Ditip Imame unter Verdacht

Ankara soll Informationen über Erdoğan-Gegner aus Deutschland erhalten haben. Nun wird wegen Spionage gegen die Moscheegemeinden ermittelt.

Von Mike Szymanski, Ankara

Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Spionageverdachts im bundesweiten Dachverband der türkischen Moscheegemeinden (Ditib). Es seien Ermittlungen gegen unbekannt aufgenommen worden, bestätigte eine Sprecherin der Behörde am Mittwoch. Ditib sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, dass Imame des Vereins Informationen über Anhänger des in der Türkei als Staatsfeind gesuchten Predigers Fethullah Gülen nach Ankara geschickt hätten. Die Imame der Ditib sind türkische Staatsbeamte und der mächtigen Religionsbehörde Diyanet unterstellt. Deren Präsident Mehmet Görmez wies am Mittwoch den Spionage-Vorwurf entschieden zurück.

Seiner Auffassung nach bemühe sich Ditib in Deutschland, die Gläubigen vor einem falschen Religionsverständnis zu schützen. Beim Putschversuch vom Sommer habe die Welt beobachten können, wie Anhänger der Gülen-Bewegung die Religion instrumentalisiert und Gewalt angewendet hätten. Er sei "sehr traurig" darüber, dass die Bemühungen, die Moscheegemeinde in Deutschland zu schützen, als Spionagetätigkeit bezeichnet werde. Ditib arbeite seit Jahrzehnten auf der "Grundlage des Rechts", für ihn sei nicht vorstellbar, dass der Moscheeverein Recht ignoriere. Es habe ein Schreiben gegeben, dies sei aber nicht an die Imame oder Moscheen gerichtet gewesen. Dennoch werde seine Behörde jeder Behauptung nachgehen und unternehmen, was nötig sei, wenn "einzelne, individuelle Fehler" passiert seien. Er frage sich jedoch, ob die Reaktionen in Deutschland so ausfallen würden, wenn es nicht um die Gülen-Bewegung, sondern um die Terrormiliz IS gehen würde.

Innenstaatssekretär Ole Schröder (CDU) sagte, die Bundesländer müssten prüfen, ob Ditib die Voraussetzung für eine Religionsgemeinschaft erfülle. Es müsse möglicherweise auch untersucht werden, ob der Sonderstatus, den Imame genössen, gerechtfertigt sei.