Europäische Studie Europa hat ein Rassismus-Problem

Es ist der erste umfassende Bericht zu Rassismus und Minderheitenschutz in Europa - und das Ergebnis ist erschreckend.

Rassismus und die Diskriminierung von Minderheiten sind laut einer EU-Studie im europäischen Alltag weitaus stärker verbreitet als bisher angenommen. Das geht aus einem in Brüssel veröffentlichten Bericht der EU-Grundrechteagentur hervor. "Die offiziellen Zahlen zum Rassismus zeigen nur die Spitze des Eisbergs", sagte der Vorsitzende der Grundrechteagentur, Morten Kjaerum.

Nach der Studie berichten 37 Prozent der befragten Angehörigen von Minderheiten in den 27 Mitgliedstaaten, sie hätten im vergangenen Jahr persönlich Diskriminierung erlebt. Gut jeder Zehnte (zwölf Prozent) bezeichnete sich sogar als Opfer eines rassistisch motivierten Verbrechens.

Gefragt wurde nach Diskriminierung in neun Bereichen: Bei Bewerbungen, am Arbeitsplatz selbst, bei der Wohnungssuche, in Arztpraxen und Krankenhäusern, im Arbeits- oder Sozialamt, in Cafés oder Restaurants, Geschäften, bei der Eröffnung eines Kontos oder der Aufnahme von Krediten, sowie Diskriminierungen durch Lehrer.

80 Prozent der Betroffenen erklärten, sie hätten sich über die erlebte Diskriminierung weder an Ort und Stelle - also bei dem verantwortlichen Arbeitgeber, Geschäftsinhaber oder Schulleiter - beschwert, noch bei einer dafür zuständigen Behörde oder Organisation. Als Grund nannten die meisten (63 Prozent), eine Beschwerde würde sowieso nichts bringen.

Am stärksten diskriminiert fühlen sich demnach Afrikaner in Italien und Frankreich sowie Roma in Ungarn, Tschechien und der Slowakei. In Deutschland gaben 52 Prozent der Türken an, sie fühlten sich diskriminiert, von den Bürgern Ex-Jugoslawiens waren es 46 Prozent.

Es ist der erste umfassende Bericht zu Rassismus und Minderheitenschutz, seit die Grundrechteagentur vor zwei gut Jahren in Wien ihre Arbeit aufnahm. Für den Bericht befragte die EU-Agentur insgesamt 23.500 Einwanderer der jeweils größten Minderheitengruppen sowie 5000 EU-Bürger.

Auf der UN-Konferenz gegen Rassismus in Genf wurde unterdessen die Befürchtung laut, dass die anhaltende Wirtschaftskrise und die gleichzeitig steigende Arbeitslosigkeit zu mehr Fremdenfeindlichkeit führen könnte. Die Regierungen sollten trotz Krise entschlossen gegen Rassismus und Intoleranz vorgehen, forderten mehrere Delegierte.

Der Generalsekretär des Europarats, Terry Davis, erklärte, Regierungen könnten die Menschen nicht zu Toleranz zwingen. Sie sollten sich aber für den Dialog der Religionen, Volksgruppen und Menschen unterschiedlicher Hautfarbe einsetzen.