Laut WHO und UNAIDS erhält nur ein Drittel der Patienten die für die antiretrovirale Therapie benötigten Medikamente. Dies deckt sich mit den Erfahrungen des regionalen Aidszentrums in Donezk.
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Laut Nikolai Graschdanow werden momentan 1560 Patienten mit ART behandelt. Der Chefarzt klagt: "Heute bräuchten 5000 Patienten die Medikamente." Für 2009 wurden Graschdanow 3200 Dosen zugesichert - doch das war vor der globalen Finanzkrise. Die Ukraine konnte nur durch einen Milliardenkredit des IWF vor dem Bankrott gerettet werden und so fürchten viele Gesundheitsexperten, dass die ukrainische Regierung dies als Vorwand nützen könnte, um nicht mehr investieren zu müssen.
Dabei ist das Aidszentrum bisher auch dank deutscher Hilfe gut ausgestattet: Das Labor ist modern, in der Poliklinik arbeiten Zahn- und Kinderärzte, zu denen nicht nur HIV-positive Patienten kommen. "Dies ist wichtig, denn wir wollen keine Stigmatisierung", sagt Karsten Hein. Er hat einen Dokumentarfilm über die Aids-Epidemie in der Ukraine gedreht ("Am Rande" wird am Montagabend um 23.25 Uhr auf Arte gezeigt) und mit Bekannten eine Partnerschaft zwischen der Berliner Auguste-Viktoria-Klinik und dem Aidszentrum aufgebaut: Die deutschen Ärzte und Pfleger helfen bei der Ausbildung und investieren in die Ausstattung. Auch die Partnerstadt Bochum sammelt Spenden für die Behandlung leukämiekranker Kinder und betreut Projekte.
Die Regierung schweigt
Dabei kommt das meiste Geld vom 2002 gegründeten "Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria", den Deutschland jährlich mit 200 Millionen Euro unterstützt. Nachdem dessen Fördermittel 2004 durch "Missmanagement" in den staatlichen Behörden versickerten, sind nun mit der International HIV/Aids Alliance und dem "Allukrainischen Netzwerk der Menschen, die mit HIV/Aids leben" zwei Nichtregierungsorganisationen für die Verteilung der Millionen zuständig - 300 NGOs und Selbsthilfegruppen sind in der Ukraine aktiv. Externe Prüfer loben das hohe Engagement, aber viele Mitarbeiter seien überfordert.
Die Expertin Anja Teltschik, die seit über zehn Jahren in Osteuropa im Gesundheits- und Sozialsektor arbeitet und heute Unicef und die WHO berät, betont: "Diese Epidemie lässt sich allein nicht durch Bemühungen der Zivilgesellschaft und der internationalen Gemeinschaft eindämmen." Der Staat müsse sich seiner Verantwortung gerade bei der Behandlung der Infizierten stellen.
Ende November wurde in Kiew ein Abkommen über die vertiefte Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine im Gesundheitswesen unterzeichnet. So soll eine umfassende Präventionskampagne eine gesellschaftliche Debatte auslösen. Die Stigmatisierung ist so groß, dass sich viele gar nicht erst testen lassen oder Infizierte ihren Status verschweigen, um etwa in Krankenhäusern nicht abgewiesen zu werden.
Zwar ist es dank der Unterstützung aus dem Ausland und dem Engagement der Zivilgesellschaft gelungen, die Rate der Infizierungen von Babys durch ihre HIV-positiven Mütter um zwei Drittel zu senken und Methadonprogramme zu starten, aber trotzdem steigt die Zahl der Neuinfektionen seit Jahren stetig an.
"Es fehlt an einer landesweiten Präventionsstrategie, die koordiniert umgesetzt wird", stellt Anja Teltschik fest. Noch dringender braucht das Land aber politische Führung: Zwar hat Präsident Viktor Juschtschenko den Kampf gegen HIV 2007 zur "nationalen Aufgabe" erklärt - allerdings sind Juschtschenko und Premierministerin Julia Timoschenko heute heillos zerstritten, so dass sich in der Praxis nichts verändert.
