Benedikt XVI. lässt einen Holocaust-Leugner wieder Bischof werden - ein beschämendes Signal. Der Papst sabotiert den christlich-jüdischen Dialog.
Vor genau 50 Jahren ging ein Ruck durch die katholische Kirche: Johannes XXIII. kündigte ein Konzil an. Es sollte als Zweites Vatikanisches Konzil Geschichte machen.
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Papst Benedikt XVI. bestätigt diejenigen, die sein Pontifikat hart kritisieren. (© Foto: dpa)
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Papst und Kirche öffneten ihre Tore zur modernen Welt. Sie bekannten sich zur Religionsfreiheit und zum Gespräch mit anderen Glaubensgemeinschaften und Religionen. Die Priester wandten sich bei der Messe dem Volk zu und redeten, statt auf Lateinisch, in dessen Sprachen. Sehr viele Katholiken fühlen sich heute in ihrer Kirche heimisch, weil diese vom offenen Geist und weiten Herzen des Konzils geprägt ist.
Nun fährt wieder ein Ruck durch die Kirche, doch es ist ein Ruck zurück. Benedikt XVI., einst reformfreudiger Konzils-Theologe, geht weit auf die Anhänger des verstorbenen Kirchenspalters Marcel Lefebvre zu. Er tut dies, obwohl die Lefebvristen den Geist des Konzils verneinen und die Kirchengeschichte um hundert Jahre zurückspulen wollen.
Benedikt hebt dennoch die Ex-Kommunikation von vier erztraditionalistischen Bischöfen auf und sichert ihnen "väterliche Barmherzigkeit" zu. Einer der heimkehrenden Hirten verharmlost seit Jahren den Holocaust und leugnet die Gaskammern, zuletzt bei einem Besuch in Bayern vor wenigen Wochen. Gegen ihn ermittelt inzwischen die Justiz. Aber das schert den Heiligen Stuhl nicht.
Die Aussöhnung des Papstes mit einem widerwärtigen Antisemiten ist bestürzend. Benedikt beruft sich darauf, die Tiraden des Bischofs hätten nichts mit dessen Kirchenausschluss vor mehr als 20 Jahren zu tun. Dabei verkennt der Papst, dass das Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken nicht im luftleeren Raum der Dogmen und des Kirchenrechts operiert. Mit der Rehabilitierung des Bischofs sabotiert Benedikt XVI. vielmehr den christlich-jüdischen Dialog und bestätigt diejenigen, die sein Pontifikat zum Teil hart kritisieren.
Doch auch ohne den Holocaust-Leugner wäre die Versöhnung mit den Lefebvristen ein falscher Schritt. Gewiss muss dem Papst an der Einheit der Kirche gelegen sein. Doch was Benedikt XVI. am rechten Rand zurückgewinnt, könnte er in der Mitte verlieren. Viele Katholiken sehen es als Aufgabe ihrer Kirche, sich mit Andersgläubigen für eine menschenwürdige Welt einzusetzen. Sie wünschen, dass ihr Pontifex Brücken baut, etwa zu den reformierten Kirchen und zum Judentum. Doch hierbei lässt Benedikt oft den Großmut vermissen, mit dem er nun Reaktionäre umarmt.
Die Päpste seit Johannes XXIII. haben viel getan, ihrer Kirche Härte und Hochmut auszutreiben und sie mit der Moderne zu versöhnen. Johannes Paul II., einem konservativen Mann, war besonders an der Versöhnung mit dem Judentum und am Gespräch der Religionen gelegen. Seine Friedensgebete in Assisi belegen dies ebenso wie sein Auftritt an der Klagemauer in Jerusalem. Nun wirkt es, als wollte Benedikt XVI. diesen Kurs korrigieren. Sein Zugehen auf die Erztraditionalisten ist ein Sündenfall.
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(SZ vom 26.01.2009/cag)
ACHTUNG: Williamsson ist zwar wieder zu den Sakramenten zugelassen - denn die Exkommunikation wurde unter der Vorbedingung der unbedingten Anerkenntnis des Beschlüsse aller Konzilien ausgesetzt.
