Schlechtes Zeugnis für die Familienpolitik: Der OECD-Experte Willem Adema kritisiert, dass in Deutschland zu viel Geld falsch ausgegeben wird.
Die OECD beurteilt Deutschlands Familienpolitik sehr skeptisch. Schon heute gebe die Bundesrepublik zu viel Geld für direkte Zahlungen an die Familien aus, argumentiert die Organisation, der die 30 wichtigsten Industriestaaten angehören. Der OECD-Experte Willem Adema plädiert für eine Neuorientierung der Ausgaben.
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OECD-Experte Willem Adema. (© Foto: OECD)
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SZ: Gibt Deutschland zu wenig Geld für Familien aus?
Adema: Deutschland ist eines der OECD-Länder, die vergleichsweise viel Geld für Familien aufwenden, etwa drei Prozent des Bruttosozialprodukts. Der OECD-Durchschnitt ist mit 2,2 Prozent erheblich niedriger. Wenn Deutschland in unseren Vergleichen schlecht abschneidet, liegt das daran, dass der Schwerpunkt der Ausgaben falsch gesetzt ist. In Dänemark geht die Hälfte des Geldes in die Kinderbetreuung, in Deutschland nur ein Viertel. Hier liegt das Problem.
SZ: Die Regierung in Deutschland plant eine Erhöhung des Kindergeldes. Das kann jährlich zwei Milliarden kosten. Ein richtiger Schritt?
Adema: Es sollte nicht darum gehen, mehr Geld auszugeben, sondern darum, es richtig auszugeben. Deutschland wäre besser dran, wenn der Schwerpunkt neuer Ausgaben so läge, dass es für Eltern leichter wird, den Anforderungen von Familie und Arbeit gerecht zu werden.
SZ: Nach skandinavischem Vorbild?
Adema: Skandinavische Länder haben sehr gute Bilanzen im Kampf gegen die Kinderarmut, und zwar bereits seit recht langer Zeit. Ihnen gelingt es besonders gut, viele Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Wenn Paare Kinder haben, bleiben oft beide erwerbstätig.
Möglich ist das, weil diese Länder mit öffentlicher Unterstützung ein System aufgebaut haben, das es beiden Partnern ermöglicht, den Verpflichtungen von Arbeit und Familie nachzukommen. Natürlich existiert auch so etwas wie das Kindergeld. Aber daneben haben beide Partner die Möglichkeit, auf dem Arbeitsmarkt Geld zu verdienen. Wenn beide Elternteile verdienen, ist Armut ganz selten ein Problem.
SZ: Wie wichtig ist die Verlässlichkeit des Systems? In Deutschland klagen Eltern, dass sie permanent gezwungen sind, das Arrangement von Familie und Beruf neu zu justieren.
Adema: Ich denke, dass das zentral ist. Wichtig ist, dass die Familien das Gefühl bekommen, dass die Unterstützung nicht abreißt. Wenn in Skandinavien ein Kind geboren wird, haben die Eltern immer eine klare Perspektive, auch für die ersten Jahre: Der Staat sorgt in den ersten Jahren für Kinderbetreuung, für das Elterngeld, für Nachmittagsbetreuung der Schulkinder, für flexible Arbeitszeiten.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Deutschlands Familienpolitik im internationalen Vergleich schlecht abschneidet.
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Siehe hierzu auch: "Die Geschichte vom reichsten Kindergärtner der Welt", SZ-Artikel vom 4. 4. 08.
Ich habe das Gefühl, dass viele meinen, sie würden den Krippen- oder Kinderhortplatz für ihr Kind voll und ganz selbst finanzieren, was aber nicht der Fall ist. Der Staat schießt den größten Teil, nämlich sage und schreibe 80% der Kosten, zur Kinderbetreuung zu. Das ist auch der Grund dafür, dass die Gruppenstärken in den Kinderbetreuungseinrichtungen so hoch sind und sich da auch nichts ändern wird. Im Gegenteil, auf den Staat werden in Zukunft noch wesentlich höhere Kosten zukommen und die Beiträge, die Eltern zu leisten haben, werden auch in die Höhe schnellen.
