Polizeieinsatz in Delhi Ausschreitungen bei Protesten wegen Massenvergewaltigung

Alle 14 Stunden wird in Delhi ein sexueller Übergriff angezeigt. Der Fall einer 23-Jährigen, die nach einer Massenvergewaltigung um ihr Leben kämpft, sorgt in Indien für anhaltende Proteste - und die Polizei setzt Tränengas ein.

In Delhi ist es bei einem Massenprotest nach der brutalen Gruppenvergewaltigung einer 23-Jährigen zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Schlagstöcke gegen die Demonstranten ein, die zu Tausenden auf den Präsidentenpalast zumarschierten. Zu den Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften kam es, als eine Gruppe versuchte, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen.

Die Demonstranten, die meisten von ihnen Studenten, forderten die Todesstrafe für die Beschuldigten und verschärfte Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Frauen. "Wir wollen Gerechtigkeit" und "Hängt die Vergewaltiger", forderten Demonstranten bei den Protesten, die den sechsten Tag in Folge andauerten.

Die junge Frau war vor einer Woche fast eine Stunde lang von mehreren Tätern missbraucht und anschließend aus einem fahrenden Bus auf eine belebte Straße in der indischen Hauptstadt geworfen worden. Sie kämpft im Krankenhaus ums Überleben. Fünf Männer wurden festgenommen.

In keiner anderen indischen Großstadt werden so viele Sexualverbrechen gemeldet wie in der 16-Millionen-Metropole Delhi. Im Schnitt wird nach Polizeiangaben alle 18 Stunden eine Vergewaltigung angezeigt, andere sexuelle Übergriffe werden alle 14 Stunden registriert. Die schnell steigende Zahl der angezeigten Vergewaltigungen, von 564 im Jahr 2011 auf 661 im Jahr 2012, erklärt Neeraj Kumar, ein hochrangiger Beamter in der Verwaltung von Delhi, gegenüber dem britischen Guardian damit, dass mehr und mehr Frauen sich stark genug fühlen, die Vorfälle anzuzeigen.

Das Verbrechen gegen die 23-Jährige hat landesweit Empörung und Proteste ausgelöst. In immer mehr Städten wurden Mahnwachen, Demonstrationen und Protestmärsche organisiert.

Die Regierung rief die Demonstranten zur Ruhe auf. "Das ist keine Art zu protestieren", sagte Innenministeriumsvertreter R.P.N. Singh dem Sender CNN-IBN. "Der Versuch, Gebäude zu stürmen und Barrikaden niederzureißen, ist kein Weg, um einen Dialog zu beginnen."

Sozialwissenschaftlerin Ranjana Kumari wünscht sich gegenüber tagesschau.de, dass Polizei und Justiz nach den existierenden Gesetzen handeln. "96 Prozent aller Fälle sind nur eine Akte. Und in den Fällen, die tatsächlich verhandelt werden, gibt es keine Verurteilung. Drei von vier Tätern bleiben straffrei."

Indes hat die Association of Deomcratic Reforms, ein renommierter Thinktank aus Indien, eine Liste veröffentlicht, die hunderte Männer auflistet, die in den letzten fünf Jahren bei Parlamentswahlen antreten durften, obwohl ihnen sexuelle Übergriffe vorgeworfen wurden. In 30 Fällen handelt es sich um Vergewaltigung.