Touristen-Stadtteil Copacabana Tod eines Tänzers löst Krawalle in Rio aus

Bewohner einer Armensiedlung liefern sich in Rio de Janeiro heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei - ein Mann kommt ums Leben. Auslöser der Proteste soll der Tod eines 25-jährigen Berufstänzers gewesen sein.

Barrikaden aus brennenden Reifen und Schüsse: Im legendären Stadtteil Copacabana in Rio de Janeiro ist es zu heftigen Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Dabei sei am Dienstag ein Mann erschossen worden, teilte die Stadtverwaltung nach Angaben brasilianischer Medien mit. Der etwa 30 Jahre alte Mann sei mit einem Kopfschuss ins Krankenhaus gebracht worden und dort gestorben. Wer den Schuss abgegeben hat, ist unklar.

Zeugen berichteten von brennenden Autos, von einer Attacke auf eine Polizeistation. In der Favela Pavão-Pavãozinho waren Schüsse zu hören. "Da war überall Rauch, Schüsse in den Straßen, die Menschen flüchteten sich in ihre Häuser", sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur AFP.

Familie des Toten beschuldigt Polizei

Auslöser der Proteste soll der Tod eines 25-jährigen Berufstänzers aus einem Armenviertel in dem Gebiet gewesen sein. Die genauen Umstände seines Todes waren nach Polizeiangaben zunächst unklar. Nach Angaben seiner Familie war sein Körper mit Wunden übersät. Die Angehörigen beschuldigen die Polizei, den Mann zu Tode geprügelt zu haben. Medienberichten zufolge sollen die Sicherheitskräfte den Mann fälschlicherweise für einen Drogenhändler gehalten haben.

Die Leiche des Tänzers war am Dienstag in einem Schulgebäude in der Favela Pavão-Pavãozinho gefunden worden. Das Armenviertel liegt zwischen den Vierteln Copacabana und Ipanema.

Der Zugang zur Favela wurde bei den Protesten mit brennenden Barrikaden blockiert. Die Polizei war mit vielen Einheiten im Einsatz. Mehrere Hauptstraßen wurden gesperrt. Die Viertel Copacabana und Ipanema liegen in Rios Südzone und gehören zu den reichsten Stadtteilen der Stadt.

In Rio findet am 13. Juli das Endspiel der Fußball-WM statt. Immer wieder kommt es derzeit zu gewaltsamen Ausschreitungen, erst am Wochenende protestierten viele Menschen gegen den Tod eines 21-Jährigen. Die brasilianische Polizei geht im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft in den Armenvierteln von Rio de Janeiro verstärkt gegen Kriminelle und Drogenbanden vor. Bei den oft mit harter Hand geführten Aktionen kommen immer wieder Unbeteiligte zu Tode.

Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sterben in Brasilien jährlich 2000 Leute durch Polizeigewalt.