Test mit versteckter Kamera 100 Mal angemacht in zehn Stunden

Eine versteckte Kamera begleitet eine Schauspielerin beim Spaziergang durch New York - sie wird von zahlreichen Männern angesprochen, belästigt, verfolgt. Das Video zeigt, wie alltäglich solche Szenen auf der Straße sind.

"Sexy", ruft ein Mann. "Hallo, guten Morgen. Gott schütze dich. Du hast einen schönen Tag, oder?", fragt ein anderer. Schweigend läuft er einige Minuten neben Shoshana Roberts durch Manhattan. "Willst du nicht reden? Weil ich hässlich bin? Hm? Können wir keine Freunde sein oder so?", fragt ein dritter. "Du willst nicht reden? Ich geb dir meine Nummer, redest du dann mit mir? Bin ich zu hässlich für dich?"

Die Szenen stammen aus einem Video der Bewegung "Hollaback", die sich weltweit gegen sexuelle Belästigung auf der Straße einsetzt und mit dem knapp zweiminütigen Zusammenschnitt zeigt, wie es für eine Frau ist, alleine unterwegs zu sein. "Total anstrengend, sicher erniedrigend und gelegentlich furchteinflößend", fasst das Online-Magazin Slate zusammen.

Die Idee kam Regisseur Rob Bliss, weil seine Freundin ständig auf der Straße belästigt wird. Zehn Stunden hat er mit einer versteckten Kamera auf dem Rucksack Roberts durch New York begleitet. Mehr als 100 Mal soll die Schauspielerin, bekleidet mit Jeans und einem schwarzen, hochgeschlossenen T-Shirt, ein Mikrofon in jeder Hand, in dieser Zeit angesprochen worden sein. Keine Szene sei gestellt, sagte Bliss Time.

Die Kamera hat eingefangen, wie sich Männer Roberts nähern, sie angrinsen, sie verfolgen. Die Mikrofone haben die Kommentare aufgenommen, die sie dabei abgeben - von vordergründig freundlichen Wünschen über absurde Bemerkungen bis hin zu anzüglichen Sprüchen über Roberts Körper. Die Frau reagiert auf keinen der Kommentare, schweigend läuft sie weiter. Manche Männer scheint das nicht zu stören. Sie verfolgen Roberts regelrecht, werden teilweise sogar richtig aggressiv, wenn sie auf ihre Anmache keine Antwort bekommen ("Du solltest öfter Danke sagen").

Das Video hat sich schnell verbreitet. Auf Twitter reagieren viele Frauen geschockt, berichten von ähnlichen Erlebnissen.

Andere Nutzer, vor allem Männer, sehen darin dagegen gar keine Belästigung - das sei einfach nur ärgerlich:

Ein User findet sogar, es sei unhöflich, dass Roberts sich weigert, zu antworten.

Unhöflich? Manchmal kann eine Anmache auf der Straße, wie manche User schreiben, vielleicht nett sein, ein überraschendes Kompliment freundlich. Der Film zeigt allerdings, dass ein ganz normaler Spaziergang durch die Stadt für eine ganz normal angezogene Frau zum Spießrutenlauf werden kann. Und dass die meisten Anmachsprüche eben nicht nett oder gar höflich sind - sondern einfach nur lästig. Und für die Betroffenen alles andere als harmlos.

Dumme Sprüche, anzügliche Blicke, Pfiffe - für viele Frauen stellt sich die Frage: Wie auf die alltägliche Belästigung reagieren? Der Film ist lediglich eine Bestandsaufnahme, eine Lösung liefert er nicht. Roberts hat die Erfahrung gemacht: Eigentlich ist es egal, wie man reagiert. "Ich wurde belästigt, wenn ich lächelte. Und ich wurde belästigt, wenn ich nicht lächelte. Ich wurde von weißen Männern belästigt, von Latinos und von Schwarzen." Und über ihre Erfahrungen abseits des Films: "Es vergeht kein Tag, an dem ich das nicht erlebe!"