Die einen feiern ihre Ankunft. Die anderen möchten sie am liebsten abschießen. Raubtiere siedeln sich wieder in Deutschland an - und haben es verdammt schwer.
Bis man in der Oberlausitz auf Menschen trifft, kann es dauern. Das liegt daran, dass im östlichsten Zipfel Deutschlands mancherorts nur 20 Bewohner auf einem Quadratkilometer leben; statistisch gesehen ist dieser Teil Sachsens eine der am dünnsten besiedelten Regionen der Republik.
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Mit Wölfen verhält es sich genau andersherum. Nirgendwo in Deutschland leben mehr, ein Tier kommt auf 25 Quadratkilometer. Allerdings sind sie noch seltener zu sehen als die Lausitzer.
Gesa Kluth etwa hat ihren ersten Wolf erst ein halbes Jahr nach ihrem Umzug in die Gegend getroffen, er kreuzte ihren Weg nachts bei einer Autofahrt. Das ist insofern beachtlich, als die Biologin nur deswegen hierher gezogen ist, um Wölfe zu erforschen.
Manfreds Diode blinkt
Manfred zum Beispiel. Der Rüde ist ein Jahr alt und lebt mit seinem Rudel auf dem Truppenübungsplatz in der Muskauer Heide. Panzer ballern auf dem 16000 Hektar großen Areal auf Hausattrappen. Die Wölfe stört das nicht, sie haben sich an den Lärm gewöhnt, kennen die Schießbahnen.
Gesa Kluth steht auf der Trittleiste ihres Jeeps und reckt eine Richtantenne in die Luft. Plötzlich blinken rote Dioden auf. Manfred, der einen Sender um den Hals trägt, muss im Umkreis von 150 Metern sein. Kurs auf Manfred, erst mit dem Jeep, dann zu Fuß. Stunde um Stunde vergeht, es dämmert. Manfred ist mal näher, mal ferner. Zu sehen ist er nie. Gesa Kluth bricht die Suche ab - und ist zufrieden.
Sie freue sich über jeden Wolf, den sie nicht sehe, sagt sie. Die Tiere hinterließen auch so genug Spuren, Fährten und Losungen etwa. Zudem wüsste sie nun, dass Manfred für die Tageszeit sehr umtriebig sei - und sich artgerecht verhalte.
"Wölfe sind extrem scheu, ein gesundes Tier würde nie Kontakt zu Menschen suchen", sagt die 37-Jährige. Zusammen mit Ilka Reinhardt betreibt sie das Wildbiologische Büro Lupus, das für das sächsische Umweltministerium die Wölfe erforscht. Den Sender konnte sie nur anbringen, weil Manfred - den Gesa Kluth so nennt, weil sein Sender als "M" im Empfänger erscheint - in eine Lebendfalle geraten war.
Schießen, Schaufeln, Schweigen
Manfreds Eltern sind Einwanderer aus dem nur wenige Kilometer entfernten Polen. Seit zehn Jahren darf der Wolf in Polen nicht mehr geschossen werden, seither leben 600 Tiere dort, und öfters kommen manche über die Grenze.
Manfreds Eltern waren 2001 die ersten Wölfe seit 150 Jahren, die in Deutschland Nachwuchs bekommen haben, zuvor galt der seltene Räuber hier als ausgerottet. In der Lausitz leben zwei Rudel, 47 Tiere wurden bislang geboren, 22 sind geblieben, der Rest ist verschwunden.
Vielleicht sind einige Tiere nach Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern gezogen. Dort häufen sich jedenfalls Wolfssichtungen; wie einen verloren geglaubten Sohn feiern Umweltschützer und Politiker jedes Tier, das in ihrem Beritt gesichtet wird.
Vielleicht trifft aber auch das zu, was im Jägerjargon "Schießen, Schaufeln, Schweigen" heißt. Informationen aus Jagdkreisen deuteten darauf hin, dass Wölfe abgeschossen wurden, sagt Gesa Kluth. Nicht allen passe es, dass sie in ihrer alten Heimat wieder Fuß fassen.
