Sprache "Das war fei höchste Zeit"

Ein ganzer Kosmos steckt in dem Wörtchen "fei". Was den Bayern die drei Buchstaben alles bedeuten.

Von Von Martin Zips

Würzburg "Fei" kann ja viel bedeuten. "Fei" ist zum Beispiel die Abkürzung, die sich der Forschungskreis Ernährungsindustrie in Bonn gegeben hat. "Fei" ist aber auch der Name eines Kameramannes von Woody Allen. Hier aber soll vom Würzwort "fei" die Rede sein. Ein Bindewort, das vor allem in Süddeutschland noch rege Verwendung findet.

"Ich hab' dich fei gern."

(Foto: Foto: dpa)

Sabine Krämer-Neubert vom Dialektinstitut der Universität Würzburg hat sich mit "fei" näher beschäftigt. Immer wieder, sagt sie, sei sie auf die Herkunft des Wörtchens angesprochen worden. Also habe sie Fachliteratur durchsucht. "Es könnte der Beginn einer größeren Studie werden." Seine Wurzeln habe "fei" im Lateinischen. Als Abwandlung von "finis" (Grenze, Ende) kam es über das Französische ("fin") um das zwölfte Jahrhundert ins Land: "Bis zu diesem Punkt und nicht weiter" war die ursprüngliche Bedeutung des lange auch in der Hochsprache verwendeten Wortes. In seiner Betonung des Absoluten existiert es heute noch im Fränkischen, Bairischen, Schwäbischen, Alemannischen, Elsässischen, Hessischen und Rheinischen. "Des is fei verboten." So etwa.

"Das geht fei net"

Doch neben "absolut" wurde "fei" auch früh im Sinne von "optimal" oder "so gut wie möglich", eben fein, verwendet. "Pass fei auf!" oder "Sei fei fleißig!" sind Bitten, die an die Grenzen des Möglichen appellieren. Um geradezu grenzwertig herausstechende Eigenschaften geht es auch in Sätzen wie "Das ist ein fei Mägdelein" (Das ist eine fantastische Magd) oder "Der hat a fei Ohr" (Er hört sehr gut). Auch als Warnung markiert "fei" eine Grenze: "Des sag ich fei der Mama." "An mein Zaun wird fei net nobrunzt!", "Das geht fei net", "I hau der fei glei oane owa", "Das war fei höchste Zeit".

Es wird noch komplizierter: Psychologen weisen im Zusammenhang mit "fei"auf die Problematik der "Aussagesuggestibilität" vor allem bei der Befragung von Kindern hin. Kurz gesagt: Es ist ein Unterschied, ob ein Polizist ein Kind fragt: "Hast Du den Schuss gehört?" oder "Du hast fei den Schuss gehört?" Schließlich gehört "fei" ebenso wie "ja", "halt", "doch", "denn", "eben", "vielleicht" zu so genannten Abtönungspartikeln, die von einer bestimmten Erwartung des Sprechers künden. Mit dem Satz "Der Laden ist fei schon geschlossen!" unterstellt der Sprecher den Sachverhalt, dass es eigentlich doch bekannt sein müsste, dass der Laden schon geschlossen ist.

Hinter den drei Buchstaben des Wörtchens "fei" verbirgt sich ein gewaltiger Kosmos. "Fei ist ein unverzichtbarer Bestandteil des bayerischen Dialekts", meint denn auch Hans Triebel, Erster Vorsitzender des Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte. "Deshalb wird ,fei' noch lange weiter leben." Und Sabine Krämer-Neubert vom unterfränkischen Dialektinstitut würde am liebsten einen Doktoranden an die Erforschung solcher Würzwörter setzen. Eine fei schwierige Angelegenheit.