Der Anschlag an Silvester hat das Verhältnis zwischen Ägyptens Christen und der muslimischen Mehrheit erschüttert. Dass es davor einigermaßen funktionierte, ist Schenuda III. zu verdanken, dem Papst der Kopten.
Als Oberhaupt der ägyptischen Christen muss Schenuda III. jedes seiner Worte wägen. Nach dem Neujahrs-Terroranschlag auf eine Kathedrale in Alexandria nahm der "Papst von Alexandria und Patriarch der koptisch-orthodoxen Kirche" kein Blatt mehr vor den Mund: "Der Staat steht in der Pflicht. Wenn die Kopten Probleme haben, muss er sie lösen'', sagte Schenuda. "Und wenn bestimmte Gesetze eine Gruppe benachteiligen, müssen diese Gesetze geändert werden."
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Historiker, Archäologe, Mönch, Papst: Der 88-jährige Schenuda III., Oberhaupt der koptischen Kirche. (© AFP)
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Der oberste koptische Geistliche Ägyptens steht einer Minderheit vor, die sich von Staat und Gesellschaft mit Recht diskriminiert fühlt. In Ägypten mit seinen mehr als 85 Prozent sunnitischen Muslimen ein Christ zu sein, ist schwer. Karrierechancen im Staatsdienst gibt es wenige.
Im Geschäftsleben streben Kopten in Bereiche, die christlich dominiert werden: Sie sind im Bankenwesen stark, in bestimmten Handelszweigen und in Berufen wie Arzt oder Apotheker. Aber im Alltag entscheidet oft die Religionszugehörigkeit über die berufliche Zukunft. Und ein großer Teil der Christen gehört zu den Ärmsten der Armen.
Trotz aller Benachteiligungen hat das Zusammenleben von Mehrheit und Minderheit zuletzt einigermaßen funktioniert. Zu verdanken ist dies auch dem Kopten-Papst: Der 1923 im oberägyptischen Assiut unter dem Namen Nasir Gajed Rafail geborene Mönch Antonius al-Suriani und spätere Papst Schenuda III. hat immer den Ausgleich gesucht.
Der Kopte hat im muslimischen Präsidenten Hosni Mubarak einen Gegenspieler, der an religiösem Zwist selbst kein Interesse hat. Mubarak weiß, wie schnell Ägypten mit seinen 80 Millionen Einwohnern von Religionsstreit bedroht werden könnte. Dennoch hat der Staatschef die schleichende Neo-Islamisierung aller Lebensbereiche zugelassen.
Da die Kopten-Kirche nie reformiert wurde, ist sie extrem konservativ: Konflikte um gemischt-religiöse Beziehungen werden von Christen und Muslimen zum Anlass für erbitterten Streit genommen, der Kirchenbau wird vom Staat behindert, die Scharia als offizielle Rechtsquelle im pro forma säkularen Ägypten kommt erschwerend dazu.
Der inzwischen 88-jährige Schenuda lernte unter Mubaraks Vorgänger Anwar al-Sadat ein anderes Ägypten kennen. Weil er als Patriot gegen den Friedensvertrag mit Israel war und den Kopten die Pilgerfahrt nach Jerusalem untersagte, zwang Sadat den Kirchenmann ins Wüstenexil. Erst unter Mubarak konnte der 1971 zum Papst gewählte Priester seine Aufgabe wieder wahrnehmen.
Schenuda war ursprünglich Historiker und Archäologe, bevor er die Kirchenkarriere und das Mönchsdasein wählte. Auch seine Glaubensbrüder kennen ihre viele tausend Jahre alte Geschichte: Die Kopten verstehen sich als die wirklichen Ägypter und Nachfahren der alten Pharaonen. Die Araber kamen erst im 7. Jahrhundert - die Eroberer brachten den Islam mit, ihre Kultur und ihre Sprache. Wirklich eins geworden sind Kopten und Muslime nie: Die Kopten verstehen sich als Säule der Christenheit, weil sie vom Evangelisten Markus missioniert wurden. Schenuda ist der 117. Nachfolger des Heiligen Markus.
