Von Thorsten Denkler, Berlin

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Kurt Beck will moralischer Sieger der Führungskrise seiner Partei sein. Sein Credo: Wenn er Fehler im Umgang mit den Wölfen gemacht habe, würde er sie wieder tun.

Er hat sich den für ihn sichersten Ort der Hauptstadt ausgesucht, um sein Buch vorzustellen. Die Landesvertretung des Landes Rheinland-Pfalz. Hier steht Kurt Beck formell gesehen auf pfälzischer Heimaterde. In diesem Haus läuft das politische Leben nach seinen Spielregeln. Und das ist schon eine ganze Menge für einen Mann, der vom Amt des SPD-Vorsitzenden zurücktrat, weil er mit den Spielregeln in Berlin nicht klargekommen ist.

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"Ich habe respektvolle Empfindungen gegenüber Franz Müntefering": Kurt Beck während der Vorstellung seiner Autobiographie. (© Foto: dpa)

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Ursprünglich war die Vorstellung seines Buches "Kurt Beck. Ein Sozialdemokrat" erst für den Freitag angesetzt. In der SPD-Zentrale. Als Laudator sollte Altkanzler Gerhard Schröder im Willy-Brandt-Haus sprechen.

Auf Becks Wunsch

Doch die Lage hat sich verändert. Am Sonntag, bevor das Buch in Druck gehen sollte, trat Beck am Schwielowsee zurück. Darum, sagt Beck, sei jetzt eine gewisse Distanz nötig zwischen "den Handelnden und denen, die das Buch vorstellen", sagt Beck. Darum die Landesvertretung, die die größtmögliche Distanz zwischen ihm und dem politischen Berlin schafft.

Dass Schröder nicht mehr der Laudator sein sollte, könnte aber auch damit zu tun haben, dass Beck Schröder Teilnahme an dem "intriganten Verhalten" gegen ihn vorwerfe. Schröder hat dazu gesagt, das sei "alles Quatsch". Beck sieht das hier und heute genauso. Nicht mal seinen Nachfolger im Parteivorsitz Franz Müntefering will er mehr verdächtigen, an seinem Ast gesägt zu haben. Es deute nichts auf einen Putsch hin, sagt Beck. Es gebe nichts zwischen ihm und Müntefering, was unüberbrückbar wäre. "Ich habe respektvolle Empfindungen gegenüber Franz Müntefering." Ein ungläubiges Raunen wabert durch den Saal.

Beck hat Platz genommen in einem tiefen, schwarzen Ledersessel, die Beine übereinandergeschlagen, seine Ellbogen ruhen in Schulterhöhe auf den Armlehnen, die Hände liegen aufeinander. Der Fernsehjournalist Heiner Bremer wird ihn zu seinem Buch befragen. Auf Becks Wunsch.

Beck macht vielleicht auch deshalb nicht den Eindruck, als könne ihn an diesem Vormittag noch irgendetwas überraschen.

Im Grunde ist zu seinem Rücktritt ja auch von allen alles gesagt. Die entscheidenden Passagen aus seinem Buch sind in der Bild-Zeitung vorabgedruckt worden. Seine Einschätzung der Lage hat er in einem Interview im aktuellen Stern verkündet.

Das Buch beschreibt Becks Sicht der Dinge. "Kurt Beck. Ein Sozialdemokrat" hat der Verlag das Buch genannt. Beck hätte einen anderen Titel gewählt, schreibt er in der Einleitung: "Ein Sozialdemokrat, wie es viele gibt." Der Titel hätte "mir eher entsprochen".

Die Essenz des Vormittages lässt sich schnell zusammenfassen. Kurt Beck hat Fehler gemacht, vor allem den, vor der Wahl in Hamburg die Öffnung der SPD zur Linkspartei auf Landesebene unwillentlich publik gemacht zu haben. Das habe ihm jede Chance auf die Kanzlerkandidatur genommen. Ansonsten aber sei er nun mal er selbst. Manches könne man als Fehler betrachten, aber er würde es so wieder tun. Einsicht sieht anders aus.

Da steht etwa der Vorwurf im Raum, Beck habe die Parteispitze und das Willy-Brandt-Haus nicht nach seinen Vorstellungen umgebaut. Beck sagt dazu, das mag falsch gewesen sein, "aber das ist nicht meine Art."

Oder dass er die Spindoktoren, die Einflüsterer, in Berlin unterschätzt hat. Auch das, räumt er offen ein, mag richtig sein. Doch eigene Spindoktoren zu installieren, würde er auch nach den Erfahrungen der vergangenen Monate nicht machen. Weil er nicht wolle, "dass über andere negativ gespint wird. Dabei bleibe ich auch. Dann muss man halt hinnehmen, dass es nicht geht."

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