen den Behörden demnach nicht vor.

Sicherheitsbehörden wie das EU-Grenzschutzamt Frontex warnen seit Längerem davor, dass sich Flüchtlinge auf dem türkischen Schwarzmarkt Papiere besorgen können, die sie als Syrer ausweisen. Damit könnten auch Migranten anderer Herkunft versuchen, als vermeintliche Bürgerkriegsflüchtlinge in Europa Schutz zu finden. Denn jeder Syrer, der in Deutschland Asyl beantragt, bekommt den Flüchtlingsstatus zuerkannt. Die sogenannte bereinigte Schutzquote lag für syrische Flüchtlinge im ersten Quartal 2016 bei 100 Prozent.

Laut Antwort der Bundesregierung wurden von Januar bis März fast drei von vier Flüchtlingen, über deren Anträge das Bundesamt inhaltlich entschied, anerkannt - die bereinigte Schutzquote lag bei 71 Prozent. Vor allem Eritreer (99 Prozent), Iraker (95 Prozent) und Iraner (73 Prozent) haben demnach beste Chancen auf Anerkennung. Für Menschen aus den Balkanstaaten dagegen, die als sichere Herkunftsländer gelten, lag die Anerkennungsquote bei weniger als einem halben Prozent.

Auch Asylbewerber aus den drei nordafrikanischen Staaten Algerien, Marokko und Tunesien, die der Bundestag in dieser Woche zu sicheren Herkunftsländern erklärt hatte, haben kaum Aussicht auf Anerkennung. Die Schutzquote lag für Tunesier nahe null, für Algerier und Marokkaner bei zwei Prozent. Noch 2015 war das Bundesamt bei Algeriern bei fünf Prozent aller inhaltlichen Entscheidungen, bei Marokkanern bei fast neun Prozent zu einem positiven Ergebnis gekommen.

Drei von vier Anträgen wurden im ersten Quartal anerkannt

Bis zu einer Entscheidung müssen Asylbewerber aus einigen Ländern allerdings oft lange warten - fast 100 000 seit einem, etwa 28 500 sogar schon seit mehr als zwei Jahren. Für Syrer dauerte das - in ihrem Fall meist schriftliche - Verfahren im Schnitt zweieinhalb Monate, für Afghanen und Iraner eineinhalb Jahre.

Im internationalen Vergleich geben sich die Deutschen als sehr offen gegenüber Flüchtlingen. Laut einer Umfrage der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in 27 Ländern sind 97 Prozent der Bundesbürger grundsätzlich dafür, dass Deutschland Flüchtlinge aufnimmt. Noch flüchtlingsfreundlicher äußerten sich nur die Chinesen.