Nach Eklat in Nordrhein-Westfalen Muslimischer Schützenkönig darf seinen Titel behalten

Schützenkönig Mithat Gedik (hier mit seiner Frau Melanie) darf sein Amt jetzt doch ausüben, aber nur in seinem Dorf.

(Foto: AP)

Erleichterung in einem kleinen Dorf in Westfalen: Ein muslimischer Schützenkönig, der bei seinen Verbandsoberen auf Ablehnung stieß, muss seine Königskette jetzt doch nicht abgeben. Vollständig rehabilitiert ist er trotzdem nicht.

Von Oliver Klasen

Die Mitglieder der St. Georg Schützenbruderschaft in Werl-Sönnern, einem kleinen Ort irgendwo zwischen Dortmund und Paderborn, hatten in den vergangenen Tagen mehr Aufmerksamkeit, als sie sonst gewohnt sind. Kirchliche Würdenträger und Politiker bezogen Stellung, Dutzende Presseanfragen gingen beim Vereinsvorstand ein, die Anti-Diskriminierungsbeauftragte der Bundesregierung schaltete sich ein, und sogar die britische BBC interessierte sich für den Fall.

Der Grund ist der Schützenkönig Mithat Gedik. Der wurde Mitte Juli beim Schützenfest feierlich gekürt, ist sehr beliebt in Sönnern, wo er seit Jahren lebt. Gedik hat eine katholische Frau geheiratet, vier Kinder, engagiert sich auch bei der Freiwilligen Feuerwehr, kurzum: Er ist ein Musterbeispiel an Integration, aber er ist nun mal: Moslem.

Darüber gab es in den vergangenen Tagen heftigen Streit. Der Bund Deutscher Historischer Schützenbruderschaften, jener Dachverband, zu dem auch die Sönnerner Schützen gehören, wollte einen Schützenkönig Mithat nicht akzeptieren. Die Schützenbruderschaften seien nun einmal christliche Vereinigungen, so stehe es auch in der Satzung der St. Georg Bruderschaft von Sönnern. Das könne man nicht von heute auf morgen und nach Gutdünken ändern, so Rolf Nieborg, der Sprecher des BHDS.

Ein König, der keiner sein darf

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Die Kritiker warfen dem Dachverband Diskriminierung vor. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) sprach zum Beispiel von einem "Stück aus dem Tollhaus", das von "Provinzialität" zeuge.

Doch jetzt scheint ein Kompromiss gefunden: Schützenkönig Mithat Gedik darf seine Königskette, das Insignium seiner Regentschaft, behalten. Das hat der BHDS-Vorstand am Mittwochnachmittag entschieden. Die Vorstandsmitglieder des Dachverbandes tagten bei einer Krisensitzung in Leverkusen, um zu beraten, wie mit dem muslimischen Schützenkönig zu verfahren sei. Man sei übereingekommen, dass aus "Respekt gegenüber dem Schützenbruder Mithat Gedik ausnahmsweise keine Einwände gegen seine Königswürde in seiner Bruderschaft" erhoben werden (Hier die Presseerklärung im Wortlaut).

"Schritt in die richtige Richtung"

Allerdings darf Gedik nicht an Turnieren der höheren Ebenen teilnehmen. Beim Bezirksschützenfest Ende August darf er also nicht antreten. Außerdem weist der BHDS die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Man wolle sich nicht als Beispiel einer "intoleranten Gesellschaft" oder einer "integrationsfeindlichen Kultur" hinstellen lassen. Und es dürfe nicht der Eindruck entstehen, "katholische Schützenbruderschaften würden Mitgliedern anderer Religionen ohne Respekt begegnen".

Aber wenn "Nichtchristen in unseren katholischen Bruderschaften Mitglieder werden, bedeutete dies letztendlich, das Recht auf eigene Identität und Bindung zur katholischen Kirche aufzugeben", so heißt es in der Presseerklärung.

Bei den Schützen in Sönnern stößt der jetzt gefundene Kompromiss auf Erleichterung: "Wir freuen uns für unseren König und sind froh, dass der Bundesverband einen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat", sagt Thomas Rüter, der Vorjahres-Schützenkönig und Geschäftsführer der Bruderschaft. Die "nette Geste" des Dachverbandes verdiene Anerkennung. Mehr sei in der Kürze der Zeit nicht zu erreichen gewesen, schließlich könne man nicht sämtliche Satzungen über den Haufen werfen, so Rüter. "Das ist eine Lösung, mit der alle Beteiligten leben können."