Joachim Bachmann wohnt in der Hohen Tatra von Bärwalde. Der Jäger hat sich in dem Ort unweit des Truppenübungsplatzes ein Gut aus dem Holz der Karpatenregion bauen lassen. Im Wohnhaus des pensionierten Unternehmers zeigen Gemälde Jagdszenen, eine Hirschstatue steht neben dem Esstisch.
Er wolle sich von den Frauen nichts erzählen lassen, sagt der 73-Jährige, der Träger der Verdienstmedaille des Deutschen Jagdverbandes ist. Dass Gesa Kluth zum Beispiel Wölfe bereits in Estland studiert hat, lässt er nicht gelten. Wölfe seien nicht harmlos, wie die Frauen immer behaupteten, wettert Bachmann, sondern eine Gefahr für Menschen. Da helfe nur eins: abschießen.
Gerichtlich wollte Bachmann eine Abschussgenehmigung für das streng geschützte Tier erwirken, vergebens. Ein Richter des Dresdner Verwaltungsgerichts fragte ihn: "Haben Sie Angst vor Wölfen?"
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Sorry, als ich "Jäger" schrieb, habe ich verallgemeinert, was aber auch daran liegt, dass man immer nur die Kommentare und Meinungen der "anderen" Jäger hört und liest. Ich fände es gut, wenn Sie und Ihr "jagendes Umfeld" öfter in Erscheinung träten.
Ich würde mir wünschen das "die Jäger" etwas differenzierter betrachtet werden würden. Ich persönlich und auch mein jagendes Umfeld haben keine unbegründeten Vorbehalte gegen die Wiederansiedlung der Wölfe, sondern sehen dies sehr positiv.
Aufgabe der Jäger ist die Hege und Pflege der Wildtiere und ihrer Lebensräume - wozu ja auch der Wolf gehört, wenn man nicht mit Weg-gegangen-Platz-vergangen argumentiert.
Richtig paradox scheint aber, daß sich die Aufgabe der Jäger, nachdem die Sorge um die Nahrungsmittelgewinnung weggefallen ist, verlagert hat, weil die Räuber teilweise verschwunden sind, die Jäger also verstärkt für ein natürliches Gleichgewicht in den Wäldern sorgen sollten. Und nun, wo einer der natürlichen Rolleninhaber wieder die Bühne betritt, wird er als Konkurrenz wahrgenommen.
Das Ansehen des JagdSPORTS ist gesunken, echte Pelze sind verpönt und nun nimmt der Wolf den armen Jägern die noch einzig verbliebene Legitimation...
Es gibt in Deutschlands freier Natur drei Arten von Tieren: solche, die es sich zu jagen lohnt, solche, die stören und der Rest. Da stören Beutegreifer, die nur leben wollen (anders als die Jäger, die nur töten wollen) natürlich doch sehr...Wenn diese sich mal mit praktischer ökologie beschäftigen würden, dann wüßten sie, wie die Natur eigentlich austariert ist...
Gut wäre es, wenn die Herren Jäger und Jagdpächter sich erst mal darum kümmern würden, dass ihre Reviere nicht mit Rotwild überfüllt werden, dank Winterfütterung und Ausrottung aller Beutegreifer. Das Abschiessen der erst sorgsam aufgepäppelten Geweihträger muss schon ein ganz besonderes Vergnügen sein! Und da darf sich doch kein so fieses Vieh wie ein Wolf ins Revier wagen, der könnte ja etwas zugunsten des natürlichen Gleichgewichts unternehmen, sprich: ein Reh reissen, und das Töten von Rehen steht eben ganz amtlich nur den Jägern zu.
Wenn ich nur denke, was dank der eifrigen Jäger alles "in die Schranken gewiesen" wird und wurde: über Füchse, Dachse, Raben, Adler und Geier zu Bären, Luchsen und Wölfen.
Aber man muss natürlich auch bedenken, dass heutzutage die Gefahr der Wolfsangriffe besonders gross ist, weil man ja in erster Linie im offenen Schlitten durch die verschneite Lausitz fährt, und das Wolfsrudel heulend hinterher....
Paging