Erdogan-Rede in Köln im Wortlaut "Assimilation ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit"

Seit Tagen sorgt die Kölner Rede des türkischen Premiers Tayyip Erdogan für Kritik und Empörung. Doch was hat er genau gesagt? sueddeutsche.de dokumentiert die Rede Erdogans im Wortlaut.

Meine sehr verehrten Mitbürger, liebe Schwestern und Brüder, unsere verehrten Botschafter, die ihr den Duft der anatolischen Erde, jene anatolische Sensibilität bis nach Deutschland, in die Mitte Europas, getragen habt, meine Damen und Herren

Erdogan

Recep Tayyip Erdogan am 10. Februar in Köln: "Es gibt kein Problem, das wir mit Gottes Hilfe nicht überwinden können."

(Foto: Foto: dpa)

...Ich grüße Sie alle aus tiefstem Herzen.

Ich grüße jeden Einzelnen von Ihnen mit Liebe und Respekt. Heute ist die Stadt Köln Zeuge eines denkwürdigen Programms. Heute wird von hier aus die Botschaft von Brüderlichkeit, Freundschaft, Solidarität und Frieden nach ganz Europa und in die gesamte Welt übermittelt. Die türkische Gemeinschaft in Deutschland demonstriert heute wieder einmal den mit Liebe, Freundschaft, Zuneigung durchwirkten Charakter unseres Volkes der ganzen Welt.

Die türkische Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft der Liebe, des Friedens, die türkische Gemeinschaft ist eine Gemeinschaft, die die Brüderlichkeit hoch hält. Die türkische Gemeinschaft und der türkische Mensch, wohin sie auch immer gehen mögen, bringen nur Liebe, Freundschaft, Ruhe und Geborgenheit mit sich. Hass und Feindschaft können niemals unsere Sache sein. Wir haben mit Streit und Auseinandersetzung nichts zu schaffen.

Genau so, wie jenes Licht, das vor hunderten von Jahren, in Anatolien von Yunus in unsere Herzen eingepflanzt wurde: "Ich bin nicht zum Streit gekommen Meine Sache ist die Liebe Das Haus des Freundes, das sind die Herzen, Ich kam, um Herzen zu gewinnen".

Ich gehe im Geiste zurück in das Jahr 1961, als ich der Abfahrt meiner Verwandten mit jenen von Dampfloks gezogenen Zügen in dem Bahnhof Sirkeci (Istanbul) zuwinkte. Als jene Züge unsere Freunde nach Deutschland brachten, trug ein jeder von ihnen im Herzen jenes Licht, von dem ich eben sprach. Jeder unserer Brüder und Schwestern hat hier Tag und Nacht gearbeitet, um Herzen zu gewinnen. Sie haben jede Bitterkeit zu Honig gemacht, jedweder Schwierigkeit getrotzt. Heute haben Sie fast die Zahl von drei Millionen erreicht.

Doch zu Beginn dieser Woche haben wir in Ludwigshafen neun unserer Brüder und Schwestern in einem Brand verloren. Neun unserer Geschwister, fünf von ihnen waren noch Kinder, haben in der Blüte ihrer Jugend dieser Welt Lebwohl gesagt. Ich erbitte für jeden von Ihnen Gotteserbarmen, für meine verletzten Brüder und Schwestern bete ich für baldige Genesung.

Wie Sie wissen, bevor wir nach Deutschland kamen, befand sich der deutsche Innenminister in der Türkei. Die erste Einschätzung haben wir mit ihm gemeinsam in der Türkei vorgenommen. Sofort nach dem Vorfall haben wir unseren Staatsminister Herrn Mustafa Sait Yazicioglu zusammen mit einer vierköpfigen Expertengruppe der Polizei, zum Ort des Geschehens geschickt. Hier haben wir in allen unseren Gesprächen mit den deutschen Stellen unsere Sensibilitäten und unsere Erwartungen zum Ausdruck gebracht und die Sache auch mit der verehrten Frau Kanzlerin detailliert besprochen.