Die Globalisierung führe zu Elend, schimpft Linksparteichef Lafontaine gerne - beim Verkauf von Partei-T-Shirts aus dem Niedriglohnland Bangladesh nimmt die Linke dieses Credo aber offenbar nicht so genau.
Von Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine stammt der Satz: "Die jetzige Form der Globalisierung führt zu großem Leid und großem Elend." Solidarität mit den Entrechteten der Welt ist für seine Linken eine Selbstverständlichkeit. "Wir wollen globale Gerechtigkeit", postulierten sie in einem Beschluss auf ihrem Cottbuser Parteitag am vergangenen Wochenende.
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8,50 Euro kosten die Parteihemden der Linken - hergestellt werden sie im Niedriglohnland Bangladesh (© Screenshot: Die Linke)
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Der Jura-Student Xaver Glass aus Frankfurt am Main wollte es genauer wissen. Nach einer Mensa-Debatte über die Ehrlichkeit der Parteien beim Thema Globalisierung bestellte er im Online-Shop der Linkspartei das Produkt P000097 zum erschwinglichen Preis von 8,50 Euro. Es handelt sich um ein rotes T-Shirt mit dem dezenten weißen Schriftzug "Die Linke."
Als das Päckchen in Frankfurt eintraf, bestätigte sich der Verdacht des Studenten. Unter diversen Pflegehinweisen ist dem Etikett des T-Shirts zu entnehmen: Made in Bangladesh. "Besonders zynisch" findet das der Frankfurter Student. Die Linkspartei fordere höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten und höhere Steuern, um ihr Sozialprogramm zu finanzieren. "Wenn es aber um den eigenen Profit geht, wird die Linke plötzlich zum Kapitalisten", kritisiert der 23-jährige Glass.
Die Herkunft der Parteihemden aus Bangladesch ist pikant, denn gerade dort gelten die Arbeitsbedingungen als besonders miserabel. Im Sommer 2006 kam es aus Protest gegen einen Mindestlohn von umgerechnet elf Euro im Monat sogar zu Unruhen. Mehrere Textilfabriken gingen in Flammen auf.
"Bangladesch ist ein schreckliches Beispiel", sagt Jörg Köther, Sprecher der für die Textilbranche zuständigen Gewerkschaft IGMetall, "die Verhältnisse dort sind zum Teil haarsträubend". Es herrschten unmenschliche Arbeitsbedingungen. Zudem würden die Gewerkschaften unterdrückt. Die IG Metall unterstützt eine Kampagne für "saubere Kleidung", die aufmerksam machen soll auf die auch von der Linkspartei kritisierten Produktionsverlagerungen in Billiglohnländer.
Als "sauber" wird von den Initiatoren jene Kleidung angesehen, die nicht durch Kinder- oder Zwangsarbeit hergestellt wurde und bei deren Produktion soziale Mindeststandards eingehalten werden. "Auch jeder, der Werbemittel vertreibt, sollte offene Augen hierfür haben", mahnt IG-Metall-Sprecher Köther.
Keiner Schuld bewusst
Bei der Linkspartei ist man sich indes keiner Schuld bewusst und verweist auf Beteuerungen der mit der Herstellung der Werbemittel beauftragten Berliner Firma MediaService GmbH. Die reicht, ganz im Sinne der Globalisierung, den schwarzen Peter weiter. Die T-Shirts seien bei der Firma Adler in Tschechien bestellt worden, erklärt das Unternehmen.
"Für uns standen dabei Fragen der umweltgerechten Produktion und der Verhinderung des Missbrauchs von Lohndumping und Kinderarbeit bei der Ausgestaltung unserer Kooperationsbeziehung immer an vorderster Stelle", heißt es in einer Mitteilung. Die tschechische Firma Adler wiederum garantiert den "sehr geehrten Geschäftsfreunden" in ihrem Katalog, "dass bei der Warenproduktion keine Kinderarbeit missbraucht wurde". Extrem günstige Preise garantiert Adler seinen Kunden allerdings auch.
Unbedruckte T-Shirts von der im Linken-Shop vertriebenen Art werden im Internet für 2,07 Euro angeboten. Für ein T-Shirt aus deutscher Herstellung sind hingegen 18 Euro zu bezahlen. Für nur zwei Euro mehr gibt es im Online-Shop der Linken ein Buch zu kaufen. Es trägt den Titel "Eine andere Welt" und enthält Aufsätze zur globalen Gerechtigkeit.
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(SZ vom 31.05.2008/aho)
Nun, dann ist es dringend geboten, dass die Linke...
1. nachprüft, mit welchen Betrieben in Bangla-Desh Adler zusammenarbeitet...
2. am Besten - als öffentliches Zeichen - sich mit Betrieben dort in Verbindung setzt, die tatsächlich fair und human produzieren. Und in Zukunft bei denen bestellt.
Sehr viel teurer werden die T-Shirts deswegen nochmal gar nicht, nehme ich an.
Dann hätte die Aufdeckung der Geschichte einen Sinn gehabt.
Einer Partei - egal welcher übrigens(!) - die Seriosität abzusprechen, nur weil sie ein in Bangladesh unter bedenklichen/verwerflichen Umständen hergestelltes "Werbe-T-Shirt" im Sortiment hat ... das ist doch allerunterste Schublade - und üble Demontage/Polemik...
Wenn man Parteien nach solchen Kriterien beurteilen würde - dann fallen alle durch ... ;-)
Pfui - Linke verkaufen T-Shirts aus Bangladesch
! Deutsche wählt keine Linke
! kauft nicht bei Tchibo
! bloß nicht bei Deichmann
! und auch nicht bei H&M
ein absurder Artikel in der Süddeutschen, der doch auf viele offene Ohren stieß!
Sommerwind, da ein Shirt es flattert so sanft der Teich, seht wie er dampft. (Haiku, Japan)
dass die Linkspartei sich in nichts von den übrigen unterscheidet. Wie gesagt Schweine im Orwellschen Sinne. Wer vorgibt gegen Ausbeutung zu sein, darf sie nicht unterstützen, ist ganz einfach. Der kauft teurere deutsche T-Shirts, oder?
gut gesagt Einbuerger
Sie können nur schlecht verstecken, dass Sie im Fall (doppelter Wortsinn) der Partei "Die Linke", wie so viele, bereit sind, beide Augen zuzudrücken, wenn die Taten von den wohlfeilen Sprüchen eklatant abweichen.
Es geht nicht um die Eiskratzer anderer Parteien. Ebenso wenig um die bekannten ausbeuterischen Verhaltensweisen der Ihnen grundsätzlich verdächtigen und korrupten Industrie. (Die ich damit ausdrücklich NICHT in Schutz nehme)
Um das peinliche Verhalten, der sich selbst als moralisch überlegen inszenierenden "Linken", darum geht es!
Und an dieser Stelle um den billigen Versuch der Ablenkung durch Ihren Fingerzeig auf andere.
Polemisch ist damit eben genau dies!
Wer zurecht andere für ihr Fehlverhalten kritisiert, muss es ertragen, wenn das Pendel mal zurück schlägt.
Paging