Johannes Paul II. setzte in Israel Maßstäbe für den Dialog. Das ist eine Bürde für seinen Nachfolger. Die Schwierigkeit des Dialogs zeigen ein ängstlicher Papst und enttäuschte Juden.
Es gab einen Papst, der in Israel die richtigen Worte fand. An der Klagemauer zum Beispiel, wo er jenen Zettel in eine Ritze steckte, auf dem er von der Verantwortung seiner Kirche für die Gewalt sprach, die Juden im Namen des Christentums erleiden mussten. 20 Jahre lang hatte er auf seine Pilgerreise gewartet, und als es im Jahr 2000 so weit war, war dies für den kranken Pontifex einer der berührendsten Momente seines Lebens.
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(© Foto: dpa)
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Karol Wojtylas Jugendfreundin war Jüdin, er spielte mal in einer jüdischen Fußballmannschaft im Tor, als Pole war auch er Überlebender des nationalsozialistischen Krieges. Wie kein Papst vor ihm hat Johannes Paul II. die Aussöhnung der katholischen Kirche mit den Juden vorangetrieben, auch dann, wenn es theologisch und politisch riskant wurde. Er hat die Maßstäbe für den Dialog gesetzt.
Das ist eine Bürde für seinen Nachfolger, Papst Benedikt XVI. - für Joseph Ratzinger, den Deutschen, den die Hitlerjugend zwangsrekrutierte, dem das Judentum im Studium begegnete (und das ihn faszinierte). Er hat auf seiner Pilgerreise mit den richtigen Worten der Opfer der Schoah gedacht und den Judenhass verurteilt. Und hat doch nicht die richtigen Worte gefunden; abgewogen formuliert kamen sie, aber bemüht, emotionsarm, ohne Risiko.
Der Papst hätte über seine deutsche Herkunft reden können, über zwei eng verbundene Religionen mit furchtbarer gemeinsamer Geschichte, über die Verantwortung der katholischen Kirche dafür, dass diese Geschichte nicht vergessen wird. Er hat aber geredet, als wirkte noch das Trauma der Affäre um den Traditionalisten-Bischof und Holocaust-Leugner Williamson: bloß keinen Fehler machen. Den hat er nicht gemacht. Aber er hat auch die Chance verpasst, Außergewöhnliches zu sagen.
Andererseits ist die Kritik, die Papst Benedikt XVI. nun von jüdischen Vertretern in Israel und Deutschland entgegenschlägt, nicht gerecht. Sollte Joseph Ratzinger tatsächlich erklären, unter welchen Umständen er zum Hitlerjungen gemacht wurde? Das wäre eher als Verharmlosung aufgefasst worden. Oder hätte der Papst noch einmal seinen Entschuldigungs-Brief zur den Pannen rund um die Aufwertung der Piusbrüder vortragen sollen - in Jad Vaschem der Gedenkstätte für sechs Millionen ermordete Menschen? Das verbietet sich von selber.
Ein Papst, dem der letzte Mut fehlt, eine jüdische Gemeinschaft, die enttäuscht ist, das beschreibt recht realistisch den gegenwärtigen Zustand des schwierigen jüdisch-christlichen Miteinanders und Nebeneinanders. Alles schwingt mit, wenn ein Papst nach Israel fährt: die Leidensgeschichte der Juden, die Gründung des Staates Israel, den der Vatikan so lange nicht anerkannte, die Geschichte der christlichen Palästinenser, all die historischen Verletzungen, die jederzeit aufbrechen können. Ein Staatsoberhaupt könnte in Israel reden, wie Papst Benedikt geredet hat - er träfe auf Wohlwollen. Von einem Papst erwartet man mehr, vielleicht zu viel, wenn dieser Papst nicht gerade Johannes Paul II. heißt und ein Visionär des interreligiösen Gesprächs ist.
Das aber ist Papst Benedikt nicht. Im Gegenteil setzt er, setzt der Vatikan, auf die stärkere Abgrenzung seiner Kirche gegenüber den anderen Religionen. Ein Beispiel ist die Erklärung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, die einen Abschied von der Judenmission fordert, aus historischen Gründen. Diese Erklärung trifft bei den deutschen Bischöfen, mehr aber noch im Vatikan, auf heftige Kritik. Sie ist verbesserungsbedürftig, aber was wäre das für ein Zeichen, wenn ein Papst sagte:
Die katholische Kirche hofft darauf, dass am Ende der Zeiten alle Menschen Christus als Erlöser erkennen - aber sie missioniert nicht mehr Juden, weil eine gewalttätige Judenmission hunderttausendfach den Erlöser verraten hat? Das wäre eine Botschaft aus Jad Vaschem. Doch Benedikts Botschaft ist das nicht; seine ist die des sicheren Weges. Nicht weniger, nicht mehr.
