Naturgeister in Island Elfen-Lobby stoppt Bauprojekt

In Island fällt es leicht, sich die Existen von Wesen wie Elfen vorzustellen

Umweltschützer haben den Bau einer Autobahn im Südwesten Islands gestoppt - aus Angst um die dort lebenden Elfen. Zwar behaupten immer mehr Einwohner, nicht an die Naturgeister zu glauben, dennoch blockierten Hunderte die Baustelle. Jetzt muss das oberste Gericht entscheiden.

Wo das Klima rau, die Natur wild und die Nächte lang sind, gehören Naturgeister wie Elfen, Trolle und Kobolde noch immer zu den Begleitern der Menschen - nicht nur in Märchen und Sagen. Was den Iren der grün gewandete Leprechaun mit seinem Schatz am Ende des Regenbogens, sind den Isländern die Elfen.

Fragt man als Tourist in den hippen Cafés der isländischen Hauptstadt Reykjavik nach diesen sphärischen Wesen, dürfte man zwar mit hochgezogenen Augenbrauen und Kopfschütteln konfrontiert werden. Doch der Glaube an die Naturgeister, die Huldufólk, ist in der isländischen Gesellschaft tief verwurzelt. Laut einer Studie der Universität von Island glauben 62 Prozent der Befragten, dass die Existenz von Elfen zumindest möglich sein kann. Abseits der Hauptstadt stehen in vielen Gärten kleine Holzhäuschen für das sogenannte versteckte Volk und an Weihnachten legen sie Essen raus. Sogar Miniaturkirchen haben die Isländer den Naturgeistern gebaut, damit sie zum Christentum konvertieren.

Die Straße zerstört den Lebensraum der Elfen und ihre Kirche

"Isländer sind ein kleines Völkchen, also verdoppelten wir in den alten Zeiten unsere Bevölkerung mit Geschichten über Elfen und Feen", sagte Islands Präsident Ólafur Ragnar Grímsson einmal dazu. Auch in der Gegenwart ist diese andere Hälfte der isländischen Gesellschaft so mächtig, dass sie - unsichtbar und für viele nicht einmal existent - Bauprojekte kippt, oder zumindest verzögert. Nicht durch Zaubersprüche, sondern für Proteste machte die Elfenlobby gegen eine geplante Autobahn im Südwesten der Insel mobil.

Die Gruppe "Friends of Lava", die sich für Umweltschutz und Elfenrechte einsetzt, animierte Hunderte Isländer, eine Baustelle zu blockieren. Die geplante Autobahn zwischen der Halbinsel Álftanes und Gardabaer, einem Vorort von Reykjavik, zerteilt aus Sicht der Lobbyisten um den Umweltschützer Andri Snaer Magnason nicht nur das Gálgahraun-Lava-Feld und zerstört Nistplätze, sondern auch den Lebensraum der Naturgeister und sogar eine Elfen-Kirche. "Ich habe in einer Kirche geheiratet, mit einem Gott, der genauso unsichtbar ist wie die Elfen, was irrational wirkt, ist eigentlich ziemlich verbreitet - zumindest für Isländer", sagte Magnason der Nachrichtenagentur AP.

Elfenbelange als Teil des Umweltschutzes

Hauptmotivation der Gruppe ist zwar die mögliche Zerstörung der Landschaft mit einigen Lavafeldern, doch die Belange der Elfen betrachten die Umweltschützer als Teil der Geschichte und Kultur des Landstrichs. Die selbsternannte Seherin Ragnhildur Jónsdóttir glaubt, dass sie durch Telepathie mit den Naturgeistern kommunizieren kann. Die Straße "wäre ein grausamer Verlust für die Welt der Elfen und für uns Menschen", sagte sie AP.

Mögen Spötter und Rationalisten den Kopf schütteln - die Huldufólk werden nicht als bloßer Hokuspokus abgetan: Das Bauprojekt wurde vorerst eingestellt, das oberste isländische Gericht muss über den Fall entscheiden. Ungewöhnlich? Nicht in Island. Die Straßen- und Küstenverwaltung hat laut AP mittlerweile schon Routine für Elfenproteste entwickelt: "Diese Probleme werden ausgeräumt, indem die Bauprojekte verschoben werden, bis die dort lebenden Elfen möglicherweise weitergezogen sind."