Von Von Thomas Bührke

Nach einer 3,5 Milliarden Kilometer langen Reise soll das Raumschiff "Cassini" in einem waghalsigen Manöver die Ringe des Saturn durchkreuzen. An Bord: Die Sonde "Huygens" und — Popmusik.

Wenn ein Pilot die Landebahn verpasst, kann er vielleicht noch einmal durchstarten und es erneut versuchen. Diese zweite Chance wird es in der kommenden Nacht nicht geben, wenn das Raumschiff Cassini zusammen mit der Sonde Huygens mit 20000 Kilometern pro Stunde durch eine Lücke im Ringsystem des Planeten Saturn hindurchzurasen versucht.

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Nur die große Sendeantenne schützt das Raumschiff gegen Gesteinspartikel und Eisbrocken. Danach bleiben nur wenige Minuten Zeit für eine 180-Grad-Drehung, damit das Haupttriebwerk in Flugrichtung zeigt.

Das gibt 90 Minuten lang vollen Schub und bremst die Sonde dann so stark ab, dass sie 20.000 Kilometer über Saturns Wolkendecke eine elegante Kurve fliegt und in eine Umlaufbahn einschwenkt.

Vollautomatisch

Wenn nach einer Reise von 3,5 Milliarden Kilometer nur eine Kleinigkeit auf den letzten Kilometern schief geht, rast Cassini mit Huygens an dem Planeten vorbei - und verschwindet in den Weiten des Universums. Auf absehbare Zeit wäre damit die Chance vertan, Saturn zu erforschen.

Das gesamte Manöver läuft automatisch ab, denn Funksignale würden das unbemannte Raumschiff erst nach eineinhalb Stunden erreichen. Geht alles gut, schaltet sich in der Umlaufbahn die Kamera ein, deren erste Aufnahmen um 14.40 Uhr in der Bodenstation in Goldstone, Kalifornien, eintreffen sollen.

"Wir werden in Schrägsicht die Ringe sehen, durch die die Sonne hindurchscheint", erklärt Tilman Denk von der Freien Universität Berlin, der gemeinsam mit Gerhard Neukum die Beobachtung von vier großen Saturn-Monden plant.

Kooperation der Superlative

Mindestens vier Jahre lang soll das Nasa-Schiff den Saturn erforschen. Im Januar nächsten Jahres wird es noch einmal spannend, wenn die Huckepack auf Cassini reisende Sonde Huygens der Europäischen Weltraumorganisation Esa auf dem Saturn-Mond Titan landen soll.

Cassini-Huygens ist eine amerikanisch-europäische Kooperation der Superlative. Mit 5,6 Tonnen Gewicht und den Ausmaßen eines Omnibusses handelt es sich um die schwerste und größte interplanetare Sonde, die je gebaut wurde - und mit 3,4 Milliarden Dollar auch um die teuerste; der deutsche Anteil liegt bei 115 Millionen Euro.

Der Saturn ist mit 1,4 Milliarden Kilometern fast zehnmal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde. Damit ist auch die Intensität des Sonnenlichts auf ein Hundertstel im Vergleich zur Erde abgesunken.

Solarzellen liefern dort nicht genügend Energie. Die Nasa entschied sich deshalb für einen thermoelektrischen Generator, der Strom aus dem radioaktiven Zerfall von Plutonium bezieht.

Umweltschützer hatten versucht, den Start des Raumschiffs mit der strahlenden Fracht an Bord zu verhindern.

40.000 Aufträge warten

Jetzt sind die Planetenforscher endlich kurz vor dem ersehnten Ziel, doch so manch einer wird sich gedulden müssen. "Leider sind die Geräte und Kameras fest installiert und weisen zum Teil in unterschiedliche Richtungen", sagt Ralf Srama vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg, dessen Team Cassini einen Staubanalysator mitgegeben hat.

Die gesamte Sonde muss sich stets in die gewünschte Richtung drehen, daher können nie alle Instrumente gleichzeitig arbeiten. Etwa 40.000 Aufträge wird Cassini nach einem ausgetüftelten Programm abarbeiten.

In diesen vier Jahren erwarten die Wissenschaftler eine halbe Million Aufnahmen mit bislang unerreichter Schärfe. Rund 900 Erdkugeln fänden im Innern des zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems Platz.

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