Es ist ein übler Verdacht: In mehreren Fällen sollen Gesetze in Deutschland von Lobbyisten in Ministerien mitgeschrieben worden sein. Jetzt hat die Bundesregierung reagiert.
Meistens ist ein großer Regierungsapparat ziemlich träge. Vieles muss bedacht sein, groß ist die Zahl derer, die beteiligt sein möchten. Manchmal allerdings geht es schnell, vor allem dann, wenn die Politik um ihren Ruf fürchtet.
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Als der Bundesrechnungshof im Frühjahr scharfe Kritik am Einsatz von Lobbyisten in Ministerien übte, als er vorrechnete, dass allein für die Zeit zwischen 2004 und 2006 gut 300 Externe in Ministerien tätig waren, gab es kurze Abwehrgefechte - und danach sehr schnell die Erkenntnis, dass sich etwas ändern müsse. Der Verdacht, in Deutschland könnten Gesetze von Lobbyisten geschrieben worden sein, ließ die Regierung sehr schnell aktiv werden.
Nur zwei Monate später hat das Bundesinnenministerium Kriterien formuliert, mit denen es den Einsatz von aus Privatfirmen ausgeliehenen Mitarbeitern regelt. Genauer gesagt: Mit diesem Katalog setzt das Ministerium diesen Einsätzen klare Grenzen. Zu diesem Zweck hat die Regierung beschlossen, dass von Unternehmen bezahlte Mitarbeiter zwar weiter an Ministerien ausgeliehen werden dürfen; es ist ihnen künftig aber nicht mehr erlaubt, am Formulieren von Gesetzentwürfen mitzuwirken. Außerdem dürfen sie keine Leitungsfunktionen besetzen.
Hintergrund sind bis heute weder bestätigte noch widerlegte Berichte, derlei Fälle habe es in der Vergangenheit tatsächlich gegeben. Demnach soll der Mitarbeiter einer Bank an der Formulierung eines Gesetzes über die Liberalisierung der Finanzbranche mitgeschrieben haben. Und an anderer Stelle steht der Verdacht im Raum, ein stellvertretender Abteilungsleiter sei sehr einflussreich gewesen - und von außen bezahlt worden.
Sollte nur einer der beiden Fälle stimmen, wäre das zweifellos ein Skandal. Deshalb war die Neuregelung im Umgang mit externen Mitarbeitern überfällig. Außerdem wird das Bundesinnenministerium nun zweimal im Jahr über den Einsatz externer, auch extern bezahlter Mitarbeiter berichten. Dokumentiert werden soll nach dem Willen der Regierung, wie viele Externe in den Ministerien eingesetzt und wie lange sie tätig sind, was sie genau tun, für wen sie arbeiten und was sie in der Zeit verdienen.
Damit wird transparent, was längst öffentlich sein sollte. Überhaupt stellt sich die Frage, warum das jetzt so schnell geht und davor so lange nichts getan wurde. Selbst wer den Einsatz externer Mitarbeiter nicht grundsätzlich verteufelt, sondern auch als Teil sachlicher Verbesserung der Regierungsarbeit empfindet, muss bei dem Gedanken misstrauisch werden. Umso besser, dass jetzt etwas getan wird.
Was nicht heißt, dass das jetzt Beschlossene auch ausreicht. Noch soll das Innenministerium keinen Bericht für die Öffentlichkeit vorlegen, sondern allein den Haushaltsausschuss informieren. Man ahnt zwar, dass das seinen Weg in die Öffentlichkeit finden wird. Trotzdem stellt sich die Frage: Wozu die Einschränkung? Das nährt den Verdacht, es könnte doch etwas faul sein.