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(SZ vom 05./06.12.2011/jab)
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Wenn die Egyptischen Arabistani, Moslems wie Christen, sich auseinander dividieren lassen und dann schlußendlich sich anderen Schutzpatronen ausliefern, dann sollten sie sich vorher Äfganistan, Päkistan und Ärakien anschauen.
Daß man Husny Mubarak los werden möchte, weil er seinen Pulver verschossen hat und seine Gönner z.Z. von ihm nicht mehr erwarten, sollte ihnen auch klar sein! Mal sehen, wie man es ihm seinen Landsleuten angedeihen lassen wird. Hoffentlich mit weiniger Blutzoll als am Hindukusch und Mezophotamien
Ahoi!?
... wie hier zensiert wird. Ich hatte mir erlaubt einen Satz aus diesem Artikel zu zitieren:
"Dennoch hat der Staatschef die schleichende Neo-Islamisierung aller Lebensbereiche zugelassen."
... und darauf hingewiesen, dass es in diesem unseren Lande ebenfalls so läuft. Haben Sie mit der Wahrheit ein Problem?
Der Artikel ist quasi noch druckfrisch, taucht aber auf der aktuellen Seite von SZ-online nicht auf. Finden Sie das nicht ein wenig provinziell, liebe Macher von SZ-online?
Religiöse Vielfalt wird in den meisten islamischen Staaten nicht als Bereicherung angesehen, sondern als Bedrohung. Dementsprechend fallen die staatlichen Gesetze aus, die ja vom Koran inspiriert sind. Aber solche Zusammenhänge werden in Deutschland nicht thematisiert, sondern als "islamophob" diskriminiert.
Im Nachhinein wird auch verständlich, warum die Worte des Papstes in Regensburg, ein Zitat in einer wissenschaftlichen Rede, in der veröffentlichten Meinung ein solch negatives Echo ausgelöst haben. Der Islam muss vor jeglicher Kritik geschützt werden. Die lautere Absicht des Papstes, der sich ja für einen friedlichen Dialog mit dem Islam ausspricht, spielte deshalb überhaupt keine Rolle.
Dürfte man von "Qualitätsjournalisten" in Sachen Islam und Christentum nicht mehr Objektivität erwarten?
"Da die Kopten-Kirche nie reformiert wurde, ist sie extrem konservativ: Konflikte um gemischt-religiöse Beziehungen werden von Christen und Muslimen zum Anlass für erbitterten Streit genommen".
Sagen wir doch mal ganz offen was Sache ist und um was es geht. Muslimische Männer dürfen Christenfrauen heiraten, weil die Kinder automatisch Muslime sind, Frauen im Islam eh bloß die Hälfte Wert sind, man davon ausgeht, daß der der Mann seine neue Frau schon zum Islam bekehren/zwingen wird und das Rechtssystem im Zweifelsfall im Grunde alle Rechte dem Mann zugesteht und die Frau auf Sklavenniveau degradiert. Insofern wird die Heirat zwischen einem muslimischen Mann und einer christlichen Frau von muslimischen Geistlichen wahrscheinlich sogar begrüßt (umgekehrt - muslimische Frau heiratet christlichen Mann- ist natürlich ein no go!).
Was nun ist der "Fehler" der Kopten. Evtl. erteilt sie keinen kirchlichen Segen für gemischt konfessionelle Ehen. Das ganze wahrscheinlich deshalb, weil sie weiß, daß solche Ehen kaum gutgehen können, massive Auseinandersetzungen/Streiterein fast vorprogrammiert erscheinen und im Zweifelsfall die muslimische Dominanz obsiegen wird. Eine solche fast vorprogrammierte (furchtbare bzw. unfruchtbare) Gemengelage entspricht nunmal nicht der christlichen Idealvorstellung einer guten Basis für eine glückliche von Gott getragenen Ehe. Deswegen der fehlende Segen. Ob das nun gut oder schlecht ist, darüber kann man streiten. Deswegen wird aber auf Seite der Kopten sicher niemand an einer solchen Beziehung gehindert oder gar mit dem Tode bedroht!
Nicht streiten aber kann man darüber, daß der Kern des Übels in der religiösen Intoleranz (fehlenden Religionsfreihet) des Islam zu suchen ist, der keine Glaubensfreiheit gewährt und Konvertiten mit dem Tode droht / bestraft.
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