Williamsson ist aber von allen Ämtern in der Kirche suspendiert! Er kann keinerlei Akte oder sonstige Dinge ausführen, die einem katholischen Bischof vorbehalten sind!
Warum soll der Papst einen Sündenfall begangen haben?
Wenn er die Piusbruderschaft aus der Exkomunikation befreit, ist das ein innerkirchliches Anliegen, über das gestritten werden darf, aber eben auch nur innerkirchlich.
Dass einer dieser Bischöfe denHolokaust leugnet, ist dumm und spricht nicht unbedingt von Geistesstärke. Rein formal hat das eine mit dem anderen aber nichts zu tun.
Ob der "angeklagte Bischof" schon immer sol ein Gedankengut mit sich getragen hatte, ist nicht bekannt. Folglich darf der Papst (auch als Deutscher Papst) die beiden Realitäten nicht vermischen.
Ganz anders beurteile ich die Aufregung in deutschen Medien über den Papst. Wieso werden gerade von diesen Medien Zusammenhänge konstruiert? Etwa, weil der Papst al Jugendlicher bei den Flackhelfern war? Etwa, weil dieser deutscher Papst eher konservativ eingeschätzt wird?
Unsere Medien und die Öffentlichkeit darf und muss sich über die dumme Äußerung eines Bischofs aufregen. Alles andere sind Unterstellungen und Polemiken, die niemanden nutzen.
Was waren das noch für Zeiten , als jeder seinem Gott huldigen durfte, weil es davon an jeder Ecke einen gab. Als die Götter noch irren durften, den Sünden des Fleisches (Bacchus, Zeus, Venus, ) genausowenig abgeneigt wie wir auf Erden waren , die wir alle in den Hades müssen.Da hat sich niemand aufgeregt über den Gott des anderen, da hat auch niemand gesagt, "meiner ist aber besser als Deiner", um sich dann die Köpfe einzuschlagen.Bis dann der Saulus zum Paulus wurde, den Konkurrenten Jesus "verfälschte", um seinen eigenen Blödsinn unter die Leute zu bringen. Seitdem herrscht Knatsch ,von ganz "Schlauen" im Laufe der Gezeiten erst erkannt, wie man mächtig und in Saus und Braus davon leben kann ! Dafür stehen die Päpste ( selbst vom klerikalen Schwindel unberührt ,wenn mit Mord und Totschlag, Lüge und Betrug, der wahre Glaube (Terror der Inquisition über Jahrhunderte) v e r t e i d i g t wurde.Und im 21. Jahrh. sind wir nur "Trippelschritte" ( mit roten Pantöffelchen) weitergekommen ? ? ?
Als Ex-Katholik finde ich, dass diese Entscheidung des Papstes überinterpretiert wird. Mir ist nicht bekannt, dass das Leugnen zeitgeschichtlicher Ereignisse bzw. Tatbestände einen Hinderungsgrund für die Aufhebung eines Verbots, an bestimmten Riten dieser Religionsgemeinschaft teilzunehmen, darstellen. Ich kann kein Politikum in dieser päpstlichen Entscheidung erkennen. Wenn der Papst den tendentiell rechtsextremem Lefevristen wieder eine Lehrerlaubnis erteilen würde oder Holocaust-Leugnung in irgendeiner Form kirchenrechtlich legitimieren würde, wäre dies eine politisch zu verurteilende Entscheidung.
Man kann Richard Williamson ziemlich ausgiebig bei YouTube reden hören.
Am interessantesten ist allerdings, was er zum Syllabus Errorum zu sagen hat.
Sagen wir es mal so... auf der einen Seite sehr aufgeschlossen, was in Fragestellung quasi staatlicher Berichterstattung angeht, auf der anderen sehr von den Rechten und der Mission der katholischen Kirche überzeugt, z.B. Anspruch auf eigene Exekutive einschließlich der Unterbindung jeglicher anderer Religionsausübung außer Katholizismus, m.a.W. Befürworter moderner Inquisition.
Paging