Die GSG 9 ist ein deutscher Mythos: Wie sich die Aufgaben der Eliteeinheit verändert haben - und warum die Geheimoperation zur Befreiung eines Frachters aus den Händen von Piraten gestoppt wurde.
Es war eine großangelegte, lange geplante Geheimoperation, die von der Bundesregierung abgeblasen wurde. 200 GSG-9-Elitepolizisten sollten vor der Küste von Somalia den deutschen Frachter Hansa Stavanger befreien, der von Piraten am 4. April gekapert worden war. Das jähe Ende der Aktion wurde mit Sicherheitsbedenken begründet; das Risiko sei zu hoch gewesen. Doch ist das die wahre Ursache? Ist die GSG9 gerüstet für spektakuläre Einsätze wie diesen? Schiff und Besatzung sind jedenfalls noch in den Händen der Entführer.
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Das Training ist hart, und besonders das Verhalten bei einer Geiselnahme wird immer wieder geübt: GSG-9-Beamter bei der Simulation einer Befreiung. (© Foto: dpa)
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Hans Leyendecker über einen deutschen Mythos
Die GSG 9 ist ein deutscher Mythos, und zu den kollektiven Erinnerungen vieler Bundesbürger gehört der Einsatz der Spezialeinheit in Somalia. Am 18. Oktober 1977, Punkt 0.05 Uhr, gab der damalige GSG-9-Kommandeur Ulrich Wegener auf dem Flugplatz von Mogadischu per Funk den Befehl: "Operation Feuerzauber! Go!" Sturmtrupps der GSG 9 stürmten daraufhin die von arabischen Terroristen gekaperte Lufthansa-Maschine Landshut.
Drei der Flugzeugentführer starben. Die vierte Luftpiratin überlebte schwerverletzt. Kurz darauf schnarrte es aus den Funkgeräten: "Keine Opfer, keine Opfer. Alle Geiseln sind befreit." Um 0.12 Uhr meldete Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski, der in Mogadischu war, dem damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt: "Die Arbeit ist erledigt." Der Regierungschef bezeichnete später den Einsatz der GSG 9 als "schwerste Entscheidung meiner Amtszeit". Im Schreibtisch hatte Schmidt ein Rücktrittsgesuch - für den Fall, dass der Einsatz der GSG 9 gescheitert wäre.
Wieder sollte in diesen Tagen die GSG 9 in Somalia eine Befreiungsaktion starten. Diesmal waren es nicht 60 Beamte wie damals in Mogadischu, sondern fast die gesamte GSG 9 mit mehr als 200 Personen. Die Aufgabe war noch weit schwieriger als der Auftrag vor mehr als 30 Jahren auf dem Flughafen der somalischen Hauptstadt.
Diesmal sollte die am 4. April von Piraten gekidnappte Besatzung des deutschen Frachters Hansa Stavanger befreit werden, aber ein Schiff ist viel unübersichtlicher als ein Flugzeug, und die Crew wurde von rund dreißig Piraten bewacht. Trotz des gewaltigen Aufwands wurde am Ende die Geheimoperation abgebrochen. Das Risiko, dass es unter den Geiseln Opfer geben könnte, war zu groß. Die GSG-9-Beamten kehrten nach Mombasa in Kenia zurück.
Zweimal Somalia: einmal geglückt, einmal gescheitert? "Nein, Unsinn", sagt der inzwischen 79 Jahre alte Wegener, der nach dem misslungenen Zugriff durch reguläre Polizeikräfte bei der Geiselnahme von München 1972 vom damaligen Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher mit der Aufstellung GSG 9 beauftragt worden war. Wegener hat in der Welt der Spezialeinheiten immer noch einen großen Namen, und er kennt sich in diesem Metier aus: "Wenn die Lagebeurteilung so ist, wie sie offenkundig war, kann und darf nicht der Zugriff versucht werden", sagt Wegener. "So etwas muss schnell und überraschend durchgezogen werden können."
