Millionendiebstahl auf Swiss-Flug "Eigentlich kann so etwas gar nicht passieren"

Die Tat erinnert an den Lufthansa-Raub aus dem Jahr 1978, als die Mafia am John-F.-Kennedy-Flughafen fünf Millionen Dollar Bargeld erbeutete. Diesmal allerdings gab es keine Waffen, keine Verletzten. Völlig unbemerkt verschwanden bei der vermeintlich sichersten Airline für Bargeld-Transporte 1,2 Millionen Dollar.

Von Kathrin Werner

Es ist, als würde sich die Geschichte wiederholen, als würde ein alter Film wieder ablaufen. Der Lufthansa-Raub aus dem Jahr 1978 gilt als einer der spektakulärsten Kriminalfälle Amerikas. Am John F. Kennedy International Airport in New York erbeutete die Mafia rund fünf Millionen Dollar Bargeld und dazu noch Juwelen. Die Bande schlug Wachleute nieder, rannte bewaffnet durch die Cargohallen der deutschen Airline. Nach dem Coup zerstritten sich die Komplizen, am Ende waren fast alle tot. Martin Scorsese machte das Mafia-Drama "Good Fellas" daraus.

Diesmal gibt es keine Waffen, keine Verletzten, keine Toten. Aber sehr viele Rätsel. 1,2 Millionen Dollar sind verschwunden. Sie waren auf dem Weg von Zürich nach New York, von einer Bank zur anderen, sauber gestapelt in 100-Dollar-Scheinen, versiegelt in einem Transportcontainer. Samstagmittag um 12:24 Uhr hätte das Geld ankommen sollen am Flughafen John F. Kennedy, im Bauch des Fluges LX 16 der Swiss. Dass es fehlt, ist erst Montag bemerkt worden. Das FBI ermittelt. Eine heiße Spur gibt es noch nicht.

"Wir prüfen den Fall gründlich, können aber zu Details der Ermittlungen keine Auskunft geben", sagt eine Sprecherin der amerikanischen Bundespolizei. Laut Medienberichten hat der Dieb - oder die Bande - zwei große Löcher in die Sicherheitskiste gebohrt und das Geld herausgefischt. Zunächst sah es aus, als habe ein Gabelstapler die Box beschädigt. Wo genau das passiert ist, ob auf dem Weg zum Flughafen Zürich oder an einem der beiden Airports, ist bisher ungeklärt. Angeblich verhört das FBI alle Mitarbeiter des New Yorker Flughafens, die irgendwie in Kontakt mit dem Geld hätten kommen können, mit Lügendetektoren.

Millionen fliegen täglich um den Erdball

"Eigentlich kann so etwas gar nicht passieren", sagt ein Mitarbeiter einer Fluggesellschaft, der sich mit dem Transportgeschäft auskennt. Die Airlines sind für die teure Fracht zuständig, sobald sie von der Sicherheitstransportfirma am Flughafen abgegeben wird. Sie prüfen sie genau, dann kommen Bargeld, Schmuck und andere Wertsachen durch eine Security-Schleuse in eine Halle, zu der kaum ein Mitarbeiter Zugang hat.

Für die Fluggesellschaften ist der Transport von Bargeld ein Standard-Geschäft. Millionen fliegen täglich um den Erdball. Laut der amerikanischen Notenbank Federal Reserve sind derzeit 1,15 Billionen Dollar auf Reisen. Die Zahl steigt seit Jahren rasch, im Jahr 2000 waren es noch 550 Milliarden Dollar. Die zwölf Regionalableger der Fed verteilen das Geld in die Welt. Laut Medienberichten waren die 1,2 Millionen Dollar auf dem Weg von der Filiale einer amerikanischen Bank in der Schweiz zur Federal Reserve Bank of New York in East Rutherford.

Besonders für die Lufthansa-Tochter Swiss mit ihren Flügen vom Finanzplatz Zürich sind die vermeintlich sicheren Cash-Transporte tägliche Routine, heißt es im Konzern. "Es ist sogar ein sehr einträgliches Geschäft." Eine Sprecherin der Swiss will sich zu dem Fall nicht äußern. Ein Indiz, dass es diesmal keine Mafiosi waren, die das Geld erbeuteten, gibt es: Der Dieb hat nur einen Bruchteil der Scheine mitgehen lassen. Laut FBI blieben 50 Millionen Dollar in der Sicherheitsbox zurück. Den Good Fellas wäre das wohl nicht passiert.