Streit um Papst-Satire CSU stellt Strafanzeige gegen Sender MTV

"Lachen statt rumhängen" - zu diesen Worten steigt Jesus in einer Werbung für die geplante Papst-Satire "Popetown" vom Kreuz. Sehr zum Unmut bayerischer Politiker.

Der CSU-Landtagsfraktionschef Joachim Herrmann hat wegen der Werbung für die satirische Zeichentrickserie "Popetown" Strafanzeige gegen den Musiksender MTV gestellt.

Damit werde der christliche Glaube beschimpft, sagte Herrmann. Die Werbung sei "völlig indiskutabel" und zeuge von mangelndem Respekt vor religiösen Überzeugungen.

Grund ist eine Zeitschriftenwerbung, in der vor Ostern unter dem Titel "Lachen statt rumhängen" ein vom Kreuz herabgestiegener Jesus Christus vor dem Fernseher abgebildet war.

Herrmann sagte in München, es handele sich hierbei nicht nur um eine Frage der deutschen Innenpolitik. Vielmehr gehe es auch um das weltweite friedliche Zusammenleben, erklärte der CSU-Fraktionschef unter Verweis auf den Streit über die dänischen Mohammed-Karikaturen hinzu.

In "Popetown" sind nach MTV-Angaben "ein durchgeknallter Papst und ein krimineller Kardinal" unter anderem in Todesfälle und die "Versklavung von Kindern" verwickelt. Herrmann betonte, Kritik an dem Papst könne kein "Tabu" sein. Ein Witz über das Oberhaupt der katholischen Kirche sei jedoch "etwas völlig anderes, als sich über den gekreuzigten Jesus Christus lustig zu machen".

Herrmann will nun "sorgfältig beobachten", wie die Staatsanwaltschaft auf seine Anzeige reagiert. Wenn es keine rechtlichen Konsequenzen aus der Zeitschriftenwerbung gebe, dann werde damit der "gesetzgeberische Handlungsbedarf" deutlich.

So müsse geklärt werden, wie der Straftatbestand der Störung des öffentlichen Friedens künftig definiert werde.

Scharfe Kritik an der TV-Serie, die ab 3. Mai ausgestrahlt werden soll, übte auch der vom Vatikan gemaßregelte brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff. "Ich denke, solche Phänomene zeigen, wie weit der Verfall der westlichen Kultur bereits fortgeschritten ist", sagte Boff am Dienstag in einem Interview der Deutschen Welle.

Empörung bei der katholischen Kirche

Die Gesellschaft müsse Selbstkritik üben und sich fragen, wo die Grenzen seien. "Wenn diese Grenzen überschritten werden, sind wir nah dran am Bruch des sozialen Zusammenhangs", sagte Boff. Es sei äußerst geschmacklos, Satire über den Papst und den Vatikan zu produzieren, weil dies den Glauben von Millionen Katholiken beleidige.

Die MTV-Serie "Popetown" hatte bei der katholischen Kirche für Empörung gesorgt. Das Erzbistum München und Freising leitete rechtliche Schritte gegen den Musiksender ein.

In der vergangenen Woche hatte Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) eine Gesetzesinitiative angekündigt, mit der das Verhöhnen religiöser Symbole schneller als bisher unter Strafe gestellt werden soll.