Die abgeblasene Aktion wirft ein Schlaglicht auf eine Truppe, die nach Meinung von Wegener "für solche Einsätze besser geeignet ist als jede andere Einheit in Deutschland". Das Kommando am Horn von Afrika signalisiert aber auch, dass in der Bundesregierung die Sehnsucht nach einer härteren Gangart bei Geiselnahmen gewachsen ist. Immerhin: Seit der Gründung der Einheit hat es knapp 2000 Einsätze gegeben. Einige Unternehmungen bekam die Öffentlichkeit mit.
Zum Beispiel stürmten GSG-9-Beamte eine gekaperte KLM-Maschine auf dem Düsseldorfer Flughafen, sie waren bei dem letzten großen Anti-Terror-Einsatz gegen die RAF 1993 auf dem Bahnhof in Bad Kleinen dabei und 2007 bei einem Zugriff im Sauerland, als drei Islamisten, denen derzeit in Düsseldorf der Prozess gemacht wird und die angeblich monströse Blutbäder planten, festgenommen wurden. Schon Weihnachten 2000 hatten GSG-9-Beamte in Frankfurt Islamisten verhaftet, die Anschläge auf den Weihnachtsmarkt im französischen Straßburg geplant hatten.
Geldfälscher, Drogenschmuggler, gewöhnliche Kriminelle wurden von Beamten der Sondereinheit in Serie festgenommen. Wenn Stammtischler unter den Politikern bei irgendwelchen Debatten Stärke signalisieren wollen, verlangen sie gewöhnlich den Einsatz der GSG 9: Sie ist ein Synonym für den wehrhaften Sicherheitsstaat geworden.
Aufgaben stark erweitert
Dabei haben sich die Aufgaben der GSG 9 in den vergangenen Jahren stark erweitert. Für die Bewachung gefährdeter Botschaften im Ausland wurden in den vergangenen Jahren immer häufiger GSG-9-Beamte abkommandiert. In Bagdad bewachten zeitweise acht GSG-9-Beamte drei Diplomaten. Um die Sondereinheit von Haus- und Ordnungsdiensten zu entlasten, baute der Bund einen Pool speziell ausgebildeter Beamter auf.
Jede Generation, die bei dieser Eliteeinheit anfing, wurde insbesondere für die Befreiung von Geiseln ausgebildet, nicht ohne Grund. Mehr als 100 Deutsche sind bei Dutzenden Verschleppungen in den vergangenen Jahren Kidnappern in die Hände gefallen. Gebetsmühlenhaft haben Politiker erklärt: "Wir lassen uns nicht erpressen" - und haben dann doch heimlich Millionen Euro Lösegeld gezahlt.
Inzwischen gibt es bei der GSG 9 Pläne, Einsätze gegen schwer bewaffnete Kidnapper auch in der Wüste zu trainieren. Überdies wird in Berlin überlegt, im Ausland eine Einheit für solche Befreiungsaktionen zu stationieren. Insbesondere der Parlamentarische Staatssekretär im Innenministerium, August Hanning, ist Anhänger einer härteren Gangart, und so hat sich die GSG 9 in jüngerer Zeit immer häufiger auf Befreiungsaktionen vorbereitet.
Seit Gründung der Eliteeinheit Anfang der siebziger Jahre sind von der Polizei in den Bundesländern viele Sonderkommandos mit Abkürzungen wie SEK, MEK aufgestellt worden, es gibt inzwischen sogar Sky Marshals, und auch die Bundeswehr hat eine KSK-Spezialeinheit. Fast alle diese Gruppen plagen wegen schlechter Bezahlung und ungenügend trainierten Bewerbern Nachwuchssorgen. "Bei der GSG 9 sieht es weitaus am besten aus", sagt Wegener. "Der alte Geist ist geblieben."