Im Übrigen geht die neue Geschwindigkeit nicht so weit, dass am Donnerstag das Parlament einem Lobbyisten-Register zugestimmt hätte. Dabei geht es nicht nur um ausgeliehene Externe, sondern darum, dass alle Lobby-Organisationen beim Parlament registriert werden sollen. Wer Transparenz will, kann dagegen kaum etwas einwenden. Das Problem: Der Gesetzentwurf kam von der Linkspartei. Da mochte dann doch niemand die Hand heben.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Europäische Union Die Brüssel-Flüsterer 31.03.2008
- Wirtschafts-Lobbyismus Die Einflüsterer 16.02.2008
- Wikipedia Wahr oder falsch? 17.08.2007
(SZ vom 20.06.2008/aho)
Obama zeichnet Bob Dylan aus
Hallo mona_7:,
Schadensersatzforderungen war zwar gegeben das wurde soweit ich informiert bin unter den Teppich gekehrt.
Ja so ist das nun mal eine Hand Wäscht die andere und eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.:)
Da fällt mir gerade die Bahn ein da gibt es auch einiges zu berichten Heut nicht ein andermal.
Es ist lobenswert, wenn sich die Verdienenden an der Gestaltung beteilgen. Wenn es auf die jetzt wieder mal aufdeckte Weise geschieht, dann fragt sich auch ein naiver Mensch, wozu eigentlich geschlossene Türen notwendig waren.
Eine Demokratie kann nur so echt und gut sein, wie die Funktionsträger es zulassen. Die Geschichte lehrt es immer wieder: Auf Machtkonstellationen ist nie Verlass, weil sie immer eine Erlaubnis brauchen, auch wenn das gerne anders gehandhabt wird. Ohne echte Legitimation kann keine Entscheidung wirklich Bestand haben. Es könnte einfacher sein, wenn wir den befürchteten Umständen nicht ständig aus dem Weg zu gehen versuchen.
Das Congressional Budget Office gab im Januar 2008 bekannt, dass bereits 752 Mrd. Dollar (reine Irakkriegkosten bei 500 Mrd. Dollar) für den Irakkrieg, den Afghanistaneinsatz und den Krieg gegen den Terror ausgegeben wurden.
Die Verwalter des ökonomischen Verfalles der Weltmacht, das Weiße Haus ging im Jahr 2003 übrigens von Kosten für den Irakkrieg von 50 bis 60 Milliarden Dollar aus! Diese Rüstungskosten treiben auch die Staatsschulden in die Höhe. Seit Georges W. Bush erstem Amtsantritt am 20. Januar 2001 stieg die explizite Verschuldung der USA von 5,73 Billionen um 3,63 Billionen Dollar bzw. 63% auf aktuell 9,36 Billionen US-Dollar. Im Fiskaljahr 2008 (1.10.2007-30.9.2008) zieht die Verschuldungsrate nochmal rapide an. Seit dem 1.10.2007 bis heute um 353 Mrd. Dollar in nur 5 Monaten, um 2,35 Mrd. pro Tag! Quelle Daten: Treasurydirect.gov
Die Gesamtverschuldung (explizit Staat, Unternehmen und private Haushalte) beträgt Ende 2007 50 Billionen Dollar (1990 "nur" 13 Billionen). Jeder Dollar Wirtschaftswachstum wurde mit 5 Dollar Neuverschuldung erkauft, damit ist das größte Wachstumssegment der Wirtschaft, die Rate der Neuverschuldung!
Montag, 3. März 2008
"Billionen für den Irakkrieg"
Neben den immensen Verwerfungen an den Finanzmärkten ausgehend von den USA geht von der imperialen Weltmacht eine weitere Kapitalvernichtungsmaschinerie aus. Dies sind die Kriegskosten im Irak, in Afghanistan, im Krieg gegen den Terror und die aufgeblasenen Militärausgaben im Verteidigungshaushalt, welche bei diesen Größenordnungen früher oder später jede Ökonomie in den Abgrund ziehen!
