Morde des Ku-Klux-Klan Aufklärung am Mississippi

Wie ein Dokumentarfilmer 43 Jahre nach dem Mord an zwei schwarzen Teenagern den rassistischen Täter fand.

Von Bernadette Calonego

Die Schlüsselszene des Dokumentarfilmes "Mississippi Cold Case" hat etwas Beklemmendes. Da steht ein Schwarzer am Straßenrand des Highway 33 bei Meadville im US-Staat Mississippi vor der Einfahrt eines Grundstückes. "Ich bin der Bruder von Charles Eddie Moore", ruft der Schwarze einem weißhaarigen Mann zu, der daraufhin in dem Wohnwagen verschwindet.

Nach seiner Festnahme: James Seale wird abgeführt

(Foto: Foto: AP)

"Warum kommen Sie nicht heraus und zeigen sich als Mann?" Da weiß der Zuschauer schon, dass es dem Film gelang, einen 43 Jahre alten ungelösten Mord an zwei 19-jährigen Schwarzen durch Mitglieder des Ku-Klux-Klans im Januar 2007 aufzuklären und vor ein US-Gericht zu bringen.

Der alte Mann im Wohnwagen ist der 71-jährige ehemalige Hilfssheriff und Fernfahrer James Seale, der mutmaßliche Mörder von Henry Hezekiah Dee und Charles Eddie Moore, die entführt, gefoltert und dann in den Fluten des Mississippi ertränkt wurden. Der schwarze Mann am Straßenrand ist Charles Moores Bruder Thomas, ein 63-jähriger Vietnam-Veteran, der nie über den Mord hinweggekommen war.

Filmemacher David Ridgen hatte Thomas Moore aufgespürt, als er den legendären Mord an drei Bürgerrechtlern im Sommer 1964 in Mississippi recherchierte. Dabei sah der Kanadier Bilder von Polizeibeamten, die damals Leichenteile aus dem Mississippi fischten.

Wendepunkt in der Geschichte der Bürgerrechtsbewegung

Die grausigen Funde lösten seinerzeit große Aufregung aus, denn man hielt sie vorübergehend für die Überreste der drei jungen Bürgerrechtskämpfer, die im Neshoba County verschwunden waren. Der Fall galt als Wendepunkt in der Geschichte der Bürgerrechtsbewegung, weil das FBI erstmals gegen einen rassistischen Sheriff und seine Schergen vorging.

1988 wurde die Geschichte unter dem Titel "Mississippi Burning" mit Gene Hackman und Willem Dafoe sogar verfilmt und für sieben Oscars nominiert.

So viel Aufmerksamkeit hatte stets den Mord an den zwei schwarzen Teenagern am 2. Mai 1964 überschattet. Auch da hatte das FBI ermittelt. Auf den Hinweis eines Informanten in den Reihen des Ku-Klux-Klans wurden sogar die zwei Verdächtigen James Seale und Charles Edwards verhört. Den Akten zufolge nahm der damals 29-jährige Lastwagenfahrer Seale die schwarzen Anhalter mit und holte dann ein paar Ku-Klux- Klan-Leute dazu, darunter seinen Vetter Charles Edwards.

Die Rassisten fesselten ihre Opfer in einem Waldstück an einen Baum und peitschten sie blutig. Dann fuhren sie die Schwerverletzten an den Mississippi, banden sie an Eisenbahnschwellen fest und versenkten sie lebend im Fluss. Edwards gestand damals die Entführung von Moore und Dee, wollte aber nichts mit deren Ermordung zu tun haben. Seale sagte aus, er sei es gewesen, aber man müsse ihm den Mord beweisen. Die FBI gab den Fall an die örtliche Polizei weiter, die ihn stillschweigend einstellte.

Der angeblich Tote lebte

Ridgen realisierte sofort, was für eine Geschichte er da gefunden hatte. Er fuhr mit Thomas Moore mehrfach nach Mississippi. Vor einer Baptistenkirche stellten sie dann Charles Edwards, der nun Prediger war, und Moore übergab ihm den Umschlag mit FBI-Akten. Edwards sagte, bevor er im Gotteshaus verschwand: "Ich habe Ihren Bruder nicht umgebracht."

Der eigentliche Coup gelang Ridgen, als er und Moore von Einheimischen hörten, dass Seale noch lebte. Der ehemalige Ku-Klux-Klan-Mann hatte durch Verwandte verbreiten lassen, er sei gestorben. Mit Hilfe des US-Staatsanwalts Dunn Lampton wurden Seal und Edwards verhaftet.

Seale wurde der zweifachen Entführung und Verschwörung zum Mord beschuldigt und plädiert auf unschuldig. Edwards soll laut Zeitungsberichten mit den Ermittlern zusammen arbeiten. Der Prozess gegen Seal ist auf April angesetzt. Der 38-jährige David Ridgen hat damit einen neuen Maßstab für investigative Filmarbeit geliefert.