Von Michael Frank, Wien

In Österreich wird nun offen über heikle private Details des Verunglückten diskutiert, weil sie auch politische Folgen haben.

Selten haben persönliche Umstände derart große politische Auswirkungen wie im Falle des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider. Schnell hatte es nach Haiders Unfalltod geheißen, das von ihm gegründete und geführte Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) solle nun von Stefan Petzner geleitet werden, dem bisherigen Generalsekretär der Partei.

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Jörg Haider und zwei seiner jungen Mitarbeiter: Stefan Petzner (rechts) und Martin Strutz (links), beide vorübergehend gemeinsam BZÖ-Generalsekretäre. (© Foto: dpa)

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Doch der 27-Jährige ist umstritten in diesem Amt. Zum Verhängnis wird ihm offenbar seine übergroße Nähe zu Haider. Auch als Vorsitzender der neuen Nationalratsfraktion in Wien konnte er sich nicht durchsetzen. Man zog ihm den eher blassen Josef Bucher aus der Kärntner Parteiorganisation vor, die als einzige etwas Substanz in dem bislang nur auf Haider zugeschnittenen BZÖ hat. Petzner wurde erster von fünf Stellvertretern in der 21-köpfigen Fraktion.

Der Widerstand gegen Petzner hat mit der Abneigung vieler Parteimitglieder gegenüber der gleichsam dynastischen Nachfolge zu tun: Petzner war jahrelang so etwas wie Haiders Lebensgefährte. Daher auch die anhaltende Erschütterung Petzners nach Haiders Tod, den er als erster - andere machten es nach - seinen "Lebensmenschen" nannte. Dass dies bei dem jungen Mann der Wirklichkeit ziemlich nahe sein könnte, wollen viele im BZÖ indessen nicht unbedingt als Qualifikation nehmen.

Petzners Fassungslosigkeit erklärt sich auch daraus, dass ein Beziehungsdrama möglicherweise den Tod des österreichischen Rechtspopulisten mitverursacht hat. Auch wenn derlei sehr privat ist, verlangt doch Österreichs Öffentlichkeit immer energischer Aufklärung über den wirklichen Hergang des katastrophalen Unfalls. Demnach ist Haider von einer Festlichkeit fast nüchtern mit seinem Dienstwagen abgefahren.

Doch dann verunglückte er südlich von Klagenfurt im Ortsbereich nach Berechnungen der Polizei mit einer Geschwindigkeit von 184 Kilometern in der Stunde und 1,77 Promille Alkohol im Blut. Was er in den anderthalb Stunden dazwischen getan hat, das galt zunächst als ungeklärt. Inzwischen wurde bekannt, dass Haider ein Homosexuellenlokal in Klagenfurt aufsuchte. Dort soll er in Begleitung mehr als eine Flasche Wodka konsumiert haben.

Diese Tatsache hat offenbar zu Zerwürfnissen im unmittelbaren persönlichen Umfeld geführt. Haider hat jedenfalls, so ergibt sich aus Indiskretionen seiner Mobilfunkgesellschaft, während der fraglichen Fahrt telefoniert - dem Hörensagen nach mit Petzner. Er hat außerdem SMS empfangen und verschickt. Direkt danach bricht der Netzkontakt seines Mobiltelefons ab. Zwei Minuten später meldet eine Zeugin, sein zertrümmertes Fahrzeug vorgefunden zu haben.

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