Genau wie es eine gigantischen Fehlleitung von Kapital hin zur Spekulation gab, kam es auch zu einer gigantischen Fehlleitung von Kapital hin zum militärisch-industriellen Komplex. Auf der anderen Seite fehlt das Geld für wichtige Investitionen in die Infrastruktur und in die nicht militärische Realwirtschaft. Von einem Gesundheitssystem was 47 Millionen US-Bürger von einer Krankenversicherung ausnimmt ganz zu schweigen.
Nach Angaben von Joseph Stiglitz ... könnten die Kosten des Irakkriegs für die USA zwischen 3 bis 5 Billionen US-Dollar betragen!
Stiglitz bezieht in seiner Kostenrechnung die ökonomischen Folgekosten, wie einen in Folge des Krieges gestiegenen Ölpreis mit ein. Diesen setzt er sehr konservativ (eher untertrieben) mit nur 5-10 Dollar je Barrel an. Weiterhin die hunderten von Milliarden an Folgekosten für die sinnlos verheizten US-Soldaten, im Januar 2008 sind es 29080 Verletzte und mehrere 10000 kranke und nicht einsatzfähige Soldaten aus dem Irakkrieg sowie 7552 verletzte Soldaten aus dem Afghanistaneinsatz. ...
Weiterhin erhöhen die Kosten die enormen Zinslasten. Der Irak-Krieg.. ist der erste Krieg, der völlig durch Schulden finanziert wurde.
Stiglitz geht auch davon aus, dass diese immensen Kosten zur US-Konjunkturabschwächung beitragen und eine wirtschaftliche Erholung behindern. Als Ausgleich für die finanziellen Verluste aus dem Irakkrieg, hat die FED die Wirtschaft mit Liquidität überflutet und die Verschuldung stieg auf Rekordniveau...
So wie die Wertschöpfung per Vermögenssteigerung am Finanzmarkt nur virtuell war und ist so erweist sich auch die reale Bedrohungslage für die USA als aufgeblasener Popanz. Die Militärausgaben der USA betragen das 5,8-fache Chinas, das 10,2-fache Russlands und gar das 98,6-fache der "Schurken" aus dem Iran. ....
wirtschaft-querschuss.blogspot.com/2008/03/billionen-fr-den-irakkrieg.html
@ Hanny 10
Was steht im Vertrag z.B. über Schadensersatzforderungen?
Formuliert von wurde der Vertrag von Freshfields - der Vertrag besteht aus 17000 Seiten, aus diesem Vertragswerk wurde ein 180-Seiten-Dossier zusammenstellt, das den Mitgliedern des Haushaltsausschusses übermittelt wurde, nicht aber dem Bundestag, der darüber abgestimmt hat. Was ist aus dem Dossier ersichtlich: Dass im Streitfalle ein Schiedsgericht, nicht ein öffentliches Gericht zuständig ist, das heisst, im Zuge der Privatisierung werden auch diese Auseinandersetzungen privatisiert.... Soweit zu Schadensersatzforderungen des Bundes, die ja entstanden sind, und ihrern Durchsetzungsmöglichkeiten.
Der SPD-Abgeordnete Jörg Tauss und Politiker der Grünen hatten auf Basis des Informationsfreiheitsgesetzes Anträge auf Einsicht in das Vertragswerk zwischen dem Maut-Konsortium und dem Bundesverkehrsministerium gestellt.... Das Ministerium lehnte eine Offenlegung ab und führte zur Begründung an, dass die Herausgabe Toll Collect im Wettbewerb schaden beziehungsweise die Sicherheit des Systems gefährden könne. Im Übrigen sähe man sich mangels Sachverstand nicht in der Lage, geheimhaltungsbedürftige Passagen zu schwärzen und die übrigen freizugeben. Zudem könne die Herausgabe des Vertrags die "Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit der Rechtspflegeorgane" beeinträchtigen, da der Bund Toll Collect wegen mangelnder Leistungserbringung auf insgesamt 5,1 Milliarden Euro vor einem Schiedsgericht verklagt hat.
Wer ist Freshfields? www.memo.uni-bremen.de/docs/m7704.pdf
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