Explosion in Prag "Die Suche ist gefährlich"

In der tschechischen Hauptstadt hat eine schwere Explosion ein Gebäude beschädigt und bis zu 55 Menschen verletzt. Noch kann nicht ausgeschlossen werden, dass es Verschüttete gibt. Die Rettungskräfte setzen Spürhunde ein, denn die Suche ist riskant. Die Gasversorgung der unmittelbaren Umgebung wurde sicherheitshalber unterbrochen.

Eine starke Explosion hat ein Gebäude im Stadtzentrum von Prag beschädigt. Dutzende Menschen wurden verletzt, die Angaben darüber, wie viele, variieren. Mehrere Medien berichten inzwischen übereinstimmend von "bis zu 55 Verletzten", unter anderem CNN und der tschechische TV-Sender CT24. Unter Berufung auf Polizei und Rettungsmannschaften meldet der Sender auf seiner Internetseite vier Personen, die sich in einem "ernstem Zustand" befänden.

Der Chef der Rettungskräfte, Zdenek Schwarz, sprach von mindestens 35 Verletzten, die in Kliniken behandelt werden. Ein Mann sei mit gebrochenem Bein ins Krankenhaus gebracht worden, die meisten Opfer hätten Schnittwunden erlitten. Meldungen über Tote liegen keine vor, Berichte über drei mutmaßlich verschüttete Personen schienen bereits im Verlauf des Vormittags zunehmend unwahrscheinlich. Gewissheit kann es erst nach einer kompletten Überprüfung des Gebäudes geben, doch diese geht schleppend voran. Die Suche sei gefährlich, sagte Rettungssprecherin Jirina Ernestova der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete, mehr als ein Dutzend Menschen sei durch Glassplitter verletzt worden, als die Wucht der Explosion mehrere Fensterscheiben zerstörte. Die Detonation brachte auch Scheiben in umliegenden Gebäuden zum Bersten, unter anderem im berühmten Café Slavia.

Im Erdgeschoss des Unglückshauses sei ein Krater entstanden, auf den Gebäudeteile stürzten, hieß es. Der Nachrichtenagentur CTK zufolge verschob sich die Außenwand um fünf Zentimeter. Vorkehrungen seien notwendig, um das Gebäude vor einem Einsturz zu bewahren. In dem Bürogebäude nahe des Nationaltheaters haben mehrere Firmen ihren Sitz, unter anderem ist dort die internationale Luftfahrtbehörde IATA ansässig. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wurden aus den Nachbargebäuden sicherheitshalber mehr als 200 Menschen in Sicherheit gebracht.

Als Explosionsursache in der Divadelni-Straße wird ein Gasleck vermutet. Mehrere Augenzeugen berichteten von intensivem Gasgeruch. Die Gasversorgung von etwa 20 Häusern wurde aus Sicherheitsgründen unterbrochen.

Die Straße in der Prager Altstadt ist nach der Explosion mit Schutt bedeckt und wurde von der Polizei gesperrt. Auf Twitter berichteten Nutzer von Helikoptern an der Unglücksstelle. Die Einsatzkräfte suchen mit Spürhunden nach möglichen Verschütteten. Die britische BBC meldet unter Berufung auf Reuters, dass sich etwa 15 Personen in dem Gebäude aufgehalten hätten.

Ein Baugerüst am nahegelegenen Nationaltheater sei durch die Erschütterungen einsturzgefährdet, heißt es. Auch die Statik mehrerer Gebäude in der unmittelbaren Umgebung soll bedroht sein. Der Prager Bürgermeister Bohuslav Svoboda eilte an den Unglücksort. Premier Petr Nečas gab bekannt, er werde sich persönlich in die Ermittlungen einschalten. "Ich bin tief bestürzt über das Unglück, das durch die Gasexplosion in der Divadelni-Straße in Prag verursacht wurde", sagte er. "Im Augenblick mache ich mich mit der Situation im Detail vertraut. Ich bin in Kontakt mit dem Innenministerium und weiteren Abteilungen der Rettungskräfte."