Blackwater: Skandal um Söldner Schmutzige Dollar - wurden Tötungen im Irak vertuscht?

Der Skandal um die private Sicherheitsfirma Blackwater weitet sich aus. Ein Bericht des US-Kongresses beschreibt die Söldner als aggressiv und schießwütig und wirft ihnen vor, Gewaltaktionen vertuscht zu haben - mit Billigung des amerikanischen Außenministeriums.

Von Barbara Vorsamer

Ein aktueller Bericht des US-Kongresses enthüllt, dass die Blackwater-Schießerei im September kein Einzelfall war. Seit dem Vorfall, bei dem elf Iraker ums Leben kamen, steht die private Sicherheitsfirma Blackwater - und damit auch das amerikanische Außenministerium - schwer in der Kritik.

Medienberichten zufolge beschreibt der Bericht die Blackwater-Angestellten als aggressiv, rücksichtslos und schießwütig. Auch sieht er das amerikanische Außenministerium in der Verantwortung und deckt Fälle von Vertuschung und Entschädigungszahlungen auf.

Mitarbeiter von Blackwater sollen an beinahe 200 Schießereien in den vergangenen drei Jahren beteiligt gewesen sein. Dabei sollen in den meisten Fällen die Söldner das Feuer eröffnet haben, häufig aus Fahrzeugen heraus geschossen haben - und Tatorte verlassen haben, ohne sich um Verwundete zu kümmern oder die Toten zu zählen.

Damit hätten die Angestellten der Sicherheitsfirma gegen ihren Vertrag mit dem State Department gehandelt. Dieser schreibt vor, dass private Söldner ihre Waffen nur zur Selbstverteidigung und dem Schutz der Person, zu deren Bewachung sie eingesetzt sind, nutzen dürfen.

Im Bericht des Komitees heißt es aber: "In der Praxis war die große Mehrheit des Schusswaffengebrauchs der Blackwater-Mitarbeiter präventiv."

Schuld des amerikanischen Außenministeriums

Darüber hinaus sollen die Kongressabgeordneten herausgefunden haben, dass die Sicherheitsfirma viele der gewaltsamen Vorkommnisse vertuscht habe, mehrmals mit der Billigung des State Departments. Laut New York Times bezichtigt der Bericht das amerikanische Außenministerium explizit fehlender Kontrolle und sieht grobe Fehler der Beamten beim Umgang mit privaten Sicherheitsfirmen.

Private Sicherheitsunternehmen haben einen großen Anteil an den Vorgängen im Irak. Laut Vertrag dürfen sie aber nicht an militärischen Operationen beteiligt werden. Doch auch hier soll das Kongresskomitee Gegenteiliges herausgefunden haben.

Einem Zeitungsbericht zufolge sind Mitarbeiter von Blackwater an einem Gefecht der US-Truppen in Nadschaf beteiligt gewesen. Das Politmagazin Newsweek berichtet, dass aus einem Helikopter der Sicherheitsfirma bei einem Einsatz Schüsse auf Autos und Zivilisten abgegeben worden seien.

Vertuschung und Schweigegeld

Am meisten Aufregung aber bewirkte die Enthüllung, dass Blackwater mit der Billigung des Außenministerium Fälle vertuscht habe. So soll New York Times und Washington Post zufolge ein Blackwater-Mitarbeiter, der im Dezember 2006 betrunken den Bodyguard des irakischen Vizepräsidenten erschossen hatte, kurz nach dem Vorfall außer Landes geflogen worden sein. Die Familie des Opfers wurde angeblich mit Geld entschädigt.

Hier berichten mehrere Zeitungen, dass die US-Botschaft dafür zunächst einen Betrag von 250.000 Dollar vorschlug. Ein anderer Beamte soll laut Washington Post diese Summe aber als "verrückt" bezeichnet haben. Auch soll er gesagt haben, dass solche Beträge die Iraker dazu verleiten würden, sich töten zu lassen, um ihre Familien finanziell abzusichern. Letztendlich soll Blackwater 15.000 Dollar gezahlt haben, Mitarbeiter des Außenministeriums sollen bei der Übergabe des Geldes behilflich gewesen sein.

Die Los Angeles Times berichtet von weiteren Fällen, bei denen Geld an betroffene Familien gezahlt wurde, um, so ein Zitat aus einem Memo des Außenministerium, "diesen unerfreulichen Vorgang abzuschließen."

Auftragsvolumen von fast einer Milliarde Dollar

Das Komitee des US-Kongresses, das sich mit den Vorfällen beschäftigt, hat für seinen Bericht Hunderte interner Blackwater-Dokumente und einige Unterlagen aus dem Außenministerium untersucht. Am heutigen Dienstag sind Top-Beamte aus dem Ministerium sowie hohe Angestellte der Sicherheitsfirma, darunter Blackwatergründer Erik Prince, vor den Ausschuss des US-Kongresses geladen.

Bei der Aufklärung der Vorfälle im Irak setzt das Außenministerium einer Pressemitteilung zufolge nun ein Expertenteam um die Spitzendiplomaten Patrick Kennedy und Eric Boswell ein. Laut CNN soll das Team auch vom FBI unterstützt werden.

Die Sicherheitsfirma Blackwater hat an die 1000 Söldner im Irak und bekam für ihre Leistungen seit 2001 umgerechnet 770 Millionen Euro vom amerikanischen Außenministerium. Allein seit 2005 musste die Firma jedoch 122 Mitarbeiter entlassen. Die Gründe dafür sollen unter anderem Missbrauch von Waffen, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Ungehorsam, gewalttätiges oder unzüchtiges Benehmen gewesen sein.

Verflechtungen mit Bush-Regierung

Der Kongressbericht, der in den USA ein gewaltiges Medienecho hervorgerufen hat, wird auch kritisiert. So werfen republikanische Abgeordnete dem demokratischen Ausschussvorsitzenden Henry A. Waxmann in der Washington Post vor, Vorurteile zu haben, und die Ereignisse zu beurteilen, bevor die Untersuchungen abgeschlossen seien.

Die Los Angeles Times sieht den Blackwater-Skandal inzwischen Kreise über das Außenministerium hinaus ziehen. Denn ihrem Bericht zufolge kam Blackwater zu seinem beinahe eine Milliarde Dollar schweren Auftragsvolumen "ohne vollständigen und offenen Wettbewerb" mit Konkurrenzfirmen.

Den Grund dafür sieht die Zeitung in engen Verbindungen zwischen Blackwater und der Bush-Regierung. So seien enge Verwandte von Blackwater-Vorstand Prince große Geldgeber von Präsident George W. Bush ebenso wie seines Vaters George H.W. Bush gewesen.

Blackwater ist das größte der drei privaten Sicherheitsunternehmen, die das US-Außenministerium unter Vertrag hat. Insgesamt arbeiten der New York Times zufolge an die 50.000 private Sicherheitskräfte im Irak. Die privaten Söldner haben neben dem State Department auch ausländische Diplomaten, irakische Regierungsmitglieder und internationale Firmen als Auftraggeber.

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