McDonald's will im multikulturellen Kreuzberg eine Filiale eröffnen. Dagegen formiert sich Widerstand - mit deutlichen Drohungen: "Dann wird Kreuzberg zu Heiligendamm."
Irgendwann musste der Tag X ja kommen. Der Tag, an dem die weltweit größte Burgerkette McDonald's sich im Berliner Stadtteil Kreuzberg, einer der letzten Big-Mäc-freien Zonen der Hauptstadt, ansiedeln würde. Im August soll das Restaurant eröffnen - es wäre das 41. in der Stadt.
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Doch seit gut zwei Wochen formiert sich Widerstand im "Wrangelkiez", einer Gegend, die vor allem von kleinen Läden, Restaurants und Dönerbuden dominiert wird. Inzwischen tobt ein regelrechter Kulturkampf zwischen alternativen Kreuzbergern und dem Fastfood-Giganten, dessen Sympathisanten ihrerseits auf die "militanten Ökospießer" schimpfen.
"Kreuzberg wird Heiligendamm"
Der gereizte Tonfall zeigt, dass es nicht nur darum geht, ein Restaurant zu verhindern: Traditionell steht McDonald's ganz oben auf der Feindbildliste von Globalisierungsgegnern, Autonomen und ganz normalen Alternativen. "Ronald McDonald pass bloß auf! Hier brennt die Luft!!!" drohen anonyme Blogger auf der Internetseite "myspace.com/mcrisiko", daneben sind Bilder brennender McDonald's-Filialen zu sehen.
Sarah Miller, 29, Gründerin einer noch namenlosen Bürgerinitiative, verkündet markig: "Mit einer solchen Filiale wird Kreuzberg zu Heiligendamm."
Und Martin Stern, Leiter eines Schulzentrums, das gegenüber dem Bauplatz liegt, bezeichnet die Pläne des US-Konzerns als "Provokation". Er bangt gar um seine "Schulkultur" für den Fall, dass die Schulmensa wegen der Burgerkonkurrenz pleite geht.
Im Internetforum "keinmcdoofinkreuzberg.de" tauschen sich die Gegner über jeden gefällten Baum auf dem Grundstück der "Burgerbande" aus. Manche Mails enden mit "kämpferischen Grüßen".
Doch noch ist der Protest friedlich. Bei der ersten Demonstration sitzen 40 McDonald's -Gegner beim Picknick mit Vollkornbrot und Gurkenstäbchen vorm Bauzaun. Auf Luftballons steht "Bürger gegen Burger" oder "Ausbeutung hat einen Namen".
"McDonald's sehen überall gleich aus"
Für Philipp Raschdorff, 31, einem Sprecher der Initiative, steht fest, dass ein McDonald's "schon optisch" keinesfalls in die mit Klinkerhäusern bebaute Umgebung passt. Raschdorff ist vor zwei Jahren von der ostfriesischen Provinzstadt Aurich nach Kreuzberg gezogen. Jetzt will er die multikulturelle Atmosphäre seiner Wahlnachbarschaft unbedingt erhalten. "Ein McDonald's steht nicht für Vielfalt, die sehen überall gleich aus", findet Raschdorff.
Anwohner wie Sarah Miller fürchten nicht nur, dass der Kiez wegen des geplanten Autoschalters ("McDrive") mit Müll verdreckt wird. Sie sieht vor allem die Gefahr, dass sich die Jugendlichen aus der Nachbarschaft - im näheren Umkreis sind sieben Schulen - nur noch von Hamburgern ernähren. Viel besser sei es, an dieser Stelle einen "sozialen Jugendtreff" einzurichten, der gerne von McDonald's finanziert werden könne.
Unterstützung bekommen die McDonald's-Gegner vom Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele (Grüne), dem Direktkandidaten des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Vergangene Woche hat Ströbele, der nach eigener Aussage erst einmal in seinem Leben ein McDonald's-Restaurant betreten hat, Vertreter des US-Konzerns und der Initiative in seinem Büro zur Diskussion zusammengebracht. Der Politiker teilt die Bedenken der Burger-Gegner: "Ich denke, dass ein Aufenthaltsort für Jugendliche an dieser Stelle sinnvoller wäre."
Radikale Allianz von Bauern und Naturschützern
Bei McDonald's sieht man die Sache verständlicherweise etwas anders. Man habe, sagt Konzernsprecher Alexander Schramm, das an der verkehrsreichen Skalitzer Straße gelegene Areal schon vor fünf Jahren gekauft. "Der Widerstand kommt ein bisschen überraschend." Außerdem biete das Restaurant etwa 35 Arbeitsplätze und füge sich gut in die Umgebung ein. Auch der "Müllproblematik" werde man begegnen.
