9. November 2012, 11:49 Bürgerkrieg in Syrien 8000 Flüchtlinge suchen Schutz in der Türkei

Allein in der vergangenen Nacht sind 8000 Syrer in die Türkei geflohen. An den Grenzgebieten zu Israel und der Türkei kämpfen Regierungstruppen und Assad-Gegner. Dabei kommt es auch zu Zwischenfällen in den Nachbarländern. Die syrische Opposition tagt, ist aber zerstritten.

In der vergangenen Nacht sind allein etwa 8000 Syrer vor erneuten Kämpfen nahe dem Grenzposten Ras al-Ain in die Türkei geflohen. Die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien liege damit inzwischen bei mehr als 120.000, sagte ein Vertreter des türkischen Außenministeriums. Etwa 5000 der Neuankömmlinge seien in ein Flüchtlingslager gebracht worden, die anderen privat untergekommen.

Syrische Rebellen haben sich erneut unweit der israelischen Grenze Kämpfe mit Regierungstruppen geliefert. Aktivisten meldeten, am Freitag habe die Armee vergeblich versucht, einen Stützpunkt der Freien Syrischen Armee im Bezirk Kunaitra an der Grenze zu Israel einzunehmen. Dabei seien unter anderem Panzergranaten und Mörsergranaten eingesetzt worden.

Am Vortag waren drei Querschläger aus dem Gebiet auf den von Israel besetzten syrischen Golanhöhen eingeschlagen. Israel warnte den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad davor, im Kampf gegen die Aufständischen das Gebiet der besetzten Golanhöhen zu verletzen.

Außerhalb von Damaskus nahmen die Regimegegner nach eigenen Angaben einen Stützpunkt der Luftwaffe ein. Arabische TV-Sender zeigten Videoaufnahmen, die angeblich in dem Stützpunkt in Al-Ghuta Al-Scharkija gemacht wurden. Dabei ist unter anderem ein Hangar mit Raketen zu erkennen.

Zerstrittene syrische Opposition tagt in Katar

Bei Kämpfen an der syrischen Grenze ist in der Türkei ein Zivilist verletzt worden. Der Türke sei in der Kleinstadt Ceylanpinar von einem Granatsplitter getroffen worden, berichtete der Sender CNN Türk am Freitag. Syrische Rebellen und Regierungstruppen lieferten sich weiter Kämpfe um einen Grenzübergang. Seit einigen Wochen lässt die türkische Regierung die Armee mit Artillerie nach Syrien feuern, wenn Angreifer mit Radar lokalisiert werden können.

Die syrischen Oppositionsgruppen setzen in Katar ihre Verhandlungen über ein neues Führungsgremium fort. Das Treffen, das ursprünglich bereits am Donnerstagabend hätte enden sollen, wird von Rivalitäten zwischen den einzelnen Gruppen überlagert. Der Syrische Nationalrat (SNC) erklärte, er habe sein Generalsekretariat erweitert. Ihm gehörten jetzt auch 16 Persönlichkeiten der so genannten "revolutionären Bewegung" an, einem weiteren Oppositionsbündnis.

Syrien bestreitet Kriegsverbrechen

In einem Interview mit dem russischen TV-Sender Russia Today hat Assad bestritten, dass seine Regierung im Kampf gegen Aufständische Kriegsverbrechen begangen habe. Dass seine Truppen bereits 20 Monate in den Gefechten durchgehalten hätten, beweise, dass die Bevölkerung die Armee unterstütze. Im Gegenzug beschuldigte er die Rebellen, für Kriegsverbrechen verantwortlich zu sein. Assad betonte gleichzeitig, über seine eigene Zukunft könnten nur Wahlen entscheiden. Die Wahlurne werde "jedem Präsidenten ganz einfach befehlen, zu bleiben oder zu gehen", sagte er in dem Interview.

Assad bezeichnete den türkischen Premierminister Recep Tayyip Erdogan, der sich während des Syrien-Konflikts vom einstigen Verbündeten Damaskus losgesagt hatte, zudem als "Kalifen". "Er hält sich für den neuen Sultan des Osmanischen Reichs" und denke, er könne die Region entsprechend kontrollieren, sagte Assad.