Energiebranche RWE will mit Ökostrom aus der Krise

Der zweitgrößte deutsche Versorger vollzieht eine Wende: Er möchte vor allem mit erneuerbaren Energien Geld verdienen.

Von Caspar Busse

Der Essener Energiekonzern RWE hat überraschend einen tief greifenden Umbau angekündigt. Wie zuvor schon der Konkurrent Eon wird sich auch RWE nun aufteilen. Der grüne, zukunftsfähige Teil wird abgespalten und an die Börse gebracht. Das konventionelle Kraftwerksgeschäft, vor allem die Atom- und Kohleenergie, bleibt bei RWE. "Wir schaffen zwei zukunftsfähige Unternehmen unter einem Dach. Die neue Tochtergesellschaft mit eigenem Zugang zum Kapitalmarkt stärkt unsere Wachstumsperspektive", sagte RWE-Chef Peter Terium.

Es ist der radikalste Schritt in der 117-jährigen Geschichte des Unternehmens. Am 11. Dezember soll nun der Aufsichtsrat über die Pläne von Terium abstimmen. Bislang hatten besonders die einflussreichen kommunalen Anteilseigner von RWE Bedenken gegen einen solchen Schritt. Die Anleger begrüßten die Ankündigung. Die RWE-Aktie, die zuletzt eine beispiellose Talfahrt hinter sich hat, legte am Dienstag um 14 Prozent zu.

Terium will das Geschäft mit Ökostrom, Stromnetzen und dem Vertrieb ausgliedern und im kommenden Jahr zehn Prozent der neuen Gesellschaft im Zuge einer Kapitalerhöhung an die Börse bringen. Die Erlöse sollen in Wachstumsgeschäfte fließen. RWE soll langfristig Mehrheitsaktionär bleiben, auch wenn weitere Anteile veräußert werden können. Die neue Gesellschaft werde auf der Basis der für 2015 erwarteten Zahlen einen Umsatz von mehr als 40 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von mehr als vier Milliarden Euro erzielen. Sie soll knapp 40 000 der noch 60 000 Beschäftigten aufnehmen. Der Rest-Konzern wird sich laut Terium auf die Stromerzeugung aus Gas und Kohle und den Energiehandel konzentrieren. Die Atomkraftwerke bleiben ebenfalls bei RWE. Der Konzernchef betonte, er wolle sich mit der Zerlegung nicht vor den milliardenschweren Kosten für den Abriss der Kernkraftwerke und der Entsorgung des strahlenden Atomabfalls drücken: "Wir stehen damit auch weiterhin zu unserer Verantwortung für die Gesellschaft - die neue Struktur ändert daran nichts."

Eon hatte sich dagegen in zwei weitgehend unabhängige Unternehmen gespalten, das Ökostromgeschäft bleibt beim Altunternehmen und - anders als zunächst geplant - auch das Atomgeschäft. Nach großem Druck der Politik hatte Eon-Chef Johannes Teyssen hier eingelenkt. Die neue Gesellschaft Uniper nimmt das konventionelle Kraftwerksgeschäft auf. Auch der schwedische Vattenfall -Konzern treibt im Prinzip eine Art Aufspaltung voran: Er will sich vom deutschen Braunkohlegeschäft mit 8000 Beschäftigten trennen.

Die deutschen Versorger sind seit der Energiewende von Kanzlerin Angela Merkel unter großem Druck. Die konventionellen Kraftwerke sind nicht mehr profitabel, die Strom-Großhandelspreise wegen des Ausbaus des Ökostroms und der Überkapazitäten auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen. Die Gewinne werden deshalb kleiner.