Europäische Union Island zieht Beitrittsantrag zurück

  • Island zieht seine Kandidatur für eine EU-Mitgliedschaft zurück. Der Antrag war 2009 unter dem Eindruck der Finanzkrise von der damaligen rot-grünen Regierung gestellt worden.
  • Die Verhandlungen über einen Beitritt liegen bereits seit mehr als zwei Jahren auf Eis. Eine der ersten Amtshandlungen der aktuellen liberal-konservativen Regierung.
  • Zur Euroskepsis der Isländer trug vor allem der Streit zwischen dem Land und der EU über Fischfangquoten bei. Für Island ist der Fischfang ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.

Beitrittsantrag zurückgezogen

Island hat seine Kandidatur für eine EU-Mitgliedschaft offiziell zurückgezogen. "Den Interessen Islands ist außerhalb der Europäischen Union besser gedient", erklärte das Außenministerium in Reykjavik auf seiner Website.

Die Entscheidung, die Kandidatur zurückzuziehen, teilte Außenminister Gunnar Bragi Sveinsson demnach dem derzeitigen EU-Ratsvorsitzenden Lettland mit. Die Regierung in Riga habe die Entscheidung wiederum der EU-Kommission mitgeteilt.

Streitpunkt Fischfangquote

2009 hatte Islands damalige Linksregierung sich um einen EU-Beitritt beworben. Der Antrag erfolgte inmitten einer schweren Finanzkrise, die Island an den Rand des Staatsbankrotts gebracht hatte. Die Verhandlungen über den Beitritt liefen von Juni 2011 bis Januar 2013.

Der wichtigste Streitpunkt zwischen Brüssel und Reykjavik, die Fischfangquoten der EU, wurde dabei allerdings nicht angegangen. Für Island ist der Fischfang ein entscheidender Wirtschaftsfaktor.

Rücktritt mit Ansage

Nachdem im April 2013 eine rechtsgerichtete Regierung in Island ans Ruder gekommen war, beendete sie die Beitrittsgespräche mit der EU. Die Fortschrittspartei von Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson steht der EU ablehnend gegenüber. Ihr konservativer Koalitionspartner, die Unabhängigkeitspartei, ist gespalten und hatte sich vergeblich für eine Volksabstimmung über einen EU-Beitritt stark gemacht.

Die isländische Regierung will nach eigenem Bekunden aber weiter mit der EU zusammenarbeiten. Der nordische Inselstaat gehört bereits der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) an und ist auch dem Schengener Abkommen über die Freizügigkeit von Bürgern beigetreten.