Atommülllager Asse II Brennstäbe in Blechdosen

Die Grünen befürchten hochradioaktiven Müll im niedersächsischen Atomlager Asse. Die Nutzung des Schachts zur Forschung sei nur Deckmantel dafür gewesen, "radioaktive Abfälle billig zu entsorgen".

Von Ralf Wiegand

Welche Gefahren birgt das sogenannte Forschungsatommülllager Asse II? Nach Informationen der niedersächsischen Grünen sind in dem Salzstock im Landkreis Wolfenbüttel zwischen 1967 und 1978 nicht nur schwach- und mittelradioaktive Stoffe versenkt worden, sondern auch Kernbrennstoffe. Mindestens in einem Fall fand Stefan Wenzel, Fraktionschef der Grünen, bei Durchsicht der alten Akten und Lieferscheine zur Asse den wenig Vertrauen erweckenden Terminus "Brennstäbe in Blechdosen".

Demnach ist 1976 wenigstens ein Fass Atommüll angeliefert worden, das allein 127 Gramm Uran-235 enthielt - fast dreimal so viel, wie die Betriebsvorschriften für das Atomlager erlaubten. Wenzel zieht daraus den Schluss, dass die Nutzung des Schachts zu Forschungszwecken nur ein Deckmantel dafür war, "radioaktive Abfälle billig zu entsorgen". Wenzel forderte die SPD auf, ihren Widerstand gegen die Einrichtung eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses aufzugeben. Bisher hatte der sozialdemokratische Fraktionschef Wolfgang Jüttner dazu keinen Anlass gesehen.

Der Schacht Asse II des ehemaligen Salzbergwerks steht in der Kritik von Umweltschützern und Politikern, seitdem bekannt geworden ist, dass in rund 700 Metern Tiefe Salzlauge radioaktiv verseucht ist. In der vom Münchner Helmholtz-Zentrum betriebenen Atom-Halde in Niedersachsen sind von April 1967 an bis 1978 angeblich nur schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Fässern eingelagert worden.

Forscher sollten durch Asse II die Möglichkeit an die Hand bekommen, zu überprüfen, ob Salzstöcke sich generell als Endlager für Atommüll eignen oder nicht. Auch beim geplanten Endlager Gorleben handelt es sich um einen Salzstock.

Laut einem sechs Jahre alten Bericht der Gesellschaft für Strahlenforschung, dem heutigen Helmholtz-Zentrum, liegen in der Asse exakt 124 494 solcher Gebinde mit schwach radioaktivem Material und 1293 Fässer mit mittelradioaktiven Stoffen, aber kein hochradioaktiver Müll.

"Absolut unüblich"

Die später erfolgte Umklassifizierung in wärmeentwickelnde Stoffe und solche, bei denen die Wärmeentwicklung zu vernachlässigen ist, hätten die Betreiber nie nachvollzogen, so Wenzel, der Indizien für die Einlagerung solch wärmeentwickelnden, stark strahlenden Atommülls gefunden haben will. Um zu prüfen, wie viel kritisches Material tatsächlich ohne Genehmigung in den Schacht gewandert ist, verlangen die Grünen die Bergung mehrerer Dutzend Fässer durch Roboter. Sie sollen in Speziallabors überprüft werden.

Als weiteres Indiz dafür, dass Asse II als illegales Atommüllendlager genutzt worden sein könnte, wertet die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Gabriele Heinen-Kljacic, fehlende Forschungsarbeiten.

Demnach seien weder die Betreiber noch das zuständige Bundesforschungsministerium in der Lage, eine Liste der in dem früheren Salzbergwerk betriebenen Forschungsarbeiten oder Ergebnisse vorzulegen - obwohl es sich bei der Asse um eine Forschungseinrichtung des Bundes handele. "Das ist in der Forschung, allemal in der Forschung mit Risikomaterial, absolut unüblich", sagte Heinen-Klijacic und stellte in Frage, ob in der Asse überhaupt je geforscht wurde.

Kein Ende in Sicht

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