Selten hat das Buch eines Bischofs so viel Aufmerksamkeit gefunden: Reinhard Marx warnt auf 320 Seiten vor einem ungebändigten Kapitalismus.
Auf das Bischofsgewand und das lila Käppchen hat Reinhard Marx heute verzichtet, er kommt im Anzug, er trägt den Kragen eines einfachen Priesters. Aber natürlich füllt er, wenn er spricht, den Raum der ehemaligen Karmeliterkirche.
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Reinhard, nicht Karl: Bischof Marx hat ein Buch über den Kapitalismus geschrieben. (© Foto: dpa)
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Er breitet die Arme aus, als wollte er die Journalisten zu seinen Füßen segnen; redet er über globale Herausforderungen, formen seine Hände eine Kugel in der Luft. Sieben Fernsehkameras und ein gutes Dutzend Fotografen sind da; bewegt sich der Münchner Erzbischof, zucken die Blitze.
Selten hat das Buch eines Kirchenmannes in Deutschland eine solche Aufmerksamkeit gefunden: Marx - Das Kapital, wenn auch von Reinhard, nicht von Karl. Veröffentlicht vom publikumswirksamsten Bischof im deutschen Episkopat im Strudel einer Finanzkrise, in der wie seit 40 Jahren nicht mehr über den Kapitalismus diskutiert wird.
Die 15000 Exemplare Startauflage, mit denen der christliche Pattloch-Verlag mangels hellseherischer Fähigkeiten ins Rennen geht, sind schon so gut wie weg.
Mag Anselm Grün, der Finanzchef des Benediktinerklosters Münsterschwarzach, viel Geld verspekuliert haben, mag die unglückliche evangelische Landeskirche von Oldenburg ihr Geld bei Lehman Brothers in den USA sicher gewähnt haben - insgesamt sind die Kirchen Gewinnerinnen der Krise, geistlich, intellektuell und politisch jedenfalls.
Nun gelten Christen als Ratgeber in der Not
Als vor zwei Jahren der Verlag an Marx, den ehemaligen Professor für Sozialethik, herantrat, habe er gezögert, erzählt er. Sollte er sich derart exponieren als Bischof, damals noch von Trier? Zu dieser Zeit sahen sich die Kirchen in der Defensive mit ihrer Skepsis gegenüber allzu windiger Spekulation, ihren Einsprüchen gegen die Heiligung des Kapitals, ihrer Kritik am Sozialabbau.
Damals veröffentlichte die katholische Bischofskonferenz die Schrift "das Soziale neu denken", in der Kritiker eine indirekte Zustimmung zu Bundeskanzler Gerhard Schröders "Agenda 2010" sahen; Marx gehörte zu den Initiatoren (und bestritt engagiert die Agenda-Nähe). Nun aber gelten die Christen mit ihrer über die Jahrhunderte gewachsenen Soziallehre als Ratgeber in der Not.
Karl Marx ist "ein großer Gegner"
Das Buch des Erzbischofs beginnt mit einem Brief an seinen Namensvetter; schon zu seiner Studentenzeit in den siebziger Jahren in Paris sei er immer wieder auf seinen Namen angesprochen worden, sagt er. Damals musste er erklären, warum ihn weniger mit dem Vater alles Revolutionären verbindet, als die Kommilitonen glaubten. Heute nennt er Karl Marx einen "großen Gegner", auf den er doch große Stücke hält: "Ich schreibe Ihnen, weil mir in letzter Zeit die Frage keine Ruhe lässt, ob es nicht doch zu früh war, endgültig den Stab über Sie und Ihre ökonomischen Theorien zu brechen", heißt es.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, was Reinhard Marx über Managergehälter denkt und ob er Karl Marx für einen "anonymen Christen" hält.
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und ersatzdrogen obendrauf
Natürlich ein klarer Fall von Plagiat. Zudem noch unter falscher Flagge, denn der Bischof will die Wucherer nicht aus dem Tempel jagen sondern möchte ihnen nur mehr Ablaßbriefe verkaufen. Dennoch, freuen wir uns über jeden, der merkt, das in dieser Gesellschaft etwas nicht stimmt. Man kann Marx heissen, "Das Kapital" als Kanzelabkündigung bemühen, es fehlt einfach das "Manifest".
Endlich mal ein Kirchenmann, der das Diesseitige dem Jenseitigen vorzieht und mit den Kapitalisten Tacheles redet.
Wenn ich jetzt CDU- oder FDP-Mitglied wäre, bekäme ich ein schlechtes Gewissen und ginge beichten...
Der gute Christ sollte vielleicht erst einmal den eigenen Augiasstall ausmisten, bevor er anderen unqualifizierte Ratschläge erteilt, oder sich als Anwalt des "kleinen Schäfchens" gerieren will. Wem die katholische Sozialleere in deren Kinderheimen noch bis in die 60er Jahre in den Leib geprügelt wurde, der wartet auch heute noch auf eine Entschuldigung.
Wiederholung wegen Korrektur:
"Theorie, dass die, die in guten Zeiten Gott (Synonym für Hohes) vergessen, in schlechten Zeiten unter seinem Mantel Zuflucht suchen
Demnach kann die kathol. Kirche ruhig zuwarten. Sie werden mehr oder weniger alle weich werden - einige Ausnahmen dann halt eben nicht. Das Schicksal zwingt sie alle - mehr oder weniger. Dann gibt es eben wieder einen Großteil von Vernünftigen im Land. Dann kann es wieder aufwärts gehen. Bis dann wieder alles so weit treibt wie nach 1980 bis 2008. Dann geht eben alles wieder runter. Die Welt als Achterbahn, aber nur weil der Mensch in gewissen Zeiten egozentrisch wird und für sich allein steuert, regelrecht verwildert, gemein wird, sadistisch. Viele Prozesse werden aus dieser Gesinnung heraus geführt. Der hässliche Deutsche: er hat heute schon wieder seine Fratze auf und führt Prozesse, dabei sich stützend, verlassen-könnend auf willige Richterschaften. Der hässliche Deutsche - er glaubt sich sicher und ohne Kontrolle, er glaubt sich unbeobachtet, er glaubt, dass sein schlimmes Tun keine schlimmen Folgen zeitigt. Da hat er sich geirrt und irrt laufend weiter. Er schiebt zu Unrecht Gelder ein, die anderen, die ehrlich, fehlen. Er raubt, räubert, übervorteilt, betrügt, hintergeht, frisst und prasst - und er denkt, das hat keine Auswirkungen für später. Nein - eine ganze Gesellschaft stürzt wegen dieses Massenverhaltens tief in den Abgrund. Es sieht danach aus. Es wird so kommen. Denn wo sind die, die warnen? Der Kardinal warnt. Er geht voran. Zu wenige. Aber vielleicht werden es mehr."
richard kendel-koeppl 8 1 54 5 Mü.
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