Politiker sind sich stets einig: Zivilcourage fehlt überall. Aber es gibt Abhilfe. Zu Besuch in einem Kurs für Selbstbehauptung - bei dem der nette Polizist plötzlich zum U-Bahn-Schläger mutiert.
Ausgeschrieben ist der Lehrgang ein Ungetüm - und außerdem sprachlich fragwürdig. "Potentielle Opfer lernen individuell Zivilcourage und Eigensicherung im" heißt er in der Langfassung. Auch wenn im Titel verquere Komik mitschwingt: Locker wird der Abend nicht, auch nicht durch Kaffee und den Turm aus Kuchenstücken, auf den die Kontaktbeamten Michael Sommer und Hermine Schachtner hinweisen. Hier, beim "POLIZEI-Kurs" (so die Kurzfassung), ist jeder per Definition ein mögliches Opfer. Und die Arme deshalb verschränkt.
Hinschauen! Zivilcourage muss man lernen, meinen Forscher und die Polizei. (© Foto: ddp)
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Polizeiinspektion 42, München-Neuhausen: Fünfzehn Teilnehmer sitzen in einem Besprechungsraum im 2. Stock, um mehr über das Einmaleins der Zivilcourage zu erfahren. Es geht um Momente, die man lieber nicht erleben will, um Pöbeleien und Schlägereien - in einem geschützten Raum.
Schläge gehören unter Umständen auch zur Verteidigung, lassen die Beamten wissen. Deshalb unterschreibt jeder Teilnehmer, dass die Polizei nicht für "etwaige Körper und Sachschäden" haftbar gemacht wird. Bisher habe sich niemand verletzt, beruhigt der Kursleiter Michael Sommer: "Wir hatten schon 80-Jährige, die getreten haben." In der Runde sitzen zwar keine Achtzigjährigen, dafür fast ein Querschnitt der Bevölkerung: Eine Rentnerin, ein Ehepaar in den Fünfzigern, eine Mutter mit ihrem jugendlichen Sohn, Schülerinnen wie Angestellte.
Im Jahr 2007 hat es in München allein 110 solcher Kurse gegeben, mehr als 2000 Menschen haben daran teilgenommen. Bundesweite Zahlen werden nicht erfasst, die Unterschiede zwischen den Städten scheinen aber groß zu sein: in Hamburg etwa veranstaltet die Polizei keine derartigen Lehrgänge, in Köln sind es etwa 20 jährlich.
Eine Erfahrung aber ist gleich: Wenn Meldungen über Prügeleien die Schlagzeilen beherrschen und damit Wahlkampf gemacht wird, steigt die gefühlte Unsicherheit - und damit das Interesse an den Kursen. Selbst wenn, wie die Münchner Polizei immer wieder versichert, die Gewaltkriminalität insgesamt rückläufig ist. Auch für disen Kurs haben sich einige Teilnehmer mehrmals angemeldet, im Januar - kurz nach den bundesweit beachteten Fällen brutaler U-Bahn-Prügeleien - stapelten sich die Anmeldungen.
Wer so einen Abend durchmacht, den treibt allerdings keine traumatisierende Opfererfahrung. Die Teilnehmer werden vorher abgeklopft, in fünf Jahren gab es münchenweit keine Ausfälle, sagt ein Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums. Es ist eher eine Unsicherheit über die eigene Reaktion: "Ich will nicht in die Opferrolle fallen", sagt eine Frau über ihr Ziel. Kontaktbeamtin Schachtner schreibt es auf einen Block in der Raummitte, zu den anderen Begriffen: "Richtig helfen" steht dort und "Situationen richtig erkennen".
Es gibt viele Fragezeichen beim Thema Zivilcourage, und der der erste Teil des Abends räumt sie keinesfalls aus. Statistiken über die Seltenheit von Gewaltverbrechen helfen nicht für den Einzelfall weiter. "Notwehr muss verhältnismäßig sein" sagt die Kontaktbeamtin, und: "Waffen sind gefährlich. Laufen Sie weg." Dann schaut sie betroffen in die Runde. "Wenn Sie Kampfsport können, müssen Sie den Schlag androhen... wenn Sie Zeit haben." Kaum hilfreich, wenn einen die Panik packt. Wie reagiert man, wenn es in einem fast leeren Zugabteil zur Prügelei kommt, wenn Skinheads einen Ausländer vor den eigenen Augen grün und blau schlagen? Kann man sich darauf vorbereiten?
Wenn man Konfliktforscher wie Gerhard Schwarz fragt, dann muss man das sogar. "Zivilcourage ist erlernbar und sollte auch gelernt und gelehrt werden", sagt Schwarz, der zahlreiche Fachbücher zum Thema verfasst hat: "Am besten schon in der Schule." Die Gesellschaft habe den Umgang mit Gewalt verlernt, schließlich sei Gewaltanwendung in der humanistischen Tradition verpönt. "Der Mensch ist angelegt auf Flucht und Kampf", erläutert der Spezialist. Zivilisierte Verhaltensweisen haben das Hauen und Stechen aber ersetzt. Um so schwerer wird es, wenn das Gegenüber sich nicht an diese Verhaltensregeln hält - wie im zweiten Teil des Trainings, der plötzlich zu unangenehmen Einsichten führt
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Ganz genau so wie Sie es schildern ist es meinem Freund ergangen. Seitdem ist die Justiz für uns nur noch eine Lachnummer, vor der wir keinerlei Respekt mehr haben.
Kurse für Zivilcourage, dass ich nicht lache. So will man einen Täter daran hindern, der mit einem Messer auf mich losgeht, um mein Geld zu klauen? Netter Witz.
Bürger helfen einander. Auch eine Voraussetzung, dass Politiker besser werden.
Ist das Volk verdorben, ist es jedoch die Politikspitze schon weit vorher.
Also scheint eine Besserung der Bürger noch keine Garantie für eine Besserung der politische Spitze zu sein.
Dennoch keine schlechte Idee, die Sache vom Volk her aufzurollen, wenn die politische Spitze
verkrustet und unbelehrbar.
Denn irgendwann greift das dann auch oben.
sondern wie man als Cleverle immer oben schwimmt und sich die Taschen so richtig
vollstopft. Wer das lernen will sollte sich mit Frau und Herrn Klarsfeld auseinandersetzen,
Herrn Wiesenthal oder Herrn Wallraff.
die Realität sieht man mit anderen Augen, wenn man mitten unter den Vandalen wohnt.
Wo ist der Rest meines Kommentars?
Es ging darum, dass ich nicht glaube, dass die mangelnde staatliche Unterstützung Grund für die geringe Bereitschaft sich einzumischen ist, sondern schlichtweg Unsicherheit und Angst. Ist doch bei mir auch so. Als ob jemand denkt " Huh, da würde ich ja eingreifen, aber wer weiß, vielleicht werde ich nachher verknackt." Das ist eine genauso dämliche Ausrede wie bei der ersten Hilfe zu sagen: vielleicht mache ich was falsch und werde nachher belangt. Da lasse ich es lieber gleich. das ist zum Glück bei mir nicht so ;)
Eigene Ängste oder Unfähigkeiten auf andere abzuwälzen (Staat) ist doch Unfug!
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