Mord im Greyhound-Bus "Er aß das Fleisch seines Opfers"

Nach dem Horrormord in einem kanadischen Bus sagen Freunde des mutmaßlichen Mörders, sie hätten schon früh seltsame Züge an Vince Weiguang Li bemerkt.

Von Bernadette Calonego

Der 40-jährige Vince Weiguang Li hat mit seiner grausigen Bluttat in einem Greyhound-Bus ganz Kanada entsetzt. Aber sein früherer Arbeitgeber Vincent Augert beschreibt den mutmaßlichen Mörder in der kanadischen Zeitung The Globe and Mail als ruhig, freundlich und zuverlässig.

Vince Weiguang Li wird von Polizeibeamten abgeführt.

(Foto: Foto: AP)

Li, der am Mittwochabend einen jungen Mitreisenden im Bus ohne Vorwarnung erstach und dann vor den Augen schockierter Passagiere enthauptete, trug für Augerts Firma in der kanadischen Stadt Edmonton Zeitungen aus. Daneben arbeitete Li in einem McDonald's-Restaurant. "Er kam jeweils, holte die Zeitungen, sprach mit niemandem", sagte Augert.

Nach einem Bericht der Winnipeg Free Press war Vince Weiguang Li vor vier Jahren aus China nach Kanada emigriert. Obwohl Li und seine Frau schnell Arbeit und Anschluss bei einer Baptisten-Kirche in Winnipeg fanden, sahen Mitglieder einer Familie, die sich mit dem Paar anfreundeten, eine beunruhigende Seite an Li. "Er wirkte irgendwie verloren", sagte ein Mitglied der Familie, die anonym bleiben wollte, in dem exklusiven Zeitungsinterview. "Er schien immer auf der Suche nach etwas zu sein."

Die befreundete Familie berichtete auch, Li sei verstört und seine Probleme seien offensichtlich gewesen, aber er habe sich geweigert, einen Arzt aufzusuchen. Li habe auch spontane Busfahrten unternommen, die seine Frau überrascht hätten. Nachdem er einmal eine Verkehrsbuße einstecken musste, habe er geglaubt, man sei hinter ihm her. Li sei sonst immer eher ruhig gewesen, heißt es im Bericht.

Geschwiegen hat Li auch, als er am Freitag dem Richter von Portage la Prairie in der Provinz Manitoba in Hand- und Fußschellen vorgeführt wurde. Den Kopf gesenkt, antwortete er nur durch Nicken auf die Fragen des Richters. Der Staatsanwalt beantragte ein psychiatrisches Gutachten. Nach Angaben der Polizei hat Li, der des Mordes mit bedingtem Vorsatz beschuldigt ist, keine Vorstrafen.

Sein ehemaliger Chef Vincent Augert kann nicht fassen, dass Li zu so einem furchtbaren Verbrechen fähig war. "Es gab nichts, dass darauf hindeutete, dass er es in sich hätte, so etwas zu tun", sagte Augert. Gegenüber den Medien äußerte er die Vermutung, dass es Probleme in Lis Ehe gab. Am vergangenen Mittwoch sei Li plötzlich nicht zur Arbeit erschienen. Als Augert auf dessen Handy anrief, habe seine Ehefrau gesagt, Li sei wegen eines Notfalls verreist.

Sein Opfer Tim McLean, ein 22-jähriger Jahrmarktarbeiter aus Winnipeg, befand sich auf dem Weg nach Hause, als ihn der Tod einholte. Vom Greyhound-Bus aus hatte er seinem Vater eine Textnachricht geschickt und sein Kommen angekündigt, wie dieser dem kanadischen Fernsehen CBC News sagte. Tim McLean wurde von Augenzeugen ursprünglich als indianisch beschrieben, ist aber ein weißer Kanadier.

Bevor Li ohne Vorwarnung auf sein neben ihm sitzendes kleinwüchsiges Opfer einzustechen begann - seine Freunde nannten ihn "Timmy" -, schickte McLean auch seiner Ex-Freundin zahlreiche gutgelaunte Textnachrichten. Nichts hätte ihn auf Lis plötzlichen Überfall vorbereiten können, bei dem dieser laut Augenzeugenberichten "wie ein Roboter" mit einem großen Jagdmesser auf McLean einstach.

Später soll Li den blutigen Körper "wie ein Tier" ausgeweidet haben. Die Zeitung The Globe and Mail schrieb, laut "Berichten vom Tatort" soll Li auch Leichenteile verspeist haben. Am Wochenende tauchte im Internet vorübergehend ein internes Funk-Gespräch von Polizisten auf, die am Mittwoch am Tatort waren. Nach Angaben der Zeitung sagte danach ein Beamter, der mit einem Messer und einer Schere bewaffnete Täter schände die Leiche. Ein anderer teilte später über Funk mit: "Okay, er ist jetzt hinten im Bus. Er hackt Stücke ab und isst sie."