Auch Sozialarbeiter Erik glaubt nicht, dass die ukrainischen Politiker künftig das Problem ernster nehmen werden. "Neulich hieß es im Fernsehen, dass von unseren 450 Abgeordneten im Parlament 400 Dollarmillionäre sind", sagt er kopfschüttelnd. "In deren Glitzerwelt existieren Drogensucht oder Aids einfach nicht, also tun sie nichts dagegen."
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(sueddeutsche.de/gba)
Man sollte nicht vergessen, dass es sich bei den im Artikel erwähnten Zahl von 440.000 HIV positiven eben um eine Schätzung handelt (wird ja auch im Artikel so bezeichnet), Schätzungen müssen aber nicht zutreffen, erst im letzten Jahr haben UNAIDS und die WHO die für Indien geschätzten Zahlen nach unten korrigiert.
Auch die im Artikel erwähnte Prognose ist eben genau das:
Eine Vorraussage die so keineswegs eintreffen muss, man erinnere sich an die Horrorszenarien die in den 80`er Jahren in Bezug auf AIDS getroffen wurden, die sind zum Glück nicht eingetroffen.
Es wird leider kaum einmal in der Berichterstattung über AIDS erwähnt, dass Aids-Experten und Vertreter von Hilfsorganisationen oft ein Interesse daran haben, grosse Zahlen von Infizierten zu vermelden, weil sie auf diese Art mehr finanzielle Zuwendungen erhalten können.
Der Grat zwischen Hilfe und Überheblichkeit ist oft ein schmaler, auch eine Formulierung wie "Nirgendwo in Europa ist es so schlimm wie in der Ukraine" ist definitiv überheblich.
Ich gehöre auch zu den Leuten, die viele (wenn nicht sogar fast alle) Artikel in der SZ über Russland kritisieren, da sie einfach Schwarzß-Weiß-Malerei sind, jedoch kann ich hier keine direkte Kritik an Russland erkennen. Vielmehr sollte man die Regierung und deren Politik in der Ukraine überdenken!
Ich kann Ihre Bedenken nachvollziehen, ganz so schlimm ist es dann aber doch nicht.
Schöne Grüße,
Esco
Werte User,
vielen Dank fürs aufmerksame Mitlesen und den Hinweis auf den Fehler. Wir schätzen Ihre Korrekturen!
Beste Grüße,
Ihr Moderator
Wieso verkaufen sie nicht ihre Bodenschätze, dann wäre auch Geld für die Ärmsten da.
Mir ist egal, ob der Artikel nun kleine Fehler aufweist oder gar antirussisch sein soll. Hier geht es um die einfachen Menschen. Menschen, die von der Politik wieder allein gelassen werden, wobei die angesprochenen Probleme schon seit Jahren bestehen!!! Anstatt Hilfe von oben werden die "Opfer" von Polizisten verprügelt oder gar vergewaltigt. Was sind das für Zustände? Aids ist eine Krankheit die einer intensiven Aufklärung erfordert. Damit muss vorallem in Schulen angefangen werden, jedoch geschiet in der Ukraine viel zu wenig in dieser Hinsicht.
Die Regierung ist viel mehr damit beschäft solche Probleme zu verschweigen und bei Seite zu schieben und sich lieber mit der Nato zu beschäftigen.
Ich frage mich wieder, was den Politikern lieber ist. Das erbärmliche Verrecken der eigenen Bevölkerung, weil es nichtmal für einfache Medikamente reicht oder einen Beitritt zur Nato, die ihnen nichts, ausser vielleicht amerikanischen Militärbasen, bringt.
Aber mal im ernst, wie soll die Ukraine mit dieser Führung etwas an dieser Lage verbessern? Die Wirtschaft befindet sich am Abgrund und ohne den IWF wäre die Ukraine vielleicht schon wie Island zahlungsunfähig. Eines ist sicher, die Regierung in Kiew ist schlichtweg unfähig! Das eigene Volk scheint Ihnen vollkommenl egal zu sein, es geht vielmehr um eigene Interessen.
Paging