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 05.05.2009/segi)
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Die Spezialverbände haben klar definierte Aufgabenbereiche. Der Artikel bietet hier ein völlig unzureichendes Bild und verfälscht auffallend. Die GSG9 ist nicht die Antwort auf alle Fragen. Sie hat aber mit Abstand die beste PR, was dieser Artikel einmal mehr zeigt. Der Autor des Artikels in der Süddeutschen ist kein klar Kenner der Materie und - und das ist der eigentliche Vorwurf - er hat seine Lücken nicht gefüllt und dem Leser somit keinen unabhängigen, differenzierten und kritischen Artikel geliefert. Wenn man sich nur in der PR-Abteilung der GSG9 bedient kommt das dabei heraus, was wir hier lesen müssen: eine reine Werbebotschaft.
Weder werden die rechtlichen Rahmenbedinungen, die für die einzelnen Verbände gelten, dargestellt, noch die Aufgabenbereiche und technischen sowie personellen Möglichkeiten. Aber Erfolge sind wichtig um die eigene Existenz rechtfertigen zu können und insbesondere vor anderen finanzielle Mittel zu erhalten.
Wenn ein anderer Verband per se für diesen Einsatz vorgesehen ist und damit auch besser geeignet, weil das konkrete Einsatzszenario zum ureigensten Aufgabenbereich zählt und Ausbildung, wie Ausrüstung darauf abgestimmt sind, muss eben dieser Verband zum Einsatz kommen. Es darf nicht sein, dass der Kampf um finanzielle Mittel zu kaum absehbaren Riskien für Geiseln und die Beamten selbst führt, weil nicht der jeweils am Besten dafür geeignete Verband eingesetzt wird, sondern der, der die beste PR-Abteilung hat.
Lassen Sie sich die letzten Sätze des Artikels nochmal auf der Zunge zergehen:
"Fast alle diese Gruppen plagen wegen schlechter Bezahlung und ungenügend trainierten Bewerbern Nachwuchssorgen. "Bei der GSG 9 sieht es weitaus am besten aus", sagt Wegener. "Der alte Geist ist geblieben."
Die Behauptung von Wegener wurde vom Autor ohne jeden Kommentar gelassen; keine Bewerberzahlen zu den einzelnen Verbänden, kein Vergleich der Vergütungen, keine Information, die auf Unabhängigkeit oder kritischer Haltung des Autor beruht. Und wofür soll der "alte Geist" denn hier herhalten müssen? Als Beweis für die bessere finanzielle Unterfütterung der GSG9, den Mythos, dem offenbar auch der Autor erlegen ist?
Solche Artikel gehören in den Werbeteil des Blattes, aber nicht in die Pressespalte.
Wo sind die Kommentare hin ? ! ? !
Der groesste Feind,ist unsichtbar er heisst Kompetenzgerangel,es ist ein Dschungel und Bedenkentraeger und Zauderer gibt es auf allen Ebenen. Sie erkennt man daran, dass sie in bequemen Bueros sitzen und die Welt da draussen,dochfuer sie sehr irreal ist. Stoere meine Bueroruhe nicht,so das ich Entscheidungen treffen muesste.
ja Mensch, Du, das ist mir jetzt aber alles viel zu rationalistisch und so ! Ich laß das hier jetzt einfach mal so stehen, weil ich das jetzt hier nicht thematisieren will. Oder so.
Hey, da bin ich 'gegen. Das kannst Du hier nich so einfach postulieren. Das müssen wir erst diskutieren. Und da muss die Heike und die Ulla auch 'bei sein! Schließlich geht es hier um eine ganz ganz große Herausforderung an die Gesellschaft, indem sie die weibliche Prädestination als Opfer gegenüber dem männlich-aggressiven Tätertum aufbricht und auch eine weibliche Täterrolle ermöglicht, aus der sich dennoch eine Opferrolle ergeben kann, nämlich durch die Rolle als Freiheitskämpferin gegen die faschistische Bande in Bonn ...
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