Soraya von Persien Die Märchenprinzessin

Von der Klatschpresse geliebt und belagert, von ihrem Ehemann schließlich verstoßen: Vor 50 Jahren kündigte der Schah von Persien die Scheidung von seiner Frau Soraya an.

Von Christian Mayer

Märchen haben oft einen grausamen Kern, und das gilt besonders für die Erzählungen aus "Tausendundeine Nacht". Im Fall Soraya hat die Geschichte einen zartbitteren Beigeschmack: Ein 18-jähriges Mädchen gerät durch Zufall auf die Besetzungsliste für die Rolle der persischen Kaiserin; es erlebt eine prunkvolle Hochzeit und steigt auf zur berühmtesten, begehrtesten Frau ihrer Zeit. Dass die Schöne dem Herrscher keinen Thronfolger schenken kann, wird ihr jedoch zum Verhängnis, und die Geschichte, die so wundersam begonnen hat, endet als boulevardeske, traurige Seifenoper.

Die Ehe bleibt kinderlos

Genau 50 Jahre ist es her, dass die Trennung von Mohammed Resa Pahlewi und seiner zweiten Ehefrau Soraya die Weltpresse in Aufruhr versetzte. Am 6. April 1958 gab Teheran die Scheidung bekannt. Bereits zuvor hatte der Schah im persischen Rundfunk mit leiser Stimme seine "große Trauer" geäußert - und sich von seiner "lieben Gemahlin" verabschiedet. Das Ende einer Ehe, die ihren Zweck nicht erfüllt hatte.

Soraya Esfandiary Bakhtiary hatte einen persischen Vater, der aus einer nomadischen Fürstenfamilie stammte, und eine deutsche Mutter, die in Moskau geboren war; sie wuchs auf zwischen Isfahan, Berlin und der Schweiz. Sogar im Schnee machte sie eine gute Figur, und es dauerte nicht lange, da gelangten Fotos der jungen Skifahrerin nach Teheran, in die Hände der Kaisermutter, die eine adäquate Frau für seine Majestät suchte.

Obwohl die Familie der Bakhtiarys unter dem Vater des Schahs in Ungnade gefallen war, erhielt die 18-Jährige prompt eine Einladung in den Kaiserpalast. Resa Pahlewi erschien zum Essen im Paraderock eines Luftwaffen-Generals, man tauschte Höflichkeiten aus. Soraya wirkte. Noch am selben Abend wurde die Besucherin von ihrem Vater gedrängt, in die Ehe einzuwilligen. Nur Napoleon war wohl kürzer entschlossen bei seinen Eroberungszügen, wenn auch längst nicht so steif und gravitätisch wie der 30-jährige Pahlewi, Sohn eines Kosaken-Oberst. Trotz der ultimativen Aufforderung beruhte die Sympathie wohl auf Gegenseitigkeit: "Von mir aus gesehen traf ich eine freie Wahl", schrieb Soraya später in ihren Erinnerungen.

Soraya, das "Siebengestirn", wie ihr Name im Persischen heißt, trat bei ihrer Hochzeit im Februar 1951 einen schweren Gang an. Erst einmal wurde die Braut sehr krank, sie litt an Typhus. Die Feier musste verschoben werden, doch die Kamarilla in Teheran drängte zur Eile. Eine Last war wohl auch das 20 Kilo schwere Brautkleid von Christian Dior, ein Monstrum aus Silber, das eine Hofdame mit der Schere um zehn Meter kürzen musste. Im Palast erwarteten sie ein Meer aus Blumen und auch jede Menge Fallstricke, weil die Schwestern des Schahs um ihren Einfluss fürchteten.

Schon bald nach der Hochzeit fand sich das Kaiserpaar in einem Netz aus Intrigen wieder, privat wie politisch. Die britisch-iranische Ölkrise zwang den Schah ins Ausland. Wenn Pahlewi später mit diktatorischer Gewalt durchgriff, dann lag das auch an seinen Erfahrungen in den frühen fünfziger Jahren. Erst nach dem Sturz des nationalistischen Ministerpräsidenten Mossadegh konnte der Schah auf den Thron zurückkehren, fest entschlossen, sein Leben und die Macht mit allen Mitteln zu verteidigen.

Auch nach der schweren Staatskrise blieb Soraya stets an der Seite ihres Mannes. Die Prachtentfaltung und der verschwenderische Glanz am Hof von Teheran gehen auf sie zurück. Bei Staatsbesuchen in Deutschland, England und den USA konnte sie in der Rolle der modernen orientalischen Frau auftreten, selbst der alte Adenauer ließ sich von ihr auf dem Sofa becircen.

Weil sie immer noch nicht schwanger wurde, geriet die Ehe in Gefahr. Der sehnsüchtig erwartete Sohn, der das System stabilisieren sollte, war nicht in Sicht. Die Trennung von seiner Frau vor 50 Jahren stellte der Schah als persönliches Opfer dar, als Weisung seiner Berater. Vor allem die deutschen Medien witterten Intrige und Verrat an der Märchenkaiserin, die als Abfindung wertvollen Schmuck, eine Leibrente in Höhe von 17 Millionen Mark und den Ehrentitel einer Prinzessin erhielt. "Der Orient, durch direkte Fluglinien, Wirtschaftsabkommen und europäische Kleidung schier entzaubert, gewinnt jählings sein rätselhaftes, grausam undurchdringliches Gesicht zurück", hieß es damals im Streiflicht der Süddeutschen Zeitung.

Ein Spielball der Medien

Die Verstoßene, die lieber freiwillig als Ehefrau abdankt, als zeugungsfähige Nebenbuhlerinnen zu dulden - dieses Melodram bot Stoff für eine ganze Soraya-Industrie. Als Opfer der Medien kann man Soraya aber nicht bezeichnen, sie selbst nährte die Gerüchte mit schillernden Auftritten, und nach ihrer mitteilungsfreudigen Mutter durfte die Haushälterin die letzten Geheimnisse ausplaudern. Die Prinzessin lebte im Luxus, sie brillierte in der Jet-Set-Society und ließ sich als Trendsetterin feiern. Doch aus einer Karriere als Schauspielerin wurde nichts, mit Männern hatte sie kein Glück - Soraya blieb ein Spielball der Medien, die ihr immer neue Affären andichteten. Es war ein ständiges Geben und Nehmen.

Nach dem Sturz des Schahs und der Ausrufung der Islamischen Revolution in Iran musste sich Soraya in Sicherheit bringen, weil sie den Mordaufruf der Chomeini-Anhänger gegen Pahlewi auch auf sich bezog. "Prinzessin Schwermut" litt schwer unter ihrem Schicksal, andere Medienprinzessinen wie Diana hatten sie längst ins Abseits gedrängt. Sie starb 2001 in Paris an einem Hirnschlag, kinderlos und aller Illusionen beraubt.