Widerstand ist der McDonald's-Konzern gewöhnt. So sah man sich vor Jahren im oberbayerischen Dorf Irschenberg einer radikalen Allianz von Bauern und Naturschützern gegenüber. Es ging um ein Restaurant in idyllischer Lage an der Autobahn 8. Die damaligen Gegner unterlagen. Auch heute nimmt Konzernsprecher Schramm die Proteste gelassen. Er sagt: "Meistens können wir die Bedenken gegen uns ausräumen."
"Leben, das ist Bewegung": Felix Grützner tanzt auf Beerdingungen, um an die Verstorbenen zu erinnern und Raum für Gefühle zu schaffen. Jetzt lesen ...
(SZ vom 25. Mai 2007)
Studie von UN-Kinderhilfswerk
Dass der Protest gegen McDonalds höchst reaktionär, spießig und unreflektiert ist und alle Vorurteile über das piefige Kreuzberg bestätigt, sollte den AktionistInnen allein dadurch bewusst werden, dass Ch. Ströbele angestrengt versucht mitzuwirken!
Ich bin ein große Fan von Herrn Ströbele und seine Gradlinigkeit. Dennoch finde ich dass er seine Energien und seine Zeit viel besser investiren könnte, wenn er sich des offensichtlichen und sehr gefährlichen Drogenhandels in Friedrichshain-Kreuzberg annehmen würde. Ich frage mich auch, dass die im Artikel erwähnten "Aktivisten" die viel krasseren "Gefahren" in unserem Bezirk nicht sehen (Verwahrlosung, Drogenhandel, Drogenkonsum, Jugendkriminalität und Gewalt, etc...). Ich finde Menschen, die in Ihre Freizeit sich Gemeinnützig engagieren lobenswert, aber ich werde hier das Gefühl nicht los, das die zu erwartende Medienresonanz bei der Initiative eine Rolle gespielt hat...
[ironie]Sie scheinen den Kiez sehr gut zu kennen! Berlin generell.[/ironie]
Ja, der Vergleich ist kulturhistorisch gerechtfertigt (wohlgemerkt: vergleichen heißt nicht: gleichsetzen). Denn auch hier ging es um die Wahrnehmung von Verdrängung und die spätere Integration ins selbstverständliche lokale Bild. Ob die Cafégebäude des 19. Jahrhunderts schön waren, lag und liegt auch sehr im Auge des Betrachters (fragen Sie mal Bauhaus-Vertreter der 20er Jahre, die widerte die Kitsch-Ästhetik dieser Lokale an!). Dass Mc Donalds Vielfalt kapputtmacht, ist angesichts einer Stadt, in der es ca. 5000 Lokale und 41 McDo-Filialen gibt, auch kaum zu bestätigen. Es scheint hier eher um die subjektive Angst vor einer "gefühlten" Nivellierung zu gehen, die (wie immer in Situationen, in denen man sich schwach und bedrängt fühlt) zu irrrational-hysterischen Gegenreaktionen führen, wie man sie jetzt in Kreuzberg erlebt. Das nimmt nicht Wunder, denn die Menschen in diesem Stadtteil sind in der Tat selten in einer sozialen Position, in der sie wirklich konstruktiv auf ihr Umfeld Einfluss nehmen könnten.
kulturelle Verflachung! Die Argumentation ist ja konservativer als die schwäbische Provinz! Wollen sich da ein paar Alt-68er und Zuspätgeborene ihr Paradies nicht kaputt machen lassen?
Mal im Ernst, Dönerbuden sehen auch ziemlich gleich aus und es gibt auch McDs, deren Fassade an die Umgebung angepasst ist. Und in Anbetracht der vielen Fast-Food-Schuppen (McD, Burger King, Subway, KFC, an JEDER Ecke Dunkin Donut) in Berlin gibt es trotzdem noch genügend andere Restaurants, Kneipen und Imbißbuden. Also wo bitte liegt das Problem?
Wenn die Schüler lieber Burger wollen sollte sich der Schulleiter doch lieber fragen, warum seine Mensa so schlecht ankommt. Oder wie sich die Kids das (nicht gerade günstige) Essen bei McD leisten können. Aber verbieten kann man es ihnen wohl kaum (Selbstbestimmung und so).
Wenn das Schulklima ernsthaft durch ein Fast-Food-Restaurant gefährdet werden kann, dann habe ich nicht viel Vertrauen in diese Schulleitung.
Es werden auch weiterhin keine Ronald McDonalds mit vorgehaltenem Big Mac die KreuzbürgerInnen zu McD zwingen. Man kann auch zu X-Burger gehen, ist eh viel besser!
Was ist denn aus dem Toleranzpostulat geworden? Funktioniert das nur, solange alle schön das machen, was ein paar Leutchen bestimmen?
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