Es ist die Geschicklichkeit der Redenschreiber, die Josef Braml, Amerika-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, an der Rede Obamas am meisten beeindruckt.
sueddeutsche.de: Herr Braml, wie hat die Rede von Senator Barack Obama auf Sie gewirkt?
Warnt vor übertriebenen Erwartungen an Barack Obama: Amerika-Experte Josef Braml. (© Foto: www.dgap.org)
Anzeige
Josef Braml: Mich hat die Geschicklichkeit seiner Redenschreiber beeindruckt. Sie hatten einen Drahtseilakt zu bewältigen. Sie durften einerseits nicht zu konkret werden, andererseits aber nicht zu unkonkret.
sueddeutsche.de: Warum durfte er nicht konkret werden?
Josef Braml: Weil Obama in den USA schon dem Vorwurf ausgesetzt war, anmaßend zu sein. Kritisiert wird etwa, dass sein Kampagnen-Logo dem offiziellen Siegel des Präsidenten ähnele. Er muss da sehr aufpassen. Außerdem ist es immer gut, in Wahlkampfzeiten nicht zu konkret zu werden. Da kann man vom politischen Gegner schnell in eine Ecke gedrängt werden.
sueddeutsche.de: Hat er das hinbekommen?
Braml: Ja. Er hat von Beginn an klargemacht, dass er lediglich als amerikanischer Bürger, ja als Bürger der Welt spreche.
sueddeutsche.de: Seine Ankündigung, die Europäer und die Weltgemeinschaft stärker in die Verantwortung nehmen zu wollen, klang schon sehr konkret.
Braml: Das waren insbesondere die Stellen, die sich auch direkt an das amerikanische Volk richteten.
sueddeutsche.de: Er meinte doch speziell die Europäer.
Braml: Man muss wissen, dass in den USA im Moment sehr stark darüber debattiert wird, wie viel Geld das Land noch in sein internationales Engagement investieren kann. Die Amerikaner fragen sich, ob man mit dem Geld nicht viel stärker wieder die innenpolitischen Probleme lösen soll. Das hat sehr viel zu tun mit der angespannten Wirtschaftslage in den USA.
sueddeutsche.de: Indem er seinen Leuten sagt, die Amerikaner werden in Zukunft die Karre nicht mehr immer alleine aus dem Dreck ziehen, verspricht er gleichzeitig, Kosten im Ausland zu senken. Ist das seine Strategie?
Braml: Ja, das ist die Logik. Die Kosten der Auslandseinsätze gehen in die Hunderte Milliarden US-Dollar. Das ist ein großes Wahlkampfthema in den USA. Vor allem bei der demokratischen Klientel kommt es gut an, wenn er die transatlantischen Partner einbinden will, um Kosten zu teilen, um damit auch mehr Geld für Sozial- und Infrastrukturausgaben im eigenen Land auszugeben. Indem er gleichzeitig den Europäern echte Kooperation anbietet, kann er auch hierzulande punkten. So bekommt er Applaus von beiden Seiten. Das hat er sehr geschickt gemacht.
sueddeutsche.de: Und die andere Seite der Medaille?
Braml: Die Deutschen können sich darauf einstellen, dass der nächste Präsident - egal ob er nun Obama oder McCain heißen wird - konkretere Anforderungen an sie stellen wird. Er hat in seiner Rede die möglichen Arbeitsfelder schon benannt: Afghanistan, Irak und der Nahe Osten.
sueddeutsche.de: Bei seinem letzten Deutschlandbesuch vor wenigen Wochen hat US-Präsident George W. Bush jeden Kontakt zur Öffentlichkeit vermieden. Obama mobilisiert in kürzester Zeit 200.000 Menschen für eine halbstündige Rede. Der Beginn einer neuen deutsch-amerikanischen Freundschaft?
Braml: Ich warne vor zu überzogenen Erwartungen. Er ist noch nicht gewählt. Und um gewählt zu werden, muss er seine hoffnungsvolle Rhetorik abschwächen, um für die Mitte Amerikas wählbar zu bleiben. Er wird schon rein rhetorisch den einen oder anderen enttäuschen müssen.
sueddeutsche.de: Ist ja schon passiert.
Braml: Richtig. Die Kriegsgegner in Amerika gehörten zu den Ersten, weil Obama nicht länger den sofortigen Abzug der Truppen aus dem Irak fordert.
sueddeutsche.de: Aber als Präsident könnte er doch den Weltenretter spielen.
Braml: So einfach ist das nicht. Als Präsident steht ihm ein starker Kongress gegenüber, der ihm das Leben nicht einfach machen wird. Vor allem beim Heimatschutz und in der Handelspolitik werden protektionistische Tendenzen immer ausgeprägter. In diesen Politikfeldern haben die Abgeordneten und Senatoren ein gewichtiges Wort mitzureden. Es gibt den Kongress, institutionelle Schwerkräfte, die Barack Obama oder auch jeden anderen Präsidenten nicht über Wasser gehen lassen. Das werden wir noch sehr zu spüren bekommen.
sueddeutsche.de: Hat Obama mit seiner Rede jetzt die Favoritenrolle im Rennen um die Präsidentschaft übernommen?
Braml: Die hat er ohnehin. Aber der Ausgang der Wahlen wird entscheidend davon abhängen, wie sich die Sicherheitslage in den kommenden Monaten bis zum November darstellt. Im Moment ist die Lage relativ entspannt. Aus dem Irak kommen weniger tote Soldaten zurück in die Heimat. Wir haben einigermaßen stabile Verhältnisse in Iran, in Afghanistan und in Pakistan. Die Amerikaner treiben wirtschaftliche Probleme um. Da wird Obama mehr zugetraut, als seinem Konkurrenten McCain. Der hat den Fehler gemacht, einzugestehen, dass er von Wirtschaft herzlich wenig Ahnung habe.
sueddeutsche.de: Hat die Berlin-Rede von Obama nicht die Zweifel an seiner außenpolitischen Kompetenz ausgeräumt?
