Lange hat Island einen EU-Beitritt abgelehnt. Jetzt steht die Insel am Rande des Staatsbankrotts - und denkt offenbar um. Die EU gibt sich offen.
Inmitten der Finanzkrise hat die Europäische Union Island einen Beitritt in Aussicht gestellt. Wenn die Insel Kandidatenstatus beantrage, könnten die Verhandlungen "schnell aufgenommen werden", sagte EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn der Nachrichtenagentur AFP. Island steht wegen der internationalen Bankenkrise am Rande eines Staatsbankrottes.
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Wenn Island Kandidatenstatus beantrage, könnten die Verhandlungen "schnell aufgenommen werden", sagt EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn. (© Foto: Reuters)
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"Island ist klar ein europäisches und demokratisches Land, das bereits Teil des Europäischen Wirtschaftsraumes ist", sagte Rehn. Der finnische Kommissar verwies darauf, dass es zwischen der EU und Island bereits heute keine Zollgrenzen mehr gebe.
Bisher lehnte die Regierung in Reykjavik einen EU-Beitritt ab. Angesichts der Finanzkrise hatte der isländische Fischereiminister Einar Gudfinnsson vergangene Woche aber erstmals ein Umdenken angedeutet.
Die Fischerei macht in Island fast 30 Prozent der Ausfuhren und fast fünf Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Bei einem Beitritt müsste Island seine Fischereipolitik EU-Vorgaben anpassen.
Island plant offenbar Milliardenkredit
Unterdessen bereitet das Land offenbar ein sechs Milliarden Dollar schweres Paket zur Rettung seiner Wirtschaft vor. Einem Bericht der Financial Times zufolge sollen der Internationale Währungsfond (IWF), mehrere Zentralbanken aus den nordischen Ländern sowie die japanische Notenbank Geld dafür bereitstellen.
Ob auch Russland an der Rettungsaktion beteiligt sein werde, bleibe unklar, berichtete die Zeitung. Island und Russland hatten zuletzt Gespräche über einen Milliardenkredit geführt.
Die FT berief sich bei ihrem Bericht auf mit den Gesprächen zwischen Island und dem IWF vertraute Personen. Demnach wird der IWF voraussichtlich gut eine Milliarde Dollar beisteuern und die Notenbanken den Rest. Laut FT soll das Rettungspaket bald bekanntgegeben werden. Eine isländische Regierungssprecherin lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.
Island hatte den IWF zuletzt um finanzielle Unterstützung gebeten. Die drei größten Banken des Landes sind im Zuge der Finanzkrise bereits verstaatlicht worden.
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(AFP/Reuters/hai/ihe)
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daß sich die EU als Mülleimer sieht ? Solange es irgend ging, hat der US-Flugzeugträger im Nordantlantik auf die Aufnahme in die EU dankend verzichtet. Jetzt, wo der Hintern finanziell auf Grundeis geht, läßt man sich auf eine Mitgliedschaft herab. Wieder einer mehr, der die Hand aufhält - und sonst nüschte.
Für meinen Teil würde ich das sehr begrüßen. Ich habe in lange Zeit in Island gelebt und kenne das Land sehr gut.
Man hat dort ein vorbildliches Sozialsystem und "versorgt" werden muss dort niemand. Im Gegenteil, es ist ein technologisch hoch entwickeltes Land.
Ein Beispiel aus dem Alltag ist die Verbreitung elektronischer Zahlungsmittel. Man kann dort anstandslos jede Parkuhr mit Visa-Karte bezahlen, während man sich im "Technikstaat" Deutschland so gut wie überall anhören muss, dass Kartenzahlung erst ab 10 möglich sind. Die Banken denken dort in diesem Sektor sehr pragmatisch.
Auch was Datenschutz angeht ist man uns weit voraus. Dank der Personenkennziffer, die hier durch Oberbedenkenträger immer wieder abgelehnt wird, kann man jederzeit genau sehen, wer welche Informationen über eine Person vorhält. Auf eine derartige Möglichkeit warte ich in Deutschland bis heute vergeblich.
Wer glaubt, eine derartige Kennziffer würde den gläsernen Bürger noch erleichtern, befindet sich auf dem Holzweg; denn schon heute haben wir Steuernummern, Personalausweisnummern, Sozialversicherungsnummern, Kundennummern, und und und... Wir sind also schon weitgehend sehr gläsern, nur können wir nicht sehen, geschweige denn bestimmen, wie gläsern wir wirklich sind!
Island ist die wohl älteste parlamentarische Demokratie der Welt, man ist also daran gewöhnt, die Dinge unter dem Volk zu regeln. Ein Mitglied mit diesem verinnerlichten Verständnis von Selbstverwaltung wäre eine willkommene Erfrischung für den Geist der EU, der in eine Bürokratie abzurutschen droht.
Beide Seiten würden von einer Aufnahme eigentlich nur profitieren.
Aber ich mag keinen Fisch!
"Man sollte dazu übergehen dass nur der Leistungen erhält der vorher lange genug eingezahlt hat."
Das würde ich unterschreiben, ist ja auch logisch. Klappt aber nicht. Stellen Sie die gleiche Forderung hierzulande bezüglich Renten, Krankenkassen usw.- und der Sturm der Entrüstung hört nicht mehr auf.
Ansonsten- selbst wenn man Island komplett versorgen müßte, wäre das immer noch billig, verglichen mit anderen Größenordnungen, die allein die Bürger BRD bereits heute zu stemmen haben (ohne das man darüber redet). 265 Tsd. Einwohner- da gibts in manchem Ballungsgebiet weit mehr Leute, die von der Wiege bis zum Grab versorgt werden müssen. Und- wie erstaunlich- Island ist rein technisch immerhin Teil Europas. Da stehen schon ganz andere Kandidaten in den Startlöchern, die weder geographisch noch sonstwie irgendwas mit Europa zu tun haben.
Freilich kann ich, aus der Geschichte (und das wiegt schwer!), aus der Betrachtung der traditionellen Strukturen Europas heraus, keinesfalls der saloppen Bemerkung von LaVictoria, gestern, 18.56, zustimmen, dass die EU nur noch "ein Witz" sein.
So mir nix dir nix alles wegbügeln? Leute, da gibt es was, reformbedürftig, aber grundsätzlich sehr wertvoll!
Paging