Bonn König-Fahd-Akademie unter Islamismus-Verdacht

Die saudi-arabische Islam-Schule ist offenbar eine Anlaufstelle für Fundamentalisten. Durchsuchungen bei Kontaktpersonen der Akademie förderten Sprengstoff und Propagandamaterial zu Tage. Jetzt droht der Schule die Schließung.

Nach Auskunft der zuständigen Bezirksregierung Köln wird bereits seit März diesen Jahres gegen die König-Fahd-Akademie ermittelt. Nach dem Stand der Ermittlungen pflegt die Islam-Schule enge Kontakte zu islamistischen Fundamentalisten. Darunter fällt auch ein mutmaßliches al-Qaida Mitglied aus Ägypten, dem eine Beteiligung an den Terror-Anschlägen von Bali vorgeworfen wird.

Bei der Durchsuchung einer Wohnung im Raum Bonn, deren Inhaber in engem Kontakt zu Akademie stehe, seien die Fahnder auf Sprengstoff und eine Anleitung zum Bombenbau im Stil der al-Qaida gestoßen. Man habe auch islamistisches Propagandamaterial und ein für Selbstmordattentäter typisches handgeschriebenes Testament gefunden.

Auch zu der "Islamischen Gemeinschaft Deutschlands" (IGD) pflege die König-Fahd-Akademie enge Kontakte. Das Vermögen der König-Fahd-Akademie geht im Falle ihrer Schließung an die IGD über. Gegenüber dem ARD-Magazin "Panorama" erklärte der Chef des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes Hartwig Möller, einige Mitglieder der IGD stünden in engem Kontakt zu terroristischen Organisationen.

Durchsuchungsergebnis "Besorgnis erregend"

In einem Telefonat mit sueddeutsche.de wollte die Akademie die erneuten Vorwürfe nicht kommentieren. Dafür hatten am Wochenende rund 500 Schüler, Eltern und Lehrer in Bonn gegen eine mögliche Schließung demonstriert. In einem Umzug durch die Innenstadt setzten sie sich für einen "freien Besuch" der Akademie und einen "Dialog der Kulturen" ein.

Bei einer Durchsuchung der Klassenräume der Schule hatten die Fahnder jüngst über 315 Lehrbücher beschlagnahmt. Laut "Panorama" bezeichnete die Pressesprecherin der Bezirksregierung den Inhalt der Unterrichtsmaterialien als "Besorgnis erregend".

Unabhängige Experten hätten festgestellt, dass in den Unterlagen der Islam als "absolute Wahrheit mit globalem Anspruch" bezeichnet werde. Frauen und Mädchen würden in den Materialien nicht erwähnt, vielmehr würde durch unzählige Verbote eine Art "pädagogischer Käfig" für Kinder errichtet.

Aufruf zum Heiligen Krieg

Die König-Fahd-Schule wird von der saudi-arabischen Regierung betrieben. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte die mögliche Schließung der Schule bei seinem letzten Besuch in Riad bereits angesprochen. In Regierungskreisen hofft man, die saudische Regierung würde von sich aus eingreifen, bevor eine Schließung von deutscher Seite droht.

Diese ist jedoch nicht vor einem Jahr zu erwarten, zuvor müssen umfangreiches Beweismaterial gesichert werden. Zunächst wurde die Akademie nur aufgefordert, einen Lehrer zu suspendieren, der zum Heiligen Krieg aufgerufen habe.