Braml: Er versucht seine fehlende Erfahrung zu kompensieren. Aber auch John McCain, dem die Amerikaner viel eher die Rolle als Oberbefehlshaber zutrauen, ist nicht davor gefeit, Fehler zu machen. So sprach er kürzlich von der "Tschechoslowakei", obwohl das inzwischen zwei Staaten sind. Politische Gegner werden ihm deshalb vorwerfen, dass er immer noch in Kategorien des Kalten Krieges denkt. Oder er ordnet Länder als Nachbarn des Irak ein, die erwiesenermaßen keinen Meter Außengrenze mit dem Irak teilen. Das könnte den einen oder anderen doch an die Lehrjahre des amtierenden Präsidenten erinnern.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Rede vor der Siegessäule Obama hat gesprochen 24.07.2008
- Obamas Rede im Wortlaut "Dies ist unser Moment" 24.07.2008
- Nach Obamas Rede in Berlin Er kann es 24.07.2008
- Obama in Berlin "Zeit, neue Brücken zu bauen" 24.07.2008
- Presseschau "Ich bin ein Obama" 25.07.2008
(sueddeutsche.de/kler/plin/sekr)
Protest gegen dritte Startbahn
"LaVictoria" schreibt in seinem Beitrag, der mir eigentlich klug zu sein scheint: "Dafür war die Rede brilliant." Wie unterschiedlich doch die Wahrnehmungen sind!
Mir erschien die Rede zusammengesetzt aus Versatzstücken vergangener Tage, aufdringlich und effekthascherisch.
Die Redenschreiber hatten allerdings eine unlösbare Aufgabe: sich an das deutsche Publikum und zugleich an bestimmte amerikanische Schichten zu wenden.
@woksoll:
Ich mag zwar Ihren fuer meinen Geschmack etwas schnodderigen Schreibstil nicht besonders - aber im Kern Ihrer Aussage kann ich Ihnen - leider - nur zustimmen. Sie haben faktisch Recht.
Die Folgen dessen sind aber auch fuer Deutschland nicht einfach eine Randnotiz. Die deutsche Volkswirtschaft muss an einem halbwegs gesunden Amerika interessiert sein, zu stark ist die Exportabhaengigkeit in die USA.
es ist wie im theater: der original-text des dramatikers liegt vor, das künstlerische talent des mimen erweist sich in der sprachlichen und darstellerischen interpretation desselben.
Der sogenannte Geostratege Brzezinski ist keine Gefahr für die Welt. Er wird die USA weiter herunterzeihen, wie er es bisher schon mit der damaligen Aufrüstung der Taliban zum Schaden der USA getan hat. Die andere Fraktion, die Neocons, haben den Niedergang der USA im Irak dann weiter beschleunigt. Die Staatsverschuldung ist auf Allzeithoch, dank der militärischen Hasardeure, denen weder in Afghanistan noch im Irak der Sieg gelang, trotz der Tatsache, dass die amerikanische Bevölkerung die Hälfte der Weltmilitärausgaben bestreiten müssen.
Der Dollar ist Junk, die Immobilienblase nach der Aktienblase geplatzt, die Infrastruktur marode, das Militär unfähig. Amerikanische Politiker ungluabwürdig und isoliert wie nie.
Obama träumt von internationalen Koalitionen mit den Loserstrategien von gestern wie Brzezinskis. Die wird es nie mehr geben. Party is over. Ein paar Jährchen noch, dann haben die Chiensen die USA auch öknomisch überholt, dann wird niemand mehr der verfehlten Energiepolitik der USA nachweinen, die auf Öl setzte und grenzenlose Verschwendung.
Falls Obama Präsident wird, wird er lernen, noch kleinere Brötchen zu backen. Die EU steht nicht hinter ihm, China braucht die USA gerade mal als Absatzmarkt und noch ein bisschen Stabilität, bis die ihre Dollarreserven in Sicherheit gebracht haben. Moskau ist die teuerste Stadt der Welt. Krachen lässt es Dubai udn die anderen Emirate, nicht mehr die USA.
Dann sind die 300 Millionen US-Amerikaner halt ein kleiner Teil von 7.500 Millionen Menschen auf diesem Planeten und die Siegesäule bekommt für Parties wer sie möchte und bezahlen kann, Loveparade, Christopher-Street-Day, die Fussball-National-Elf oder die Hollywood-Fraktion mit Obama. Who cares?
Brzezinskis mit Kalaschnikoff und Parka als Taliban-Supporter ist das Symbol des militärischen Verlierers und des Vernichters des amerikansichen Reiches. Der Nero der Moderne.
Ich bin der Meinung, dass derjenige, der einen Krieg anzettelt und gerade unter so fragwürdigen Behauptungen wie beim Irak, das Ganze selbst 'auslöffeln' soll.
Insbesondere, da die USA eine Berufsarmee hat!!
In Afghansistan haben die Russen und die USA die Grundlagen für die ganzen Auswüchse gelegt. Da sollen auch die beiden Großmächte sich nun drum kümmern, dass hier wieder Ruhe einkehrt.
M. E. kann niemand mit gutem Gewissen Wehrpflichtige aus unbeteiligten Ländern in solche Krisengebiete schicken.
Paging