Die Osterfeierlichkeiten haben in Rom ungewöhnlich begonnen: Johannes Paul II. nimmt nur virtuell teil, Kardinal Ratzinger verpackt Selbstkritik in Gebetsform und ein Tübinger Theologe nennt das Pontifikat des Kirchenoberhauptes "verheerend".
Zur Enttäuschung tausender Pilger und Touristen haben die Osterfeierlichkeiten in Rom ohne den kranken Johannes Paul II. begonnen. Es ist das erste Mal in seinen 26 Amtsjahren, dass Johannes Paul II. die religiösen Feiern der Karwoche nicht leitet.
Kardinäle in St. Peter (© Foto: dpa)
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Beim Kreuzweg am Kolosseum sollte das 84-jährige Kirchenoberhaupt am Freitagabend lediglich per Video aus dem Vatikan zugeschaltet werden. Insgesamt hat der Papst sechs Kardinäle ausgewählt, die in seinem Auftrag den Osterfeiern vorsitzen.
Durch die Aufgabenverteilung auf mehrere Schultern solle vor allem der Eindruck vermieden werden, es gäbe bereits so etwas wie einen "Ersatzpapst", hieß es in Rom.
Am Ostersonntag will der Papst vom Fenster seines Arbeitszimmers aus den Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis) erteilen. Ob er in der Lage sein wird, die kurze Segensformel selbst zu sprechen oder nur mit der Hand segnet, war weiterhin unklar.
Am Gründonnerstag hatte Kurienkardinal Giovanni Battista Re im päpstlichen Auftrag eine erste Messe im Petersdom gefeiert. "Von meiner Wohnung aus und durch das Fernsehen bin ich geistig bei euch", versicherte Johannes Paul II. in einer Botschaft, die vor den Gläubigen verlesen wurde.
Ratzinger spricht von einem "Gott, der historisch handelte"
Die Ostermesse am Sonntag wird Kardinal-Staatssekretär Angelo Sodano leiten. Die Meditationen zum Karfreitag-Kreuzweg in Rom schrieb der deutsche Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger.
Dabei übte er auch scharfe Kritik am zaghaften Glauben und an der Kirche selbst: "Das verschmutzte Gewand und Gesicht Deiner Kirche erschüttert uns", heißt es in einem der 14 Gebete.
In einem vorab veröffentlichten Beitrag für den RBB-Hörfunk verwahrte sich Ratzinger gegen alle Umdeutungen des christlichen Osterglaubens. Das Ostergeschehen mit der Auferstehung von Jesus sei nichts bloß Symbolisches, sondern bezeuge einen Gott, der historisch handelte. Der Osterglaube sei kein oberflächlicher Wunderglaube.
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