Neue Rechtschreibung Sieg des Deppenapostrophs

Früher war alles irgendwie besser: Viele schrieben "Ulli's Imbiss" - und einige wussten, dass es eigentlich "Ullis Imbiss" heißen muss. Doch zum Ärger der Sprachpfleger erlaubt der neue Duden beide Formen.

Ein Interview von Martin Zip's

Gerd M. Hofmann, 46, findet die Legalisierung des "Deppenapostrophs" gar nicht gut. Seit Jahren sammelt der Autor aus Heilbronn ihm unlogisch erscheinende Apostrophe auf Schildern, Plakaten und in Zeitungen. Diese stellt er dann unter www.apostrophen-alarm.de ins Internet.

SZ: Herr Hofmann, seit wann sammeln Sie Deppenapostrophe?

Hofmann: Seitdem ich vor genau zehn Jahren mal in Dresden aus einer Straßenbahn ausgestiegen bin und an einem Antiquitätenladen das Schild sah: "Sammle alles aus Oma'ß Zeiten". In den nächsten Wochen und Monaten sind mir immer mehr komische Apostrophe aufgefallen.

SZ: Und die haben Sie dann fotografiert?

Hofmann: Ja. Seit 1997 stelle ich das ins Internet. Mittlerweile bekomme ich mehrere falsche Apostrophe pro Woche als Bilddatei zugeschickt. Einen Teil davon veröffentliche ich. Der Deppenapostroph ist mittlerweile in Deutschland schon fast selbstverständlich.

SZ: Vom 1. August an ist er laut neuem Duden erlaubt.

Hofmann: Der Duden sagt zwar, dass es im Deutschen kein Genitiv-S mit Apostroph gibt. Aber er sagt auch, dass man das machen kann, um beispielsweise einen Eigennamen hervorzuheben. Beispiel: Maria's Waschsalon.

SZ: Und? Ist das in Ordnung?

Hofmann: Persönlich finde ich das schrecklich. Aber viele Menschen tun es einfach. Entweder aus Unwissenheit, oder weil sie sich schlicht nicht für ihre Sprache interessieren. Mir fällt der falsche Apostroph immer ins Auge.

SZ: Es gibt im Internet einige Seiten wie Ihre. Die heißen dann "Gruselapostroph", "Rette't de'n Apo'stro'ph!" Steckt da auch ein gewisser Missionierungsdrang dahinter?

Hofmann: Nein. Menschen, die falsch schreiben, würden nie diese Seiten lesen. Die verstehen gar nicht, was sie da falsch machen.

SZ: Glauben Sie, dass Sprache bald dem Prinzip gehorchen wird: Hauptsache man versteht, was gemeint ist?

Hofmann: Das kann ich mir gut vorstellen. Ein befreundeter Lehrer erzählte mir jüngst, seine Schüler wären der Ansicht: Ist doch egal, wie es geschrieben ist, wenn man es nur versteht.

SZ: Es gibt auch Schriftstücke - zum Beispiel Briefe von Behörden -, die zwar orthographisch korrekt abgefasst wurden, aber im Sinn völlig unverständlich sind.

Hofmann: Auch das gibt es. Mich persönlich aber stört es, wenn beispielsweise AGBs mit Apostroph geschrieben werden.

SZ: Werden Sie Ihre Sprachkritik ausweiten? Die Münchner Busse zeigen als Fahrziel zum Beispiel "Aidenbachstrasse" an. Nicht "Aidenbachstraße".

Hofmann: Das auch noch zu protokollieren - dafür fehlt mir die Zeit.

SZ: Haben Sie schon jemanden bekehren können?

Hofmann: Eine Kartoffelfirma änderte den Aufdruck "Reibi's" auf ihren Reibekuchentüten. Ein gewisser Erfolg. Ja.

SZ: Aber die Schokoküsse Dickmanns heißen weiterhin Dickmann's.

Hofmann: Viele Marketingabteilungen achten eher auf optische Reize, weniger auf orthographische Finessen. Es verwundert mich, dass noch nicht einmal professionelle Werbeagenturen ihre Fehler bemerken. Am schlimmsten war für mich das Wort "Lexica's" in einem Medienmarkt. Gleich drei Fehler in einem Wort! Manchmal setzen die Menschen auch statt des Deppenapostrophs ein Deppenkomma, weil sie die Apostrophtaste auf der Tastatur nicht finden.