Wir sollten zudem nicht vergessen, dass die Bereitstellung von Kinderbetreuungsplätzen durch den Staat lediglich von derzeit um die 25 % auf 33% des Bedarfs erhöht werden soll. Der Rest wird anderweitig abgedeckt werden müssen. Die Familienministerin hat hier auch bereits die Katze aus dem Sack gelassen: Das sollen private Anbieter gewährleisten, profitorientiert und zuweilen auch ideologisch arbeitend - die Scientolgen haben hier bereits schon fest einen Fuß drin - und dafür auch noch großzügig mit unser aller Steuergelder unterstützt werden. Wie die pädagogische Arbeit in solchen "Erziehungsfirmen", bzw. "-fabriken" sowohl in Bezug auf die Kinder als auch auf die in ihnen Arbeitenden dann aussehen wird, kann man sich vorstellen.
Mir hilft es nicht viel, 20 Jahre lang jeden Monat 10 Euro mehr in Form einer Kindergelderhöhung zu bekommen. Davon kann ich mir einmal pro Woche ein Sandwich kaufen. Statt dessen 30 Euro weniger Kindergeld und 6 Jahre lang einen kostenlosen Kindergarten- bzw. Kinderkrippenplatz zu bekommen, wäre schon besser! In einer gepflegten Kinderkrippe mit ordentlich dimensionierten Gruppen wüßte ich meinen Kleinen besser aufgehoben als bei mir selbst, und das Spielen mit Gleichaltrigen kann ich auch nicht ersetzen.
Meine Frau repräsentiert übrigens eine jener Frauen, die nicht für den Herd studiert haben wollen. Dass sie mit dieser Einstellung nicht allein dasteht, dürfte jedem klar sein, dafür braucht man keine Studie.
Maria Held:
"Fremdbetreuung ist böse und sozialistisch,"
- Das hieße ja, dass die CDU-Frau von der Leyen sozialismusfreundlich ist. Das ist aber wohl kaum anzunehmen. - Es steckt was anderes dahinter: Elitenförderung einerseits (Warum wohl sind es ausgerechnet die bestausgebildeten und sehr gut verdienenden Frauen, die beim Elterngeld absahnen können, während die Verkäuferin weniger als Brosamen bekommt? ) - die Möglichkeit, die am besten zu manipulierenden Mitglieder der Nation, die Kinder, möglichst früh unter die Fittiche und Kontrolle der neoliberalen Idee zu kriegen andererseits.
Maria Heid: " Dass das Kindergeld keine Sozialleistung ist,
ist ein sehr wichtiger Beitrag, danke Claudia40. Damit bleibt aber die Notwendigkeit umso dringender, in Bildung und Kinderbetreuung zu investieren."
- Zweifelsohne.
"Leider spukt in der deutschen Familienpolitik immer noch ein Idealbild von "Mutti" aus den Fünfzigern, die ihre Seligkeit darin findet, Pappi und die Kinder mit immerwährendem Service zu beglücken und nicht arbeiten "muss"."
- Aktuell aber spukt nun das Idealbild der "emanzipierten Frau", die ihre Seligkeit darin findet, sich zu vielteilen, um nicht nur " Pappi und die Kinder mit immerwährendem Service zu beglücken", sondern darüberhin noch voll engagiert im Berufsleben ihre Frau zu stehen, ohne dass der Mann sich seinerseits in Richtung Mitverantwortung emanzipiert hätte, obwohl er weiß Gott einige Jahrzehnte Zeit dazu hatte.
" Dass Mutti heute, wenn Pappi eingefallen ist, seine Rente allein oder mit jemand anderem zu genießen, verarmt im Caritas-Altenheim sitzt und von ihren statistischen 1,3 Kindern 1,3mal im Jahr besucht wird, ist dann ihre eigene Schuld, hätte sie halt ihre Ernährer besser bei Laune gehalten."
- Nee, vllt. hat Mutti sich da einfach nur den Falschen ausgesucht und war zu naiv, nicht rechtzeitig ihre Schäflein ins Trockene zu bringen. Das Modell der Zurückgelassenen, im Caritasheim von Gott und den Kindern Geächteten, ist jedoch nicht die Regel. Aus dieser Ausnahme nun aber den Zwang zur Berufstätigkeit für alle zu basteln, ist schon ziemlich vermessen. Genauso gut könnte die Gegenseite sagen: Warum haben Mutti und Papi gefälligst nicht mehr Herzblut in ihre Beziehung gelegt und was hat die Mutti/ der Vati, die/der sich lieber selbst um seine Kinder kümmern wil, mit deren Unfähigkeit zur positiven Beziehungsgestaltung zu schaffen?
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