Deutsche Terroropfer in Afghanistan Bundesanwälte nehmen Ermittlungen auf

In die Aufklärung des schweren Anschlags in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat sich auch die Bundesanwaltschaft eingeschaltet. Bei dem Bombenattentat waren drei deutsche Polizisten ums Leben gekommen. Eines der Opfer stammte aus Karlsruhe. Mit Video

Bei einem Bombenattentat in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind drei Deutsche getötet worden. Wegen des folgenschweren Anschlags ermittelt nun die Bundesanwaltschaft. Dies teilte die Behörde auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP mit.

Bei den Opfern handelt es sich um drei Polizeibeamte, sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Berlin. Zwei der Toten arbeiteten demnach für das Bundeskriminalamt, der dritte gehörte zur Bundespolizei.

Ein weiterer Beamter sei verletzt worden, sagte Schäuble. Die Opfer seien "in Afghanistan im Einsatz zum Schutz unserer dortigen Botschaft und des Botschafters selbst" gewesen. Nach Schäubles Mitteilung fuhren die Beamten auf dem Weg zu einem dienstlichen Training auf einen Sprengsatz.

Sie hätten ein besonders geschütztes Fahrzeug benutzt. Doch sei die Explosion so stark gewesen, dass "trotz allen Schutzes die schrecklichen Folgen eingetreten sind". Die Polizisten seien nicht an der europäischen Polizeimission EUPOL zum Aufbau eigenständiger Polizeikräfte in Afghanistan beteiligt gewesen, betonte der Minister.

Das Innenministerium geht von einem Anschlag aus, weil die Sprengladung so massiv gewesen sei. Bei einer einfachen Mine hätte das geschützte Fahrzeug den Polizisten auch Schutz geboten, hieß es.

Einer der beim Anschlag in Kabul getöteten deutschen Polizisten kommt nach Angaben des baden-württembergischen Innenministeriums aus Karlsruhe. Innenminister Heribert Rech (CDU) äußerte sich in Stuttgart betroffen über den Tod des 39-jährigen Polizeiobermeisters. Er war vom Polizeipräsidium Karlsruhe an das Bundeskriminalamt abgeordnet worden.

Über die Identität der Opfer hatte am Morgen Unklarheit geherrscht. Örtliche Polizeikräfte hatten zunächst davon gesprochen, drei deutsche Soldaten seien tot. Dies wurde jedoch vom Verteidigungsministerium und der Bundeswehr in Kabul dementiert.

Absichtlich deponierte Mine

Der vierte Fahrzeuginsasse wurde nach Polizeiangaben ins Bundeswehr-Lazarett im Camp Warehouse eingeliefert, laut n-tv mit sehr schweren Verletzungen. Nach Aussage eines Sprechers des Innenministeriums in Kabul wurde noch ein fünfter Mann verletzt. Der Sprecher nannte die Staatsangehörigkeit des Verletzten nicht.

Der Chefermittler der Kabuler Polizei, Alishah Paktiawal, sagte der dpa, von zwei Militärfahrzeugen sei eines bei der Explosion einer Mine am Straßenrand zerstört worden. Die Bombe sei per Fernzünder zur Explosion gebracht worden. Das Fahrzeug habe eine deutsche Flagge getragen. Es sei bei der Explosion einer Bombe am Straßenrand vollständig zerstört worden.

Zu dem Anschlag kam es nach Polizeiangaben im Bezirk Bagrami am östlichen Stadtrand Kabuls, in dem die Bundeswehr schon seit längerem Patrouille fährt. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen wurde die Explosion von einer absichtlich dort deponierten Mine verursacht.

Die radikal-islamischen Taliban teilten auf ihrer Homepage mit, ein ausländisches Militärfahrzeug sei in Bagrami durch einen Sprengsatz der Taliban zerstört worden, neun Soldaten seien getötet worden. Opferangaben der Taliban bei Anschlägen sind meist deutlich zu hoch.

Die Taliban bekannten sich auch telefonisch zu dem Anschlag. Taliban-Sprecher Jussuf Ahmadi übernahm in einem Telefonanruf bei AFP die Verantwortung für den Anschlag. "Es handelte sich um eine ferngesteuerte Bombe, die beim Vorbeifahren eines ausländischen Militärkonvois explodiert ist", sagte der Sprecher der radikalislamischen Bewegung.

Ein Sprecher der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (ISAF) sagte, es gebe Informationen zu einem Anschlag in der Nähe einer Kaserne. Informationen über die Zahl der Opfer lägen jedoch noch nicht vor. Die Bundeswehr in Afghanistan äußerte sich zu dem jüngsten Vorfall zunächst nicht.

Erstmals deutsche Polizisten in Afghanistan getötet

Augenzeugen berichteten, der Konvoi aus zwei deutschen Geländewagen sei auf einer Schotterstraße unterwegs gewesen, als die Bombe explodiert sei. Drei Leichen seien mit Hubschraubern abtransportiert worden. Später seien französische Soldaten mit Antiminengerät und US-Soldaten am Explosionsort eingetroffen. Die afghanische Polizei hielt Journalisten fern.

Mit dem Anschlag auf deutsche Sicherheitskräfte sind erstmals deutsche Polizisten im Dienst in Afghanistan getötet worden. Das sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin. Im Gegensatz zu Soldaten, die auf Befehl in einen Einsatz gehen, können Polizisten frei entscheiden, ob sie eine solche Aufgabe übernehmen.

Derzeit sind 40 bis 50 Polizisten für die Ausbildung der örtlichen Polizei in Afghanistan im Einsatz. Zur Zahl der Personenschützer an der Botschaft machte Matthias Wolf vom Innenministerium aus Sicherheitsgründen keine Angaben.

Erst vor drei Monaten waren in Afghanistan drei deutsche Soldaten getötet worden. Sie starben am 19. Mai bei einem Selbstmordattentat auf einem belebten Markt in Kundus. Insgesamt kamen damals elf Menschen ums Leben. Fünf Bundeswehrangehörige und 16 Afghanen wurden verletzt.

Die ISAF soll nach dem Sturz des Taliban-Regimes die afghanische Regierung beim zivilen Wiederaufbau, der Flüchtlingsrückkehr und der inneren Sicherheit unterstützen. Deutschland stellt mit rund 3300 ISAF-Soldaten das drittgrößte Kontingent. Die Bundeswehr ist in der Hauptstadt Kabul sowie in den nördlichen Städten Masar-i-Scharif, Kundus und Faisabad stationiert.