Nordsee Tierschützer beklagen 150 tote Seehunde

Tierschützer sorgen sich um die Seehunde in der Nordsee. Das junge Tier im Bild hat im vergangenen Jahr an einem Auswilderungsprogramm teilgenommen. (Archivbild von August 2014)

(Foto: AP)

Ungewöhnlich viele tote Seehunde werden zurzeit an den Küsten der Nordseeinseln gefunden. Experten befürchten ein Massensterben der Tiere.

Tierschützer befürchten im Wattenmeer ein Massensterben von Seehunden. Zurzeit werden an Schleswig-Holsteins Nordseeküste zahlreiche tote und schwer kranke Seehunde gefunden. "Seit Ende vergangener Woche waren es auf Helgoland und Amrum täglich jeweils fünf bis zehn Tiere, auf Sylt bis zu 16. Ingesamt sind seit Anfang Oktober 150 tote Tiere entdeckt worden", sagte Hendrik Brunckhorst vom Nationalparkamt in Husum. Viele der Tiere seien bereits ausgewachsen gewesen.

In Büsum untersuchen Experten der Tierärztlichen Hochschule Hannover, ob Staupe- oder Influenzaviren eine Rolle spielen. Letztere seien für die dänische Ostseeinsel Anholt nachgewiesen worden, wo im August mehr als hundert tote Seehunde gefunden worden waren. Erste Ergebnisse sollen im Laufe der Woche vorliegen.

In der Vergangenheit hatten Tierschützer bei zwei Ausbrüchen der Seehundstaupe ein Massensterben der Meeressäuger an den Küsten von Nord- und Ostsee beobachtet. 1988 verendeten etwa 18 000 Tiere, 2002 wurden mehr als 21 700 tote Tiere gezählt.

Das Virus verbreitet sich an den Liegeplätzen der Seehunde. Bei einem Ausbruch wird das Immunsystem geschwächt. Überlebende Tiere bilden Antikörper und sind danach für eine Zeit immun gegen die Seuche. Die Abwehrkräfte lassen jedoch mit jedem Jahr nach.