Zoff im Bundesgerichtshof: Eine Personalie führt zu heftigen Verwerfungen – die Akte Karlsruhe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 13.5.2009/vw)
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Ganz so einfach mit Israel ist es im nahen Osten nicht. Der Staat Israel wurde nach dem II. Weltkrieg gegründet, um den Juden aller Welt Heimat zu bieten. Völlig aussen vor gelassen wurde dabei, daß das Staatsgebiet, daß der neugegründete Staat Israel plötzlich beanspruchte, nicht menschenleer und verlassen sondern besiedelt war.
Die Begründung der Juden ihren Staat just auf diesem Gebiet zu errichten ist etwas kurios und könnte mit Hardcore-Religions-Fundamentalismus beschrieben werden. Der Anspruch "Wir sind Gottes auserwähltes Volk, Gott hat uns dieses Land gegeben, deswegen sind wir wieder hier und beanspruchen das von Gott gegebene Recht" läßt selbst islamische Fundamentalisten plötzlich tolerant erscheinen.
Dass man als Jude nicht davon begeistert ist, dass die Christen an Ostern für die Erleuchtung beten und ihn zum Christentum bekehren wollen, kann ich mehr als verstehen. Wollen wir mal nicht vergessen, dass wir auch von islamischen Bekehrungsversuchen nun nicht gerade begeistert sind.
Dass Israel ein jüdischer Staat ist, ist kein Geheimnis, er versteht sich auch so. Dass es Probleme mit den Palästinensern gibt ist ebenso kein Geheimnis. Aber seien wir ehrlich. Wenn alle ¨sich normal verhalten würden würden sie miteinander reden. Dass die Palästinenser heute eingesperrt sind haben sie ihren radikalen Glaubensbrüdern zu verdanken. Hier reissen einige Kommentatoren das Maul weit auf. Wenn aber ein Selbtmordattentäter in ihre Strassenbahn einsteigen würde, wären sie auch nicht begeistert. Und käme der noch aus dem Ausland, dann wäre es völlig vorbei. Also seinen wir doch mal ehrlich. Der Staat Israel hat das Recht auf Selbstverteidigung.
Gäbe es auf beiden Seiten nur vernünftige Menschen, dann gäbe es das Problem nicht. Dass aber nun Palästinenser und Christen am gleichen Strang gegen die Juden ziehen sollen, halte ich schlicht weg für pervers. Da hat man Isalmisten, die man in Afganistan bekämpft und mit den gleichen verbrüdert man sich in den Palästinensergebieten. Leute überlegt euch, was für einen Unsinn ihr da verbreitet.
Den Christen hier muss am sagen: Schaut in die Bibel und das Neue Testament. Da steht liebet eure Feinde. Also wenn wir die Feinde lieben sollen, was sollen wir mit den jüdischen Brüdern und Schwestern machen. Nicht alles was im Neuen Testament steht kann man für einen Artikel der Süddeutschen Zeitung nehmen. Die Evangelien wurden viele Jahre nach Jesus Tod geschrieben. Und manche Geschichte wurde eingewoben. Mancher mag ja an den Kindermord glauben, aber leider ist das aus einem Epos des Raumes. Auch die Heilígen Drei Könige gab es halt historisch nicht. Wie es mit dem Tode Jesus zuging ist ja noch unklarer. Aber wer lesen kann: Es waren die Römer, die Jesus kreuzigten. Kein Jude!! Jesus war selbst Jude!!! Ausserdem war es ja vorbestimmt ( so steht es im Neuen Testament). Wäre es nicht so gekommen, dann würde ja der Glaubenssatz, dass er die Sünden auf sich genommen hat und gelitten hat nicht stimmen. Also mal logisch nachdenken und sich mit den Dingen beschäftigen und nicht dumm gegen andere Glaubensgemeinschaften wettern. Ich habe einige Semester als Katholik katholische Theologie studiert. Intoleranz ist kein christliches Ziel
Sie haben treffend aufgezählt, was Benedikt alles hätte sagen können. Er hätte ja auch sagen können, dass die deutschen Laien-Katholiken künftig mehr Gehör bei ihm und seinen deutschen Bischöfen finden würden.
Doch: Warum hätte er das alles sagen sollen. Schließlich will er das ja alles nicht. Er will, dass die Kirche in der Vergangenheit zu Hause bleibt und dass der Katholizismus die allein selig machende Religion ist. Der Mann ist nicht vorschtig, wie Dobrinski kommentiert, sondern einer, der 500 Jahre zu spät lebt.
Auch ich schließe mich Ihrer Meinung an und verweise auf meinen gestrigen Kommentar zu einem Papstartikel in der SZ.
Es ist schon beschämend, wieviel antisemitisches Gedankengut in diesem Foren herumschwirrt.
Es mag vielleicht schwierig sein zwischen teils berechtigter Kritik an der Politik des Staates Israel und antisemitischen Tiraden zu unterscheiden, aber der Unterschied sollte zu jeder Zeit ganz eindeutig gemacht werden.
Ich freue mich Sie zu lesen und schließe mich Ihrer Fassungslosigkeit an. Nicht erst seit heute erschüttert mich der Hass, der aus diesen mal mehr, mal weniger verbrämten antisemitischen Äußerungen spricht.
Paging