Konkrete Projekte und das Interesse der Finanzwelt nähren den Optimismus bei den Delegierten.
Wer die lähmende Atmosphäre der klassischen Umwelt-Konferenzen unter dem Dach der Vereinten Nationen kennt, der fühlt sich regelrecht erfrischt in diesen Tagen in Bonn.
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Keiner vermisst sie, die endlosen Nachtsitzungen, in denen alte und neue Koalitionen um diese und jene Formulierung ringen, um am Ende erschöpft Rettung in einer allgemeinen, zu nichts verpflichtenden Floskel zu finden.
Dass vieles anders ist auf dieser internationalen Konferenz für erneuerbare Energiequellen, dafür gibt es mehr als einen Grund. Der Rahmen einer Regierungskonferenz ist kleiner, er ist zugeschnitten auf jene Staaten, die die Zukunft ihrer Energieversorgung wesentlich auf Sonne, Wind, Wasserkraft, Biomasse und - je nach geologischer Eignung - auf Erdwärme aufbauen wollen oder müssen.
Von den klassischen Verteilungskämpfen zwischen Industrienationen, Schwellenländern, Dritter Welt und den Opec-Staaten ist in Bonn kaum etwas zu spüren. Diesmal ist das Thema nicht: Wie viel Wohlstand ist der reiche Teil der Welt bereit abzugeben dafür, dass er durch sein unmäßiges Wirtschaften dem Rest der Welt die schlimmsten Folgen des Klimawandels aufbürdet?
Diesmal lautet das Thema explizit: Die fortschrittlichste, umweltfreundlichste Technik bringt Gewinn für beide Seiten - für die hoch entwickelten Exportländer wie für die Importnationen, die ihre Not leidende Bevölkerung auf diese Weise mit maßgeschneiderter, dezentraler Energie versorgen können.
Im alten Bundestagshaus am Rhein herrscht tatsächlich Aufbruchstimmung, und in den Eröffnungsreden der deutschen Minister Heidemarie Wieczorek-Zeul und Jürgen Trittin kam das ebenso zum Ausdruck wie im Beitrag des indischen Energie-Experten Rajendra Pachauri.
Da war nichts von dem weinerlichen Ton, der frühere Konferenzen prägte, nichts von den flehentlichen Beschwörungen, fünf Minuten vor zwölf innezuhalten und den Klimawandel wenigstens abzubremsen.
Die Zuversicht speist sich aus all den konkreten Projekten, die im Plenarsaal und in zahlreichen Präsentationen am Rande vorgestellt werden: Brasilien mit seinem Programm für Bio-Kraftstoffe; Nepal, das mit deutscher Hilfe Tausende von Haushalten mit dem Strom versorgt, der aus der Vergasung des Tierdungs stammt; Windparks in Nordafrika; solare Kraftwerke im Sonnengürtel der Erde; Isländische Technik zur Nutzung der Erdwärme.
Es sind diese konkreten Projekte, die die Konferenz prägen, und sie werden am Ende wohl mehr bewirken als die politische Deklaration, an der die Minister am Donnerstag und Freitag feilen werden. Traumtänze sind das nicht, vieles ist schon ins Werk gesetzt.
Im unweit gelegenen Büroturm der Post spielte die Zukunftsmusik, dort tagten zwei Tage lang 240 potenzielle Investoren - große Finanzdienstleister und Ölmultis wie Shell und BP darunter, aber auch Nischen-Unternehmen, die genau prüfen, wo sie ihr Geld am besten für erneuerbare Energie einsetzen könnten.
Vieles ist eben auch Hoffnung
Im Business-Zelt stehen die Prototypen kleiner, solargetriebener Fahrzeuge neben den wie Probierfläschchen aufgereihten Pflanzenölprodukten einer kanadischen Firma. Hier wie dort herrscht auch schöner Schein und bricht sich an der Realität. Nordamerika ist groß, aber wo soll im dicht besiedelten Mitteleuropa so viel Fläche herkommen, dass Rapsöl für Abermilliarden Autofahrer produziert werden kann?
Der Stromkonzern Vattenfall verkündet: "Wir machen erneuerbare Energie systemfähig" und macht damit fast vergessen, dass er einen guten Teil seines Ertrags der klimaschädlichen Braunkohle verdankt.
Vieles ist eben auch Hoffnung und manche Hoffnung richtet sich nach ganz oben, zum Beispiel wenn die Bonner Firma Solar World mitteilt, sie nutze die "Energie vom Chef selbst". Ganz so leicht war es dem Vernehmen nach nicht, die großen deutschen Stromversorger allesamt unter das Dach der Konferenz zu bringen, denn ihr Verhältnis zum grünen Umweltminister ist nicht das Beste.
Symbolik ist immer dabei. Auf der UN-Konferenz in Johannesburg vor zwei Jahren stand dort, wo man sich traf, ein schicker BMW mit Brennstoffzellen-Antrieb und regte an zu allerlei Gedanken über das fehlende Nahverkehrssystem und die ständig überfüllte Autobahn in der südafrikanischen Mega-Stadt.
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