Bayerns oberster Datenschützer Betzl, der mehrere Hunderttausend Euro in Liechtenstein angelegt haben soll, fühlt sich als "Bauernopfer" in der Steueraffäre.
Der bayerische Datenschutzbeauftragte Karl Michael Betzl sieht sich als Opfer einer politischen Verschwörung und hat schwere Vorwürfe an die Staatsanwaltschaft gerichtet. "Ich fühle mich als Bauernopfer in einem politischen Spiel, in dem es um ganz andere Größenordnungen geht", sagte Betzl am Donnerstag der Süddeutschen Zeitung. "Man hat mich öffentlich bloßgestellt und damit in Kauf genommen, dass das meinen bürgerlichen Tod bedeutet."
Wegen der Vorwürfe lässt Betzl sein Amt als Datenschutzbeauftragter ruhen. (© Foto: dpa)
Anzeige
Die Bochumer Staatsanwältin Margrit Lichtinghagen hatte am Dienstag die Wohnung und die Diensträume Betzls durchsucht. Der Spitzenbeamte steht wie Hunderte andere Deutsche auf der Liste derer, die ihr Vermögen in Liechtenstein vor dem Finanzamt in Sicherheit gebracht haben sollen. Betzl hatte daraufhin angekündigt, er lasse sein Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen.
Herkunft des Geldes rätselhaft
Wie die SZ aus Kreisen der Ermittler erfuhr, soll Betzl erhebliche Summen nach Liechtenstein transferiert haben. Es ist von etlichen hunderttausend Euro die Rede. Die Fahnder rätseln darüber, woher der Datenschutzbeauftragte diese Summe hat - als Beamter kann er kaum so viel Geld zur Seite legen. Und auch seine Frau, die als Referatsleiterin beim Bundesnachrichtendienst (BND) beschäftigt ist, verdient nur ein überschaubares Gehalt.
Betzls Anwälte traten den Vorwürfen entgegen: Ihr Mandant könne die Herkunft seines Vermögens durch Steuererklärungen nachweisen. Ihm werde auch nicht vorgeworfen, dass er unrechtmäßig sein Vermögen erworben habe, sondern dass er Steuern nicht gezahlt habe. "Die Herkunft und der Ursprung des von meinem Mandanten gehaltenen Vermögens ist den Finanzbehörden durch ordnungsgemäße Steuererklärungen seit Jahren bekannt", erklärte die Kanzlei Wannemacher und Partner in München.
"Vorgeworfen wird meinem Mandanten die Hinterziehung von nicht erklärten Kapitalerträgen und nicht die ungeklärte Herkunft von Vermögenswerten. Gegen diesen Vorwurf wird und kann sich mein Mandant verteidigen."
Bekannt ist, dass Betzl aus einer wohlhabenden Familie stammt, sein Vater war lange Jahre Bahn-Chef in Augsburg, der Familie gehören dort mehrere Immobilien und auch ein Grundstück in Breitbrunn am Ammersee. Diese Immobilien und die Erträge daraus hat Betzl offenbar nicht vor dem Finanzamt verborgen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Geheimdienste Westerwelle: Hat Rot-Grün den BND zur Aufdeckung der CDU-Spendenaffäre missbraucht? 21.02.2008
- Steuerskandal in Liechtenstein SPD-Finanzexperte spricht von "Schurkenstaat" 21.02.2008
- Kooperation mit EU Liechtenstein unterschreibt Justizvereinbarung 21.02.2008
- Steuerflüchtlinge in München Die Angst wächst 20.02.2008
- Erdrückende Beweislast Steuersünder müssen mit Gefängnis rechnen 20.02.2008
Obama zeichnet Bob Dylan aus
Dass bereits 75% der SZ-Kommies zur Neuen Asozialen gehören, finde ich alarmierend. Echt jetzt. :-)))
Hat ihn jemand gezwungen, Steuern zu hinterziehen und kriminell zu werden? Mit vorgehaltener Waffe womöglich?
Juristisch ist die Steuerhinterziehung weder Verbrechen noch Ordnungswidrigkeit sondern Vergehen. Auf das in besonders schweren Fällen 10 Jahr Gefängnis als Strafe ausgesetzt ist. 10 Jahre Jahre Gefängnis für eine "Ordnungswidrigkeit"? Ich glaube der Begriff Ordnungswidrigkeit deckt sich nicht mit einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren.
Bis zu 10 Jahren Gefängnis bekommt man nach §129a für die Bildung einer terroristischen Vereinigung. Das würde man auch nicht als Ordnungswidrigkeit bezeichnen: Der Gesetzgeber hat also was anderes im Sinn gehabt, als eine Ordnunsgwidrigkeit.
Bei Herrn Belzl kommt erschwerend hinzu, dass er Kaufmann udn Jurist ist, in der Finanzverwaltung und einer Bank gearbeitet hat, also exakt wusste, was er in Lichtenstein tut.
129a
"(1) Wer eine Vereinigung gründet, deren Zwecke oder deren Tätigkeit darauf gerichtet sind,
1.Mord (§ 211) oder Totschlag (§ 212) oder Völkermord (§ 6 des Völkerstrafgesetzbuches) oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit (§ 7 des Völkerstrafgesetzbuches) oder Kriegsverbrechen (§§ 8, 9, 10, 11 oder § 12 des Völkerstrafgesetzbuches) oder
2.Straftaten gegen die persönliche Freiheit in den Fällen des § 239a oder des § 239b
3.(weggefallen)
zu begehen, oder wer sich an einer solchen Vereinigung als Mitglied beteiligt, wird mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren bestraft."
Im juristischen Sinn mag das ja stimmen, da ist man viel Merkwürdiges von Juristen gewohnt, aber Steuerhinterziehung als Verbrechen zu bezeichnen ist maßlos übertrieben. Es sollte nur "Ordnungswidrigkeit" heißen. Mit so schwerem Geschütz zu schießen und ohne Not bürgerliche Existenzen zu ruinieren macht einen großen Teil der Bevölkerung zu Tätern und den Staat zum Feind, dem man dann natürlich nur mit konspirativen Methoden begegnen kann. Interessant wäre es, zu sehen, wie andere Staaten mit niedrigeren Steuersätzen "gegen den Steuerhinterzieher vorgehen". Auch so brutal?
Eigentlich ist es die pure Hilflosigkeit des Staates: Viel Geld verschwindet und der überforderte Staat bringt es nicht fertig, die Leute bei der Stange zu halten und man will "das Recht durchsetzen", koste es, was es wolle.
Er könnte es einfacher haben: Ein einfaches Steuerrecht mit weniger Gier.
Aber offenbar sind die Maß-(und Geld-)gebenden Kreise an einem bürgerfreundlichen Steuerrecht nicht interessiert, weil das alte für sie gutes ist.
"Man hat mich öffentlich bloßgestellt und damit in Kauf genommen, dass das meinen bürgerlichen Tod bedeutet."
Den "bürgerlichen Tod" haben auch bererits mehrerre Millionen von HIV-Empfängern erlebt. Unterschicht unten und Bauernopfer oben sind zwei Seiten der gleichen neoliberalen Medaille.
Im Endeffekt gewinnen nur ganz wenige - die meisten verlieren. Willkommen im Deutschland der "geistig moralischen Wende". Zeit umzukehren und den sozialen Frieden wieder herzustellen.
Paging