Atommülllager Asse II Strahlende Hypothek

Das niedersächsische Atomendlager Asse war lediglich als Forschungsanlage geplant - doch was vom dortigen Geschehen nun ans Licht kommt, verstärkt bohrende Fragen.

Von Ein Kommentar von Wolfgang Roth

Das niedersächsische Endlager Asse sollte nur schwach- und mittelradioaktiven Atommüll einschließen. Es war lediglich als Forschungsanlage geplant und sollte "nur" Erfahrungswerte dafür liefern, ob der viel gefährlichere, hochradioaktive Abfall der Kernkraftwerke einmal im Salzstock von Gorleben sicher verwahrt werden kann.

Aus dieser Einschränkung erwächst aber, seit radioaktive Flüssigkeit außer Kontrolle geraten ist, ein veritables Problem. Das Problem haben die Landesregierung und die jetzt unter dem Namen "Helmholtz Zentrum München" firmierende Betreiberin, aber auch alle, die einem Endlager in Gorleben jetzt schon die Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen.

Wenig Freude wird ferner beim Bundesamt für Strahlenschutz aufkommen, das mit dem ruinösen DDR-Lager Morsleben bereits eine schwere Hypothek übernommen hat.

Wenn es stimmt, dass über das bis 1978 eingelagerte Material keine vollständige Dokumentation existiert, stellt das einer Forschungseinrichtung - milde gesagt - ein schlechtes Zeugnis aus. Wenn es aber stimmt, dass entgegen der Vorgabe auch hochradioaktive Abfälle unter Tage gebracht wurden, dann spricht das für bewusste oder unbewusste Schlamperei mit Risiko-Stoffen. Die Behauptung, dass nirgendwo in der Welt sorgfältiger mit dieser Technik umgegangen werde, passt schlecht dazu.

Ein Endlager in Gorleben mag andere Voraussetzungen haben. Trotzdem verstärkt das Geschehen in der Asse die bohrenden Fragen, ob ein Salzstock wirklich die bestmögliche Lösung in Deutschland ist. Eine Bundesregierung, die nicht als voreingenommen gelten will, darf den gewissenhaften Vergleich mit anderen Standorten nicht scheuen.

Kein Ende in Sicht

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