Wettkampf der Jodler Du Dödel Di

"Hodaro", "Iohodraeho", "Holadaittijo" - so klingt das ja meistens, wenn Menschen jodeln. In Huttwil im Schweizer Emmental taten sie das drei Tage lang von morgens bis abends - in Form eines Wettkampfs.

Von Thomas Becker

Sie tun es ständig. Immer und überall. Im Zelt während der Mittagspause. Beim gemeinsamen Marsch durchs Städtchen. Am Biertisch. In der Kirche. In der Sporthalle. Im Wirtshaus. Wahrscheinlich auch unter der Dusche. Ganz bestimmt auch unter der Dusche.

Jodeln. Ursprünge: in vorhistorischer Zeit. Verbreitet: bei den afrikanischen Pygmäen, bei den Inuit, im Kaukasus, in Melanesien, Palästina, China, Thailand, Kambodscha, Alaska, Spanien, Lappland, Schweden, Polen und Rumänien. Und: in den Alpen. Durchbruch in Deutschland: dank Loriots "Jodelschule": "Dö Dudel Dö ist zweites Futur bei Sonnenaufgang."

Das ist schon ein paar Jahre her. Höchste Zeit, die Grundkenntnisse aufzufrischen. Am besten gleich beim 44. Bernisch-Kantonalen Jodlerfest in Huttwil, einem 4800-Einwohner-Örtchen zwischen Zürich und Bern. Jodeln, Alphornblasen und Fahnenschwingen, die drei Grunddisziplinen Schweizerischen Brauchtums, stehen auf dem Programm - in Wettkampfform. Die Kategorien: Einzel, Duett, Terzett, Quartett und Gruppe. Nur das Fahnenschwingen ist auf Einzel und Duett begrenzt - was schon ausreichend kompliziert ist.

Der ganze Ort ist voller Menschen in Tracht. Meist ist diese schwarzweiß, die Männer tragen die Hemdsärmel hochgekrempelt, so als kämen sie gerade von der Wald- oder Feldarbeit. In verschiedenen sogenannten Vortragslokalen jodeln sie um Punkte, die die sehr gewissenhaft arbeitenden Juroren verteilen. Die Fahnenschwinger müssen in der eher düsteren Atmosphäre der Eishalle wirbeln, nur die Alphornbläser dürfen draußen bleiben. Auf dem perfekt getrimmten Rasen des Fußballplatzes marschieren die Bläser, das Horn geschultert, Richtung Eckfahne, um von dort ihre Töne Richtung Sechzehner zu schicken, wo die Jury sitzt. Bis 22 Uhr wird gejodelt, geblasen und geschwungen - und auch dann ist in den Festzelten noch lange nicht Schluss. Nur dass es jetzt keine Punkte mehr gibt.

50.000 Besucher kamen an den drei Tagen, lauschten insgesamt 615 Vorträgen und sorgten für mächtig Umsatz in Chäs-Zelt, Risotto-Zelt, "Jodlerstädli" und all den anderen, höchst ordentlich ausgezeichneten Futterstationen. Wunderschöne Lieder hatten die 140 Jodlerklubs dabei: "I ha dr Früehlig gseh", "Nöiy Tön" oder auch "Was z'Müeti seit". Nur Loriot, den kannte kaum jemand.

"Und alle bitte: Holleri Du Dödel Di Diri Diri Dudel Dö."